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	<title>Predigt-Aktuell Archives - Klosterkirchengemeinde Cottbus</title>
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	<description>Herzlich Willkommen in der Klosterkirchengemeinde Cottbus</description>
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	<title>Predigt-Aktuell Archives - Klosterkirchengemeinde Cottbus</title>
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		<title>Predigt &#8211; Abendmahlsgottesdienst 8. Sonntag nach Trinitatis 26. Juli 2026 Klosterkirche zu Cottbus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 06:31:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Predigttext_______________________________ Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen  [...]</p>
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<p style="font-weight: 400;">Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.</p>
<p style="font-weight: 400;">                                                                                Johannes 9, 1-7</p>
<p style="font-weight: 400;"><u> </u></p>
<p style="font-weight: 400;"><u>Predigt______________________________</u><u>_____</u></p>
<p style="font-weight: 400;">Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserm Herrn Jesus Christus. <em>                                   Gemeinde:</em> Amen</p>
<p style="font-weight: 400;">Freitagabend. Wir sind im Spreewald unterwegs. Eine beeindruckende Wolkenwand vor uns, einen kräftigen Wolkenbruch verheißend. Hinter uns in herrlichen Farben eine wunderschöne Abendsonne. Gelb- und Rottöne in allen Schattierungen. Wir können uns nicht sattsehen und genießen das Schauspiel in vollen Zügen. Wie wunderbar hat Gott die Welt geschaffen. Vergessen sind für einen Moment alle Waldbrände und Starkregenereignisse, alle Kriege und alles menschliche Leid. Die Welt ist einfach wunderbar gemacht und ich darf das alles dankbar in mich aufnehmen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Situationswechsel und Zeitenwechsel. Jesus verlässt den Tempel in Jerusalem. Im Vorübergehen sieht er einen Blinden. Vor den Toren des Tempels begegnet Jesus dem Elend dieser Welt. Ein von Geburt an blinder Mensch, zum Betteln verdammt, um sein Existenzrecht ringend, stumm. Ausgeschlossen von Bildung und normalem Broterwerb. Wir hören nichts von ihm, so, als gäbe es ihn gar nicht. Fremd ist ihm die Welt, dunkel der Raum. Die ihn begleiten, sehen nur seine unbekannte Schuld. Wer so vegetiert, muss ein zu Recht geschlagener Mensch sein. Auf ihm liegt eine Strafe. Was hat sie ausgelöst? Leid ist die objektive Gestalt der Sünde. So hat man es ihnen beigebracht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Phantasien kommen auf. Was hat er getan? Und wenn nicht er: Waren es seine Eltern, deren Vergehen sich an ihm ausgewirkt haben? Der Zeitgeist raunt von irgendwelchen Geschichten. Über allem steht das Walten der Götter. Vergeltung macht auch vor dem Gott Israels nicht halt – so meinen sie jedenfalls. Gott lässt sich nicht spotten. Kinder büßen für ihre Eltern.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wer so auf den Blinden sieht, sieht Gott in seinem Richteramt. Hinter der Frage der Jünger steht ein Tasten nach Erklärung, der Versuch, Gründe zu finden, ein wenig Rationalität in die Zumutungen des Lebens zu bringen. Schütze dich vor dem göttlichen Fluch durch Treue zu den Ordnungen der Väter. Vor allem zeige keine Empathie. Kalt ist ihr Blick, ihr Reden steht in der Gefahr, ein leichtfertiges Spiel mit dem Leid Anderer zu werden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Doch scharf und prägnant zerbricht Jesus ihr Räsonieren. Er weist dieses verquere Denken von Gott klar und eindeutig zurück. Seine Antwort ist der entscheidende Schlüssel für die Befreiung der Religion aus ihren selbstverschuldeten Fesseln. Die Verbindung von Krankheit und Sünde bricht Jesus auf. Gott offenbart sich nicht durch die Zerstörung einer Person, Gott schickt nicht Krankheit als Strafe. Gott offenbart sich durch die Heilung des Blinden.</p>
<p style="font-weight: 400;">An den Heilungsgeschichten der Bibel hat mich immer wieder gestört, dass von der Empathie Jesu, von seiner Zuwendung zu den kranken Menschen nur so wenig zu spüren ist. Oft hat man den Eindruck, es gehe gar nicht um den Menschen, der da geheilt wird, um sein Leid und sein Glück. Ja, dieser konkrete Mensch sei Jesus fast gleichgültig. Es gehe allein darum, dass etwas über Jesus, über seine Vollmacht, seine Bedeutung, seine Gottsohnschaft gesagt wird. Darum möchte ich gern beim Kern dieser Geschichte bleiben. Es ist ja auffällig, dass es viele solcher Geschichten von Jesus gibt. Und bevor sie von einem Evangelisten wie Johannes in das Ganze eines Evangeliums hineinkomponiert wurden, bevor sie Teil der großen Botschaft wurden, waren sie Ereignis. Zuerst einmal mit viel weniger Deutung als in der Form, in der sie uns heute begegnen. Und da fällt auf, wie klar Jesus dem Deutungsversuch der Jünger eine Absage erteilt. Fast empört reagiert er. Was soll denn diese Frage? (Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern?) Dabei trifft die Jünger gar keine Schuld. Sie haben einfach im Rahmen und in den Denkgewohnheiten ihrer Zeit überlegt. Und diesen Rahmen, diese Denkgewohnheiten sprengt Jesus.</p>
<p style="font-weight: 400;">Bevor Jesus den blinden Menschen heilt, stellt er klar, dass er damit die Werke Gottes wirkt. Höher angebunden kann die Heilung nicht sein. Die angeborene Blindheit ist keine Strafe Gottes, ganz im Gegenteil, die Heilung vom Blindsein ist eine Tat Gottes durch Jesus.</p>
<p style="font-weight: 400;">Vermutlich hat diese Haltung Jesu zu den Menschen am Rand das Christentum viel mehr geprägt als uns heute oft klar ist. Als sich die christliche Gemeinschaft so nach und nach von der jüdischen Mutterreligion als eine eigene Größe abtrennte, war sie für viele Menschen so anziehend, weil die Christinnen und Christen sich Menschen zuwendeten, ihre Not linderten. Reiche und Arme aßen gemeinsam. Es wurden Menschen eingesetzt, deren Aufgabe es war, sich um hilfsbedürftige Menschen zu kümmern, Witwen und Waisen ließen sie nicht allein. Natürlich gab es auch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft dafür Regeln. Aber durch Jesus bekam die Sorge für andere Menschen doch einen ganz anderen Stellenwert im gelebten Glauben. Jesus war der Gründer der Diakonie. Das zog die Menschen an. Und das ist übrigens auch heute das, was sehr viele Menschen an unserer Kirche schätzen; selbst dann, wenn die Kirche in ihrem Leben sonst eine nebensächliche Rolle spielt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Aber zurück zu Jesus und dem Blinden. Jesus heilt den Menschen, indem er aus Erde und Speichel einen Brei anrührt und ihm diesen auf die Augen streicht. Speichel war damals ein allgemein anerkanntes Heilmittel. Da bleibt Jesus ganz im Rahmen des Erwartbaren. Aber vielen Auslegern dieses Textes ist aufgefallen, dass es eine Parallele zur Schöpfungsgeschichte gibt, nach der Gott den Menschen aus Erde, aus Lehm formte. Man kann es also auch so sehen, dass Jesus an dem blinden Menschen die Schöpfung Gottes vollendet und ihn zu einem Sehenden macht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Zur Heilung gehört die Waschung im Teich Siloah. Dieses Becken wurde von der Gihon-Quelle gespeist und hatte eine herausragende Bedeutung für die Wasserversorgung Jerusalems. Das reine Wasser des Teiches Siloah galt als heilkräftig und war ohnehin schon ein Sinnbild der lebendigen Wasser Gottes. Der Blindgeborene wäscht sich in diesem Teich und er kommt sehend zu Jesus zurück.</p>
<p style="font-weight: 400;">Festhalten möchte ich vor allem die Empathie, mit der Jesus dem blind geborenen Menschen begegnet. Und diese Empathie ist auch dann angemessen, wenn es tatsächlich Wurzeln einer Krankheit oder einer Einschränkung im Leben eines Menschen gibt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Vielleicht ist der einen oder dem anderen von Ihnen ja schon der Gedanke gekommen, dass es ja tatsächlich Krankheiten gibt, die im Leben, im Verhalten der Generationen vor uns liegen. Denken wir nur an das Paket, das die Kinder und Enkel von Geflüchteten mit sich tragen. Oder die Nachfahren von Nazi-Tätern, oder die Kinder von alkohol- oder überhaupt suchtkranken Menschen. Natürlich gibt es da Zusammenhänge. Aber diese Zusammenhänge dürfen mit Jesus argumentiert nie als „Strafe für …“ gedeutet werden. Im Gegenteil: Menschen, die von einer solchen Familiengeschichte geprägt sind, die unter ihrer Kindheit und Jugend leiden wie ihre Eltern schon in ihrer Kindheit und Jugend gelitten haben – solche Menschen brauchen gerade das Einfühlungsvermögen anderer Menschen, ja die Empathie einer ganzen Gesellschaft. Und die Empathie einer Gesellschaft, die Empathie eines Staates drückt sich in Ressourcen aus. Psychotherapeutische Angebote, die bewirken können, dass Teufelskreise aufgebrochen werden und die Last nicht wieder und wieder an die nächste Generation weitergegeben wird, muss eine Gesellschaft genau so zur Verfügung stellen wie die Operation eines gebrochenen Beines oder eine Krebsbehandlung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das wunderbare Licht wird uns alle in diesem Sommer und im Herbst begleiten. Ich freue mich auf die Sonne am Meer, auf Sonnenuntergänge und einen strahlenden Sternenhimmel im Norden. Jesus sagt: Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Es gibt da einen Zusammenhang. Licht ist für uns nicht nur lebensnotwendig. Licht ist gut für unsere Seele. Gottes Licht hat verschiedene Dimensionen. Gottes Schöpfung war nicht zu Ende, als er das Licht schuf. Gott ist gegenwärtig in seinem Sohn. Als Licht der Welt ist er nach wie vor unter uns lebendig.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wenn Erzieherinnen und Erzieher in unseren Kindergärten jedes Kind als einen einmaligen Gedanken Gottes sehen, sich einfühlen in dieses Menschenkind. Wenn Altenpflegerinnen und Altenpfleger den ihnen anvertrauten Menschen nicht nur Pflege angedeihen lassen, sondern ihnen mit Liebe begegnen. Dann ist Gott als Licht unter uns lebendig. Natürlich ist da noch viel Luft nach oben. Konfirmandinnen und Konfirmanden mit einer Lernbehinderung werden wir oft nicht gerecht mit unseren Angeboten. Und so könnten wir viele Defizite in Kirche und Diakonie aufspüren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Jeder Mensch, der sich einem anderen Menschen in Liebe zuwendet, geht in den Spuren Jesu. Und er oder sie bringt Licht in die Welt. Gott traut uns das zu. Halten wir die Augen offen. Damit wir die Menschen vor den Tempeltoren unserer Zeit nicht übersehen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens zu denken wagen, der wird unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus.</p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Gemeinde</em>: Amen.</p>
</div><div class="fusion-text fusion-text-2"><h1 style="text-align: center;"><span style="color: #ff9900;"><a style="color: #ff9900;" href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2026/09/Predigttext-8-Sonntag-nach-Trinitatis-Klosterkirche-2026.pdf" target="_blank" rel="noopener">Predigt zum Download</a></span></h1>
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			</item>
		<item>
		<title>Predigt &#8211; Erster Sonntag nach Trinitatis &#8211; 7. Juni 2026  Klosterkirche zu Cottbus</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-erster-sonntag-nach-trinitatis-7-juni-2026-klosterkirche-zu-cottbus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2026 06:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Erster Sonntag nach Trinitatis - 7. Juni 2026 Klosterkirche zu Cottbus - es gilt das gesprochene Wort -   Predigttext____________________________________________ Predigttext: Apostelgeschichte 4, 32-37 Der Predigttext ist im Verlauf der Predigt abgedruckt.   Predigt_______________________________________________ Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus.    Gemeinde: Amen. Jörg und Helene  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-2 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-3"><p style="font-weight: 400;">Erster Sonntag nach Trinitatis &#8211; 7. Juni 2026</p>
<p style="font-weight: 400;">Klosterkirche zu Cottbus</p>
<p style="font-weight: 400;">&#8211; es gilt das gesprochene Wort &#8211;</p>
<p style="font-weight: 400;"><em><u> </u></em></p>
<p style="font-weight: 400;"><u>Predigttext____________________________________________</u></p>
<p style="font-weight: 400;">Predigttext: Apostelgeschichte 4, 32-37</p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Der Predigttext ist im Verlauf der Predigt abgedruckt.</em></p>
<p style="font-weight: 400;"><u> </u></p>
<p style="font-weight: 400;"><u>Predigt_______________________________________________</u></p>
<p style="font-weight: 400;">Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus.    <em>Gemeinde</em>: Amen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Jörg und Helene kannten sich seit vielen Jahren. Sie liebten einander und wollten beieinander bleiben. Jörg war der erste in seiner Familie, der ein Abitur erworben hatte und studiert hatte. Helene kam aus einer Unternehmerfamilie, Studium und Bildung für alle Familienmitglieder war seit Generationen eine Selbstverständlichkeit. Über Geld sprach man nicht. Das hatte man. Aber so platt hätte man das nie gesagt. Dazu war man zu gebildet. Man hatte dafür auch zu viel Herzensbildung. Man lebte einfach danach. Jörg und Helene hatten also sehr unterschiedliche Erfahrungen mit dem, was einem so zum Leben zur Verfügung stand. Ihre Wege zu einem Beruf, in dem sie gern arbeiteten, war sehr verschieden gewesen. Und auch, wenn sie sich ihrer Liebe sehr sicher waren, wollten sie nicht, dass das Geld einmal zwischen ihnen stehen könnte. Darum vereinbarten sie Gütergemeinschaft, als sie heirateten. Jörg brachte 5.000 € ein – und viele Fähigkeiten, die einem im Leben sehr nützlich sein konnten. Er war zum Beispiel ein toller Handwerker. Und Helene brachte 150.000 € und die Aussicht auf ein gutes Erbe mit ein. Und auch sie hatte viele Fähigkeiten, die für eine Partnerschaft oder eine Familie gut sind. So konnte sie sehr kreativ nähen und Geldgeschäfte gingen ihr nebenbei von der Hand. Die Gütergemeinschaft veränderte erst einmal nicht viel. Aber sie gab ihnen die Sicherheit: Was wir besitzen, ist kein Selbstzweck. Wir haben es gemeinsam, um unser Leben zu gestalten, um genug zum Leben zu haben und – wenn es gut geht – andere einladen zu können. Wir können auch abgeben. Und wenn wir das tun, dann tun wir das gemeinsam.</p>
<p style="font-weight: 400;">Auch Lukas kennt das Prinzip der Gütergemeinschaft, die als sogenannter urchristlicher Kommunismus bekannt ist. Hören wir den Predigttext aus der Apostelgeschichte im vierten Kapitel.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Lukas erzählt deutlich idealtypisch von einer solidarischen Gütergemeinschaft der ersten Christinnen und Christen. Als Prototyp nennt er einen Josef, der Barnabas genannt wurde. Er verkaufte seinen Acker und stellte das erworbene Geld den Aposteln für den Aufbau der Gemeinde zur Verfügung. Er vertraute es ihnen an, damit sie damit verantwortungsbewusst umgehen. So konnte Menschen in Not geholfen werden. Es konnten Gottesdienste gefeiert und vielleicht Gebäude errichtet werden. Die Apostel hatten kein eigenes Vermögen. Sie stellten ihre Arbeitskraft zur Verfügung, hatten selbst einen Beruf, mit dem sie ihr Geld verdienten oder wurden von den Gemeinden als Gäste aufgenommen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das Ideal der urchristlichen Gütergemeinschaft hat sich so nicht durchhalten können. Aber dass das junge Christentum eine so starke Ausstrahlung auf viele Menschen hatte – das lag vor allem an der Gemeinschaft, die sie untereinander hatten. An der Solidarität, die sie untereinander lebten und auch an dem, was sie für Menschen taten, denen es nicht gut geht. Wenig später wird in der Apostelgeschichte von Armenspeisungen berichtet.</p>
<p style="font-weight: 400;">Was wir heute hören, ist in gewisser Weise auch eine Gegengeschichte oder eine Ergänzung zu Pfingsten. Da ging es um den Geist. Hier und in den folgenden Texten tritt das Leibliche und Ökonomische ins Blickfeld, die Mahlzeit, Güter und Habe.</p>
<p style="font-weight: 400;">Mehr als wir vielleicht auf den ersten Blick wahrnehmen, hat sich dieser Ansatz im Leben der Kirche durchgehalten und vor allem hat diese Gütergemeinschaft ausgestrahlt und wird heute an vielen Stellen praktiziert.</p>
<p style="font-weight: 400;">Da gibt es Wohngemeinschaften, nicht nur unter jungen Erwachsenen, in denen nicht jeder einen Küchentisch hat, sondern sich alle gemeinsam einen besorgen. Wohnungen stehen denen offen, deren Wohnung zu klein ist. Gäste können bei Freunden wohnen. Kinder haben neben den eigenen Eltern verschiedene ihnen vertraute erwachsene Menschen, bei denen sie gern sind. Ein Erbe wird in ein Wohnprojekt investiert. Einfach so. Ohne Rückgabemöglichkeit, nicht als Kredit, sondern als Geschenk.</p>
<p style="font-weight: 400;">Oder es gibt Nachbarn, die den Zaun zwischen ihren Gärten abbauen und beide Gärten gemeinsam nutzen. Kinder haben mehr Raum zum Spielen, gemeinsame Feste lassen sich besser feiern.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und in der Kirche? Wo ist sie da geblieben, die Gütergemeinschaft?</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich will ein paar Beispiele aus unserer Gemeinde nennen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wir haben einen Samariterfonds, aus dem wir immer Menschen in Not helfen können. Vor vielen Jahren kam ein junger Mann zu uns, der nach seiner Flucht durch welche verwaltungstechnischen Schritte auch immer ohne Einkommen dastand. Mehrfach haben wir ihm aus dem Samariterfonds einen Großeinkauf an Lebensmitteln finanziert. Heute hat er sein Studium abgeschlossen und arbeitet selbst im sozialen Bereich. Es war nur eine kurze Zeit, in der er Hilfe brauchte. Und das Schöne: Er hat sich an eine Kirchengemeinde gewendet.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ab und zu werde ich gefragt, ob denn im Samariterfonds genug Geld sei. Wenn ich da den Kopf schütteln würde, wäre dieser Zustand Geschichte.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ein anderes Beispiel: Unsere Gemeinde macht viele Rüstzeiten. Die kosten Geld. Und wer an einer solchen Rüstzeit teilnimmt, muss einen Eigenbeitrag leisten. Der ist bei uns aber immer sehr moderat bemessen – verbunden mit der Bitte, mehr zu geben, wenn man kann und damit diejenigen zu unterstützen, die weniger haben. Das funktioniert sehr gut. Gerade haben wir die Konfirmandenrüstzeit in Prag erlebt. An Teilnehmerbeiträgen kam weit mehr als das Anderthalbfache ein. Und niemand musste aus finanziellen Gründen zu Hause bleiben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich könnte da noch viele Beispiele aufzählen, will nur ein paar Stichworte nennen. Die Westphal-Stiftung an der Klosterkirche hilft vielen Jugendlichen und ihren Familien, weil ein Mensch, Dr. Wolfgang Westphal, einen großen Teil seines Vermögens gestiftet hat.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Kirchensteuer ist ein Modell des solidarischen Teilens. Alle Kinder, viele Rentner und Erwerbslose zahlen keine Kirchensteuer und manchem erfolgreichen Menschen treibt es die Tränen in die Augen, wenn er oder sie die Summe sieht, die da in seiner Steuererklärung bei Kirchensteuer steht. Mit dem Beispiel unseres heutigen Predigttextes im Rücken ist das in Ordnung. Es setzt natürlich voraus, dass die Verantwortlichen in einer Gemeinde, einer Kirche, sehr verantwortlich mit dem ihnen anvertrauten Geld umgehen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Letztes Stichwort: Der Zehnte. Immer wieder bekommt unsere Gemeinde größere Summen, weil es Menschen gibt, die den zehnten Teil ihres Einkommens – und das kann auch eine Erbschaft sein – abgeben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich sagte anfangs, dass Lukas deutlich idealtypisch von dieser solidarischen Gütergemeinschaft erzählt. Und so kann man kurz danach in der Apostelgeschichte lesen, dass ein Ehepaar verheimlichte, einen Teil des Erlöses für sich behalten zu haben. Die Gütergemeinschaft ist ein Ideal. Ein Ideal, das ausgestrahlt hat und noch immer ausstrahlt. Natürlich kennen wir auch alle die Gegenerzählungen. Natürlich ist es bitter, wenn die Gutverdienenden aus der Kirche austreten, die Solidargemeinschaft verlassen und es damit noch schwieriger wird, gemeindliches Leben, Personalstellen, Gebäude zu erhalten. Was tun? Ein Ansatz ist: Frohgemut sein und sich nicht einschüchtern lassen von Zahlen und Strukturen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Zum Zukunftsstress der evangelischen Kirche sagt Fulbert Steffensky:</p>
<p style="font-weight: 400;">„Ich würde zunächst alle Kirchenleute, vor allem Theologinnen und Theologen, Spottlieder lehren über die eigene Weinerlichkeit. Wenn die Lamentation unser Hauptkirchenlied ist, verlieren wir die Lust an uns selbst. Wir verlieren den Stolz, ohne den uns niemand achten kann.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wir werden kleiner? Na und? Wachsen ist zunächst ein geistlicher Begriff, er bedeutet nicht einfach Größer- und Mehrwerden. Wir müssen in schmerzlicher Heiterkeit einsehen und zugeben, dass wir Kirche im Exil sind. Die Ehre und das Recht Gottes sollen wachsen; das Reich Gottes soll wachsen, und das heißt nicht einfach, dass die Kirche wachsen soll. Es gibt die ekklesiologische Verblendung, in der wir heimlich und unbewusst die real existierende Kirche und Reich Gottes in eins setzen. Es genügt, wenn Rom dies tut, wir müssen es nicht nachmachen.</p>
<p style="font-weight: 400;">…. Der Stress entsteht, wo die Kirchen meinen, sie müssten allein für alles stehen: für die Ausbreitung des Glaubens, für Frieden und Gerechtigkeit, für die ganze Zukunft der Welt. Vielleicht steckt dahinter noch die alte Annahme, wir seien die einzigen, die etwas über Gott wissen; die einzigen, die die Rezepte für die Heilung der Welt haben. Die Annahme, wir könnten die Welt und den Glauben retten. Dagegen die befreiende Erkenntnis: Wir sind nicht die einzigen. Es gibt andere, die etwas über Gott zu sagen haben. Es gibt andere jetzt und andere, die nach uns kommen, die etwas davon wissen, wie Frieden und Gerechtigkeit werden können. Ja, Herrliche Freiheit: Wir müssen nicht die einzigen sein. Wir haben Geschwister und müssen nicht Herren und Meister sein.“<a href="applewebdata://6A74CB78-301A-4803-8A4F-185AE8E4D2D8#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></p>
<p style="font-weight: 400;">Wie schön ist es, dass der Gedanke der Gütergemeinschaft lebendig ist. Er lebt in unserer Gemeinde und in unserer Kirche und bei vielen Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche. Und wo er lebt, da ist das Reich Gottes angebrochen. Da ist es mitten unter uns.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens zu denken wagen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.</p>
<p style="font-weight: 400;">                                                               <em>Gemeinde</em>: Amen.</p>
<p><a href="applewebdata://6A74CB78-301A-4803-8A4F-185AE8E4D2D8#_ftnref1" name="_ftn1"></a>Fulbert Steffensky, Gott und das Brot der Armen. Junge Kirche 12/2024, zitiert nach Blog zu Welt und Kirche von Paul M. Zulehner: https://zulehner.wordpress.com/2024/06/08/steffensky-fulbert-gott-und-das-brot-der-armen/</p>
</div></div></div></div></div>
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		<item>
		<title>Predigt &#8211; Konfirmation 31. Mai 2026 – Sonntag Trinitatis &#8211; Klosterkirche zu Cottbus</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-konfirmation-31-mai-2026-sonntag-trinitatis-klosterkirche-zu-cottbus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2026 10:00:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Konfirmation Mai 2026 – Sonntag Trinitatis Klosterkirche zu Cottbus - es gilt das gesprochene Wort – Predigt Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen. Ein Ruderboot liegt am Ufer eines großen Sees. Ich sehe von hinten aus über den Bug, über die Spitze des Bootes  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-3 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-2 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-4"><p style="font-weight: 400;">Konfirmation</p>
<ol start="31">
<li style="font-weight: 400;">Mai 2026 – Sonntag Trinitatis</li>
</ol>
<p style="font-weight: 400;">Klosterkirche zu Cottbus</p>
<p style="font-weight: 400;">&#8211; es gilt das gesprochene Wort –</p>
<p>Predigt</p>
<p style="font-weight: 400;">Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ein Ruderboot liegt am Ufer eines großen Sees. Ich sehe von hinten aus über den Bug, über die Spitze des Bootes auf die weite Fläche des Wassers. Das Boot ist leer. Es lädt mich zum Einsteigen ein. Die Ruder liegen in den Dollen. Einsteigen &#8211; Das Gleichgewicht halten – Nach vorn gehen – Hinsetzen – Die Ruder eintauchen – und los geht´s. Kraft brauche ich – Ausdauer. Die Ruder müssen kurz unter der Wasseroberfläche kräftig durchs Wasser gezogen werden, damit das Boot vorwärtskommt. Aber ich kann das Boot auch mal gleiten lassen. Ab und zu muss ich mich umdrehen, um das Ziel wieder anzuvisieren. Denn beim Rudern bewege ich mich nach vorn und sehe doch zurück. Wo komme ich her? Wo geht die Reise hin? Werden meine Kräfte, mein Geschick, meine Ausdauer reichen? Was erwartet mich am anderen Ufer? Wer wird auf meiner Seite sein? Der Wind, das Wetter, das Boot? Werde ich Schwierigkeiten zu überwinden haben, in Gefahr geraten? Wer wird mir beistehen?</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich sehe in ein leeres Boot. Ich sehe viel.</p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p style="font-weight: 400;">Liebe Konfirmierte!</p>
<p style="font-weight: 400;">Nach fast drei Jahren Konfirmandenunterricht steht ihr heute im Mittelpunkt dieses Gottesdienstes, im Mittelpunkt eurer Familie, seid ihr die Hauptperson einer Feier, die vielleicht schon gestern begonnen hat.</p>
<p style="font-weight: 400;">Damit sagen ganz viele Menschen:</p>
<p style="font-weight: 400;">Du bist mir wichtig, Luise – Justus &#8211; Leonard. Oder:</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich nehme gern an dem teil, was dich bewegt, Lisanne – Fynn &#8211; Mia.</p>
<p style="font-weight: 400;">Es ist schön, dass es dich gibt, Arthur &#8211; Paula &#8211; Thekla.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich freue mich, dass du da bist, Ezra – Klementine &#8211; Max.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich möchte dein Leben weiter sehen und begleiten, Greta; und deins auch &#8211; Lennard.</p>
<p style="font-weight: 400;">Dieser Tag ist ein Höhepunkt. Auf diesen Tag habt ihr euch gefreut.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und ich wünsche euch, dass er auch in der Erinnerung &#8211; nicht nur in der Vorfreude &#8211; ein ganz besonderer Tag wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Was ich euch aber noch mehr wünsche: Dass ihr an diesem Tag spürt, was euch auch an den vielen anderen Tagen eures Lebens trägt und heute nur besonders sichtbar wird: Die Liebe von Menschen, von Eltern und Paten und Großeltern und Geschwistern. Die Nähe und das Vertrauen von Freundinnen und Freunden und die Gemeinschaft einer Gemeinde, die euch braucht und mag und die euch das auch weiterhin und immer wieder zeigt. Und in allem die Liebe Gottes, der jeder und jedem von euch das Leben gegeben hat und es erhält.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das Ruderboot. Es gibt eine Konfirmationsurkunde mit diesem Bild. Das Ruderboot als Symbol für die Konfirmation. Befestigung, Bestärkung steckt in diesem Wort Konfirmation. Die erfahrt ihr gerade in eurem Leben. Vor 12 oder 13 Jahren hätte niemand von euren Eltern oder Paten oder Großeltern euch allein in ein solches Boot steigen lassen. Heute könnt ihr schwimmen. Ihr seid auf dem Weg, erwachsen zu werden, einschätzen zu können, wie weit eure Kraft beim Rudern reichen würde, ob ihr einen solchen See überqueren könntet oder nicht. Es gibt immer mehr Bereiche in eurem Leben, in denen ihr stark seid, euch selbst orientiert, in denen ihr in euch ruht. Bestärkung habt ihr erfahren. Wenn sich Eltern um euch Sorgen machen, dann wissen sie doch, dass sie euch viel mehr zutrauen können als vor fünf oder zehn Jahren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das kam nicht von allein. Von vielen Menschen habt ihr gelernt, euch zu orientieren. Dazu gehört das nach-vorn-Schauen und das Zurückschauen. Das haben wir auch im Konfirmandenunterricht getan. Wir haben uns mit den Quellen unseres Glaubens beschäftigt, mit der Bibel natürlich, mit den Bildern von Gott, die ihr in euch tragt. Manchmal fandet ihr es langweilig. Und dann wart ihr wieder plötzlich ganz dabei. Wir haben viel über den Glauben und über unser Leben diskutiert. Manchmal wollte ich auch mit euch diskutieren, aber ihr wolltet nicht. Wir haben schöne Rüstzeiten miteinander erlebt. Es sind Freundschaften zwischen euch geblieben oder neu gewachsen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Für euren Weg ins Leben und für euer Leben in der Gemeinde gilt jetzt: Mehr und mehr kannst du selbst Verantwortung übernehmen, dich selbst entscheiden, dich einmischen. Andere werden dich fordern, dich als erwachsenen Menschen mit deinen Begabungen und Möglichkeiten in Anspruch nehmen. Die Entscheidung für eine Ausbildung oder einen Beruf musst Du selbst treffen. Niemand kann dir das abnehmen. Es gibt Menschen, die dir vertrauen. Ihr Vertrauen willst du nicht enttäuschen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Es gibt vielleicht auch Menschen, die dich auf falsche Wege mitnehmen wollen; Menschen, die für alles eine einfache Antwort haben. Ihnen musst Du dich widersetzen, wenn du auf dem Weg des Lebens bleiben willst.</p>
<p style="font-weight: 400;">Es gibt irgendwann vielleicht den einen Menschen, den du liebst und mit dem du dein ganzes Leben teilen willst, für den du dich entscheiden willst.</p>
<p style="font-weight: 400;">Auch in der Gemeinde, ob hier oder anderswo, wirst du gefragt werden: Möchtest du die Patenschaft für mein Kind übernehmen? Kannst du bei einer Konfirmandenrüstzeit als Mitarbeiterin mitkommen? Würdest du im Gemeindekirchenrat mitarbeiten?</p>
<p style="font-weight: 400;">Also: Der Platz auf der Ruderbank gehört dir.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Platz auf der Ruderbank gehört dir. Eine solche Einladung nimmt jede und jeder anders auf. Die eine mit freudiger Erwartung – ran an die Ruder.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der andere mit Zurückhaltung – kann ich das?</p>
<p style="font-weight: 400;">Erwachsen zu werden ist nicht immer schön. In einem Studentenzimmer habe ich mal ein Bild von einem Säugling gesehen, auf dem mit Edding stand: Never grow up! Werde niemals erwachsen! Manchmal ist es schön, noch nicht so erwachsen zu sein, das Kuscheltier aus Kleinkinderzeiten noch in Reichweite und die Eltern zum Ausheulen in der Nähe zu haben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das Ruderboot.</p>
<p style="font-weight: 400;">Gebaut worden ist es von einem Menschen, der davon etwas versteht. Ob Holzboot oder Kunststoff. Es ist dafür gebaut, auf dem Wasser zu schwimmen, selbst bei Wellengang nicht unterzugehen. Wer seine Hand an den Boden eines solchen Bootes legt, spürt die gewaltige Kraft des Wassers dahinter. Das Boot trägt mich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ein alter Segenswunsch sagt: Gott sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst.</p>
<p style="font-weight: 400;">Gott ist wie ein Ruderboot, das mich trägt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das Boot ist dafür gebaut, eine Richtung zu halten. Die Ruder sind geeignet, meine Kraft optimal in Bewegung umzusetzen. Aber vor allem: In diesem Boot ist für mehrere Menschen Platz. Und das ist viel wert.</p>
<p style="font-weight: 400;">Von Rainer Kunze gibt es ein schönes Gedicht über das Rudern:</p>
<p style="font-weight: 400;">Rudern zwei</p>
<p style="font-weight: 400;">ein boot,</p>
<p style="font-weight: 400;">der eine</p>
<p style="font-weight: 400;">kundig der sterne,</p>
<p style="font-weight: 400;">der andere</p>
<p style="font-weight: 400;">kundig der stürme,</p>
<p style="font-weight: 400;">wird der eine</p>
<p style="font-weight: 400;">führn durch die sterne,</p>
<p style="font-weight: 400;">wird der andre</p>
<p style="font-weight: 400;">führn durch die stürme,</p>
<p style="font-weight: 400;">und am ende ganz am ende</p>
<p style="font-weight: 400;">wird das meer in der erinnerung</p>
<p style="font-weight: 400;">blau sein.</p>
<p style="font-weight: 400;">In dem Ruderboot ist Platz für mehrere Menschen., vielleicht auch für mehr als zwei.</p>
<p style="font-weight: 400;">Man kann die Plätze wechseln, wechseln zwischen Rudern und Ausruhen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Manchmal ist es vielleicht auch schön, allein zu rudern, allein über einen ruhigen See.</p>
<p style="font-weight: 400;">Aber vor allem: Ganz allein bist du nie. Gott ist mit im Boot.</p>
<p style="font-weight: 400;">Stimmt das denn so? Sind wir nicht manchmal doch ganz allein im Boot? Da war vielleicht eine schlimme Krankheit oder ein ganz böses Ereignis in deinem Leben, an das du am liebsten gar nicht denken möchtest. Da ist ein Mensch gestorben, den du sehr gern hattest. Da ist jemand weggegangen, den du sehr gebraucht hast. Da erlebst du, dass anderen um dich herum manches so viel leichter fällt als Dir. Es gibt Streit mit den Eltern und du fühlst Dich ungerecht behandelt.  &#8211; Und das soll Segen sein?</p>
<p style="font-weight: 400;">Wo bist du, Gott?, stöhnst du vielleicht. Und dann zweifelst du daran, dass sie dich wirklich alle so gern haben wie sie heute sagen. Und dann zweifelst du an Gottes Segen. Solche Zweifel sind berechtigt. Auch in Zukunft wird es Schweres in deinem Leben geben. Alles andere wäre gelogen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Auch darüber haben wir im Konfirmandenunterricht gesprochen. Das ist die größte Herausforderung für unseren Glauben, dass in der Welt und in meinem Leben Dinge geschehen, die nicht geschehen dürften, wenn Gott allmächtig wäre und wenn er ein guter und barmherziger Gott ist. Paulus sagt einmal: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Ich wäre wohl etwas zurückhaltender als Paulus und würde mich höchstens zu dem Satz versteigen: „Wir glauben oder hoffen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Vielleicht ist das nur ein Strohhalm, an den ich mich klammern kann, wenn es ganz eng wird. Aber versuch es. Gott hat dich, Charlotte, erwählt, er hat dich , Frieda, bei deinem Namen gerufen. Du, Johann, gehörst zu ihm. Du, Theo, bist ein einmaliger Gedanke Gottes, unverwechselbar, und du, Josef, und du, Fiete, auch. Dich, Elias, gibt es nur ein einziges Mal unter Milliarden von Menschen und Gott kennt dich. Für jede und jeden von euch gilt: Gott ist immer bei dir in deinem Leben. Du kannst Gott mit einem Stoßseufzer erreichen und mit einem Jubelschrei. Du kannst ihn anklagen und ihn loben. Du kannst ihm danken und ihm deine Sorgen anvertrauen. Und nichts davon wird schief bei ihm ankommen. Er nimmt alles von dir an.</p>
<p style="font-weight: 400;">Darum, liebe Konfirmierte, widersprecht, wenn euch jemand sagen will, wie man genau beten und glauben soll. Traut eurer eigenen Wahrnehmung und sucht euch Menschen, mit denen ihr über euren Glauben reden könnt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und vergesst nicht. Menschen anderen Glaubens, Menschen, die nicht an Gott glauben, haben oft ganz ähnliche Quellen der Kraft. In Prag sind wir auf den Spuren von Vaclav Havel unterwegs gewesen. Von ihm gibt es ein Hoffnungwort, das sich nicht auf Gott bezieht. Er sagt: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Wenn wir ernstnehmen, was die Bibel an vielen Stellen sagt und beschreibt, dass der Glaube ein Geschenk ist. Dann verbietet sich jeder Stolz, dann brauchen wir nicht Grenzen, sondern Brücken. Dann kann ich nur dankbar sein, dass Gott mich mit diesem Glauben beschenkt hat und kann mich verbinden mit allen Menschen guten Willens, die mir begegnen. Und darum, lieber Konrad, bin ich ganz gewiss, dass du einen guten Weg gehen wirst und dass wir beieinander bleiben werden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Euch allen wünschen wir heute den Mut, auf der Ruderbank Platz zu nehmen. Gott ist wie ein Ruderboot, das dich trägt und schützt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Er wird dich nicht enttäuschen.</p>
<p style="font-weight: 400;">                                                              Amen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.</p>
</div></div></div></div></div>
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		<title>Predigt &#8211; Pfingstsonntag &#8211; 24. Mai 2026 &#8211; Klosterkirche zu Cottbus</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-pfingstsonntag-24-mai-2026-klosterkirche-zu-cottbus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 May 2026 10:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Pfingstsonntag - 24. Mai 2026 Klosterkirche zu Cottbus - es gilt das gesprochene Wort -   Predigttext_______________________________ Predigttext: Apostelgeschichte 2, 1-18 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-4 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-3 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-5"><p style="font-weight: 400;">Pfingstsonntag &#8211; 24. Mai 2026</p>
<p style="font-weight: 400;">Klosterkirche zu Cottbus</p>
<p style="font-weight: 400;">&#8211; es gilt das gesprochene Wort &#8211;</p>
<p style="font-weight: 400;"><em><u> </u></em></p>
<p style="font-weight: 400;"><u>Predigttext__________________________</u><u>_____</u></p>
<p style="font-weight: 400;">Predigttext: Apostelgeschichte 2, 1-18</p>
<p style="font-weight: 400;">Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein. Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><u> </u></p>
<p style="font-weight: 400;"><u>Predigt______________________________</u><u>_____</u></p>
<p style="font-weight: 400;">Pfingsten. Wir sagen: Das ist der Geburtstag der Kirche. Heute ist der Tag, an dem wir die Geburtsstunde der Kirche feiern, seit diesem Ereignis, damals  in Jerusalem. 50 Tage nach der Auferstehung. Wir haben es vorhin gehört, was da geschehen ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich stelle mir vor: Ich besuche heute die Kirche zum Geburtstag. So, wie ich manchmal Menschen zu einem Geburtstag besuche. Dann denken wir daran, dass ein Mensch von Gott gemeint ist. Heute können wir auch an Richard und an Heinrich denken. Dass ein unfassbar kluger Gedanke der Anfang ihres Lebens war. Vor deinem Leben, du Geburtstagskind oder du Taufkind, stand eine Idee, Gott hat einen Entwurf gezeichnet, mit Begabungen, Wesenszügen, deinen eigenen Schönheiten, deinen Schwächen und Leerstellen, hat dir Leben eingehaucht. Das hat er begonnen und das wird er so weiter machen. Irgendwann wirst du zurückblicken und erkennen können: Gott hat dich auf deinen Weg geschickt, ist mitgegangen, auch wenn du falsch abgebogen bist, hat dir Wegweiser aufgestellt, die dich zurück auf begehbares Gelände geführt haben. Hatte dich bei Kummer im Arm. Hatte dich im Arm, wenn du Kummer zugefügt hast. Gott war da, Richard, Gott war da, Heinrich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich stelle mir also vor: Ich besuche die Kirche zum Geburtstag. Ich setze mich an ihren Küchentisch. Es waren Gäste da. Nicht viele. Die Krümel vom letzten Abendmahl fegt sie mit knöcherner Hand vom Tisch.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich rieche alten Stein und Kerzenwachs. Ich kann sie gut riechen, die alte Kirche. Es liegen Erfahrungen von Würde und Geist, Ehre, Achtung und Segen in ihrem Geruch. Aber auch Feuchtigkeit und zu viel alter Raum. Dann aber auch wieder frische Luft, Sonne, kräftiger Gesang. Viele Stimmen, die durcheinander reden, lachen, Fröhlichkeit und Ausgelassenheit.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Kirche“, sage ich „wie geht es dir an deinem Geburtstag?“ Sie schaut mich lange an. Ich schaue sie lange an. Ihr wunderschönes, von Furchen durchzogenes, erfahrungsgezeichnetes Gesicht. Sie antwortet nicht. Sie steht auf. Krummer Rücken, schlurfender Gang. Sie holt ein Buch. Schlägt es auf, Seite für Seite zeigt sie mir ihr knapp 2000 Jahre altes Leben. Bilder und Geschichten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich sehe und höre: ihren feurigen Anfang, ihre unbändige Energie. Ihre atemberaubende Schönheit. Wie attraktiv sie war. Wie sie Männer und Frauen anzog, unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Mentalitäten, unabhängig von sozialem Stand und Status. Und sie erzählt: Damals in Jerusalem! Damals in Galiläa! Damals in Mesopotamien, Kapadozien und Asien! Wie Menschen um sie stritten. Und wie viel Liebe sie schenken konnte, wie gut ihre Worte waren für die, die am Leben litten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich sehe und höre auch: Wie viel Grauenhaftes in ihr geschah. Und in ihrem Namen. In ihrem Angesicht. Hinter ihren Toren. Die Verfolgungen. All die Kriege. Die Morde. Ich sehe, dass Menschen, die sich ihr anvertrauten, bei ihr keinen sicheren Ort fanden. Dass Kinder hinter ihren Türen nicht Zeichen, Wunder und Träume, sondern Misshandlung, körperverletzenden und Seele zersetzenden Missbrauch fanden. Ich erfahre, wie hartleibig sie war. Wie toxisch. Wie sie sich verführen ließ, mit dem Teufel zu tanzen, Gottes wunderschöne, heiß geliebte Braut.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wir weinen beide, als wir die Seiten aufschlagen. Es ist ein heilloses, schulddurchtränktes, bitteres Klagen. Sie hat viel Schuld auf dem Rücken, unsere Kirche.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich sehe sie weinen und denke: Kirche, du gute Idee Gottes. Du liebevoller Entwurf. Geistbeschenkte. Was ist mit dir passiert? Und ich halte es kaum aus, sie anzuschauen. Weil da so viel Widersprüchliches in ihrer Gestalt aufscheint. Weil ich sehe, dass sie beides ist: alt und weise und alt und schuldig. Weil ich sehe, wie gut und verlässlich ihre jahrtausendealten Geschichten vom ewig Gültigen des Menschseins immer noch tragen. Weil ich erlebe, wie wirksam sie immer noch Gottes Geist lebendig werden lässt unter denen, die sich noch zu ihr zählen. Und höre, wie ihre Klänge und Worte aus anderen Jahrhunderten herüberklingen und mich durch Zeiten und Räume hindurch mit denen verbinden, die vor mir geglaubt haben und nach mir glauben werden. Weil sie mich mit Maria von Magdala, Dietrich Bonhoeffer, Dorothee Sölle und Oma Elfriede in einen Kreis stellt, in dem wir mit klopfenden, sehnsüchtigen Herzen und offenen Handflächen darauf warten, dass ein einziges Stück Brot uns das Alles in Allem Gott schenkt, an dem wir heil werden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und dann sehe ich auch in ihrer krummen, alten Gestalt: ihr krampfhaftes Festhalten an Privilegien. Immer wieder auch ihren Pakt mit den Staatsmächten. Da sind ihre Unflexibilitäten, ihre starren Gesetze. Wie konnte Gottes junge, feurige Kirche ein so schwerfälliger Apparat werden?</p>
<p style="font-weight: 400;">Sie wirkt müde, die Kirche, an diesem Nachmittag, an dem wir ihren Geburtstag feiern. Und ich will ihr so gern sagen, da, an ihrem Tisch:</p>
<p style="font-weight: 400;">Liebe Kirche, du bist ein schwacher Leib geworden. Leg dich hin. Du darfst loslassen. All deine Privilegien, dein staatstragendes Selbstbild. Lass einfach los. Du musst nicht zu allem Worte finden. Du darfst dir und der Welt zuweilen deine Wortlosigkeit eingestehen. Du darfst schweigen, weinen, trauern. Du darfst Hilfe annehmen. Und dich nähren von dem, was andere für dich bereit haben. Du darfst schwach sein. Denn du hast einen starken Gott und einen feurigen Geist in dir. Immer noch. Leg dich einfach hin und vertrau auf diese Kraft, auf deine Geistesgaben, deine Begabungen, dein Gebet, deinen Gott, der dich lenken und leiten wird. Vielleicht wirst du so der stille, leise Ort, den ich mir so sehr wünsche. Für dich, für mich, für uns alle. Ein stiller, weiser Ort für deine Menschen. An den alle kommen können, an dem sie alles hinlegen und alles aussprechen dürfen, was in ihnen ist. Ein Ort, wo Menschen in der Sprache ihres Herzens sprechen. Wo wir einander verstehen. Wo die Sprache der anderen uns nicht verletzt und nicht bedroht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Sei doch, liebe Kirche, dieser heilige, weise Ort der Gegenwart Gottes. Er selbst hat am Tag deiner Geburt ein Versprechen dagelassen. Wunder am Himmel und Zeichen auf der Erde werden geschehen an deinen Orten, bis Gott wiederkommt. Das können doch sein: Wunder der Gewaltlosigkeit. Zeichen des Verzichts auf Macht und Herrschaft der einen über die anderen. Wunder der gemeinsamen Tische, an denen Beschämer und Beschämte sitzen, sich ansehen, sprechen, ein jeder und eine jede in der Sprache des Herzens. Nicht weniger als das Wunder der Tische im Angesicht meiner Feinde ist mir versprochen an deinen heiligen, weisen Orten. Zeichen des gegenseitigen Zuhörens. Das Wunder der Vergebung. Tage und Nächte der Liebe.</p>
<p style="font-weight: 400;">Es klingt utopisch. Es ist utopisch. Es ist die Vision von Gottes Reich, das anbrechen könnte an heiligen, weisen Orten seiner Gegenwart, bis er wiederkommt in Herrlichkeit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich will gehen. Meinen Besuch bei der Kirche beenden. Aber etwas fehlt. Ich möchte beten, diese ganze Lebensgeschichte in Gottes Hand legen. Also bete ich für die Kirche. Ich bete als Teil der Kirche. Ich bete als Kirche – mit Maria von Magdala, Dietrich Bonhoeffer, Dorothee Sölle und Oma Elfriede. Mit den Beschämern und den Beschämten. Mit denen, die einfach nur einen heiligen, weisen Ort besuchen wollen. Mit denen, die für die Rechte der Armen und der Geflüchteten kämpfen. Mit Richard und Heinrich und ihren Eltern und Paten. Mit den Kindern und Enkeln von Maria Maerksch und all den Trauernden gerade in unserer Gemeinde. Mit euch. Wir sind ja alle zusammen dieser alte Leib, diese alte und dann doch immer wieder frische Kirche. Wir wollen ihn doch retten, irgendwie, diesen Leib Christi, diese Kirche. Das alte Schiff, das sich Gemeinde nennt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Petrus sagt, was der alte Prophet Joel gesagt hat: Betet! Ruft seinen Namen an. Jeder in der Sprache seines Herzens. Nennt ihn, wie ihr ihn nennt. Vater, Mutter, das Geheimnis, nennt sie Liebe, „Kraft, die mir oft fehlt“, unergründliche Quelle.</p>
<p style="font-weight: 400;">Gott wird da sein. Auch dann noch, wenn Richard und Heinrich alte Männer sind. Gott wird da sein. Und wir werden einander verstehen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens zu denken wagen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.</p>
<p style="font-weight: 400;">                                                               <em>Gemeinde</em>: Amen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Diese Predigt verdanke ich Pfarrerin Dr. Anne Helene Kratzert, Karlsruhe. Ich habe sie an vielen Stellen verändert und bearbeitet. </em></p>
</div></div></div></div></div>
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		<title>Predigt &#8211; Zweiter Christtag &#8211; 26. Dezember 2025 &#8211; Klosterkirche zu Cottbus &#8211; Pfarrer Wolfgang Gürtler</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-zweiter-christtag-26-dezember-2025-klosterkirche-zu-cottbus-pfarrer-wolfgang-guertler/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Jan 2026 11:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zweiter Christtag Dezember 2025 Klosterkirche zu Cottbus - es gilt das gesprochene Wort - Predigttext: Titus 3, 4-7 Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-5 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-4 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-6"><p style="font-weight: 400; text-align: left;">Zweiter Christtag</p>
<ol style="text-align: left;" start="26">
<li style="font-weight: 400;">Dezember 2025</li>
</ol>
<p style="font-weight: 400; text-align: left;">Klosterkirche zu Cottbus</p>
<p style="font-weight: 400;">&#8211; es gilt das gesprochene Wort &#8211;</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Predigttext</strong>: Titus 3, 4-7</p>
<p style="font-weight: 400;">Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben seien nach der Hoffnung auf ewiges Leben.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong> </strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Predigt</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.                           <em>Gemeinde: Amen.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Die mit den unendlichen Augen kommen aus dem Osten.<br />
Genauer gesagt, aus dem Erzgebirge. Wie sich in ihren groben Gesichtern die Menschenfreundlichkeit Gottes spiegelt!<br />
So sehen sie eben aus, die seltenen Menschen, denen das Hören und Sehen noch nicht vergangen ist.<br />
Handgeschnitzte Krippenfiguren, deren Augen einen nicht loslassen wollen, wenn man in ihre Krippenszene schaut.<br />
Zwei aufgescheuchte Hirten, drei weitgereiste Gelehrte,<br />
dazu eine Mutter, die eher ängstlich in die Zukunft ihres neugeborenen Heilandes schaut, und ein Joseph, dessen Blick noch schwankt von der Geburt. Nur der Heiland schläft.</p>
<p>Was macht diese hölzernen Hoffnungsmenschen aus der kleinen Werkstatt im Erzgebirge nur so „eigenartig&#8220;?<br />
Ich glaube, es ist weniger ihr Aussehen als ihr <em>Ansehen</em>.<br />
Es öffnet mir die Augen, wenn ich an Marias Lied denke:<br />
„Mein Geist freut sich Gottes, meines Heilands; denn er hat mich <u>angesehen</u>&#8222;, singt Maria im Magnificat, dem Jubellied der schwangeren Frau aus einfachen Umständen.<a href="applewebdata://BC79EAA1-82B4-4A00-AE88-5D57FB644E9E#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> Gott hat sie angesehen! Und eine von Gott „Angesehene&#8220; sieht wahrscheinlich verändert aus. So, als wäre ihre Lebensuhr beim Staunen stehengeblieben. Ihre kindliche Sehnsucht nach Veränderung, nach besseren Lebensumständen für alle, ist größer geblieben als die Welt, in die sie hineinwuchs mit diesem Leben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Auch die Hirten haben schon viel gesehen. Sie kennen die Nacht und das kalte Zwielicht der Wüste. Es wird seinen Grund haben, dass Gott sich so gern aus den Reihen der Hirten Propheten erweckte. Diese Propheten hießen auch „Seher&#8220;.<br />
Nicht bloß, weil sie von einem Ende der Welt zum anderen</p>
<p style="font-weight: 400;">sehen konnten (vielleicht), sondern weil sie den Menschen tief ins Herz sahen und auf den ersten Blick erkannten, ob einer eher Kain oder Abel war. In ihren Hirtenaugen glüht die Leidenschaft des Herzens, die weder Wüste noch Wölfe scheut<br />
und weder Fremde noch Einsamkeit fürchtet.</p>
<p>Die Kronen der drei königlichen Besucher sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie die schlichten Hirtenkappen.<br />
Aus <em>ihren drei Augenpaaren</em> leuchtet die beunruhigende Frage, wo Gott Wohnung nimmt. Diese Drei haben Hunger und Durst nach dem Unendlichen. In ihren königlichen Herzen tragen sie</p>
<p style="font-weight: 400;">Weisheit und Sehnsucht der Völker. Suchende, fahrende Menschen sind das, die ihrem Gewissen mehr glauben als aller Sesshaftigkeit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die hochschwangere Maria hat im fremden Bethlehem in ihrer Not an viele vornehme Türen geklopft. Ist dankbar, als die Qual vorbei und das Kind auf der Welt ist. Aber an den Gedanken,</p>
<p style="font-weight: 400;">dass sie hier am kalten Rand der Welt in diesem gottver-lassenen Obdachlosenwinkel mitten in der Nacht Gott selbst in ihren Menschenarmen hält, muss sie ihr Herz erst langsam gewöhnen. Das Herz, das alle die Worte der nächtlichen Gäste behielt. Ihre großen Augen können sich nicht schließen,<br />
trotz der Müdigkeit, nicht mit so viel Aufregung im Herzen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Dass der allmächtige Gott Windeln trägt, dass der Schöpfer des Himmels und der Erden frierend und schreiend in einem Stall</p>
<p style="font-weight: 400;">die eigene Geburt als Mensch überstehen muss, ohne Licht und Gerät, kinderlaut, in dürftiges Stroh gesteckt &#8211; das überfordert</p>
<p style="font-weight: 400;">Herz, Verstand und sogar die Verheißung. Die Erzgebirgs-figuren zumindest gucken groß in die Krippe hinein.<br />
Und dass der Heiland, kaum von der Nabelschnur geschnitten,<br />
in den Futtertrog von Ochs und Esel gelegt wird, gibt die biblische Schrift nicht her. Aber dieses Ereignis soll, zweitau-send Jahre später, weiter Herzen und Welt erhellen und die Seele soll sich wärmen an der heilsamen Gnade Gottes.</p>
<p style="font-weight: 400;">Seit zweitausend Jahren erinnern sich Christ*innen dieser göttlichen Menschenfreundlichkeit. Und es schauen nicht nur die Holzmännel groß und kehren Jahr für Jahr wieder, auch die Kirchen weltweilt füllen sich verlässlich am Heiligabend.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die schöne Geschichte von Gottes Geburt in dürftiger Herberge. Sogar die Kritischen kommen, stören, wie im Krippenspiel in der Klosterkirche in diesem Jahr und werden dann doch nachdenklich, gehen auf die Suche nach Bethlehem in ihrem Leben, suchen die Menschenfreundlichkeit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und Maria lädt sie alle ein in der kalten Nacht, die Hirten und die Sterngucker und selbst die geldgierige Wirtin.</p>
<p>Darüber hinaus nimmt die Welt aber in diesen Tagen wenig Notiz von Gottes heilsamer Gnade und Freundlichkeit. Alles ist, wie es ist. Die Finsterlinge machen weiter auf Licht – oder versuchen nicht einmal mehr, ihre Finsternis zu verbergen.<br />
Die Wölfe immer noch auf Lamm – und weit und breit gibt es, allen Verheißungen zum Trotz, auch keinen Löwen, der Stroh frisst. Vielleicht, wer weiß, schauen die lieben alten Krippenfiguren aus dem Erzgebirge auch deshalb so groß,</p>
<p style="font-weight: 400;">weil sie es nicht zusammenkriegen. Hat Gottes Freundlichkeit die Welt nicht freundlicher gemacht? Herodes steht am Fenster seines Palastes und sieht mit unbewegtem Gesicht dem Kindermord vor seiner Haustür zu, der wenige Tage nach Jesu Geburt geschieht. Augustus überzieht die Welt mit bewaffneten Friedensbringern, Pilatus wäscht sich seine Hände in der gleichen Unschuld wie vor zweitausend Jahren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ismael und Jakob kämpfen wie gehabt um den Gazastreifen.<br />
Und Rahel und Hagar weinen und weinen um ihre Kinder.</p>
<p>Und Gott? Er friert sich selber durch &#8211; nach Bethlehem.<br />
Eine alte Überlieferung spricht von der wandernden Anwesenheit Gottes. Immer wieder zeigt er sein Gesicht,<br />
immer wieder ist er unterwegs zu den Menschen. Und seine Freundlichkeit findet Antwort. „Fremd war ich, und ihr habt mich angenommen&#8220; <a href="applewebdata://BC79EAA1-82B4-4A00-AE88-5D57FB644E9E#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> wird er sagen können.<br />
Er sitzt bei den Obdachlosen vor dem Edeka oder bei den jungen Migranten am Blechen Carré. Oder er geht zu den Süchtigen an der großen Brücke. Er erwacht hinter den Milchglasscheiben einer Klinik an Schläuchen und Drähten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Immer bleibt er ein Flüchtling in der Fremde, und immer zeigt er sein Gesicht. Weil er gar nicht anders kann.</p>
<p>In den alten Schriften trägt er freundliche Namen, die viel Raum und Zeit gesammelt haben. Er heißt Gott-Held, Ewig-Vater oder Friede-Fürst. Die Worte sind fremd, aber an ihnen wärmt sich das Herz der Welt bis heute. Und die Frage verstummt nicht, wo und zu wem er heute kommt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Manchmal suche ich mir eine Antwort im erzählten Glauben.<br />
In dem, was uns wichtig geworden ist in der Geschichte – neben der biblischen Überlieferung.  Und &#8211; ich suche die Menschenfreundlichkeit nach Vorfahren ab.<br />
Als Jugendlicher blätterte ich gern in Bildbänden oder Post-kartensets mit Bildern großer Fotografen. Das tue ich heute noch gern. An eine Fotoausstellung in Prag erinnere ich mich,</p>
<p style="font-weight: 400;">in der ich lange vor großformatigen Bildern verbracht habe.<br />
Ich las die Gesichter und konnte mich nicht sattsehen. In jedem stand etwas in Gottes Handschrift. Porträts von Menschen aus anderen Erdteilen, aus längst vergangenen Zeiten. Familien und ihre Ähnlichkeiten. Menschen, die viel schwere Arbeit gesehen hatten und ihre müden, dennoch glühenden Augen, oder Not nach den großen Kriegen hier in Europa, die in den Augen stand.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und auch die großen Freundlichen, die über die Museen verteilt sind, scheinen Gott zu spiegeln. Die glühenden Augen des Apostel Paulus, von Rembrandt gemalt; der wache Verstand des Erasmus, von Dürer gezeichnet; der kluge Melanchthon, versunken und ängstlich, von Cranach. Zinzendorf, Tersteegen und Bach. Oder die Späteren, dann auch schon auf Fotos:<br />
Albert Schweitzer, mitten im Urwald am Klavier, mit seinem Kätzchen. Das ergreifende Gesicht Bodelschwinghs. Die lebens-hungrigen Augen der Sophie Scholl. Dietrich Bonhoeffer als junger Student. Martin Luther King und seine Frau Coretta.<br />
Der nach innen gekehrte Blick Dag Hammarskjölds. Der Dichterpräsident Václav Havel mit seinen klugen, von Lachfältchen gerahmten Augen.<br />
Gottes freundliche Freunde, denke ich, haben lesbare Gesichter.Die Freundlichkeit Gottes ist in uns geboren worden.<br />
Und wird es noch. Sie färbt eure Gesichter, Weihnachts-menschen.</p>
<p>Die hölzernen Hoffnungsmenschen aus der kleinen Werkstatt im Erzgebirge beugen sich über das Kind. Sie haben die Menschenfreundlichkeit Gottes zuerst zur Welt kommen sehen<br />
und kriegen die Münder Jahrzehnt um Jahrzehnt gar nicht mehr zu. Und mit ihren großen Augen schauen sie uns hinterher, uns, die wir uns jetzt auf den Weg machen, wieder ein wenig neu werden dabei, wieder ein bisschen anfangen zu leuchten, weil die Freundlichkeit Gottes auf die Welt gekommen ist, in uns allen. Sie schauen uns hinterher mit großen Augen &#8211; da bin ich ziemlich sicher. Gut, dass sie noch ein wenig bleiben in den Weihnachtszimmern und uns erinnern,</p>
<p style="font-weight: 400;">was Weihnachten alles kann.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens zu denken wagen, der wird unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus. <em>                 Gemeinde: </em>Amen<em>.</em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Diese Predigt verdanke ich zu großen Teilen Matthias Storck und Marie-Luise Gürtler.</em></p>
<p><a href="applewebdata://BC79EAA1-82B4-4A00-AE88-5D57FB644E9E#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Lk 1,46-48</p>
<p><a href="applewebdata://BC79EAA1-82B4-4A00-AE88-5D57FB644E9E#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Mt 25, 35</p>
</div></div></div></div></div><div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-6 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-5 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-title title fusion-title-1 fusion-sep-none fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;"><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2026/01/Predigt-Zweiter-Christtag-mit-Taufe-Klosterkirche-Cottbus-26-Dezember-2025.pdf" class="awb-custom-text-color awb-custom-text-hover-color" target="_blank"><span style="color: #ff6600;">Predigt zum Download</span></a></h1></div></div></div></div></div></p>
<p>The post <a href="https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-zweiter-christtag-26-dezember-2025-klosterkirche-zu-cottbus-pfarrer-wolfgang-guertler/">Predigt &#8211; Zweiter Christtag &#8211; 26. Dezember 2025 &#8211; Klosterkirche zu Cottbus &#8211; Pfarrer Wolfgang Gürtler</a> appeared first on <a href="https://klosterkirchengemeinde.de">Klosterkirchengemeinde Cottbus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Predigt Christnacht &#8211; 24. Dezember 2025 &#8211; Klosterkirche zu Cottbus &#8211; Pfarrer Wolfgang Gürtler</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/christnacht-24-dezember-2025-klosterkirche-zu-cottbus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Jan 2026 10:42:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://klosterkirchengemeinde.de/?p=16043</guid>

					<description><![CDATA[<p>Christnacht Dezember 2025 – 23.00 Uhr Klosterkirche zu Cottbus - es gilt das gesprochene Wort – Predigttext: Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.                      Sacharja 2, 14 Predigt Liebe Nacht-Gemeinde hier in der Klosterkirche! Aus dem Trubel fröhlicher Weihnachtsabende oder  [...]</p>
<p>The post <a href="https://klosterkirchengemeinde.de/christnacht-24-dezember-2025-klosterkirche-zu-cottbus/">Predigt Christnacht &#8211; 24. Dezember 2025 &#8211; Klosterkirche zu Cottbus &#8211; Pfarrer Wolfgang Gürtler</a> appeared first on <a href="https://klosterkirchengemeinde.de">Klosterkirchengemeinde Cottbus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-7 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-6 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-7"><p style="font-weight: 400;">Christnacht</p>
<ol start="24">
<li style="font-weight: 400;">Dezember 2025 – 23.00 Uhr</li>
</ol>
<p style="font-weight: 400;">Klosterkirche zu Cottbus</p>
<p style="font-weight: 400;">&#8211; es gilt das gesprochene Wort –</p>
<p><strong>Predigttext:</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.                      Sacharja 2, 14</p>
<p><strong>Predigt</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Liebe Nacht-Gemeinde hier in der Klosterkirche!</p>
<p style="font-weight: 400;">Aus dem Trubel fröhlicher Weihnachtsabende oder aus den vier Wänden, in denen niemand auf mich wartet, sind wir hierher-gekommen. Vielleicht hast du dich noch einmal aufgemacht und andere zu Hause sind schon ins Bett gegangen. Oder du triffst dich hier mit Gleichgesinnten. Wir kommen in die weihnachtlich geschmückte Klosterkirche. Die Schönheit dieser Nacht lebt von den Gegensätzen. Sie ziehen uns magisch an. Die kalte feuchte Nacht draußen und die Wärme der Kerzen hier in der Kirche. Dunkel und Licht, Reichtum und Armut, das Verlassensein und Gefundenwerden, die eigene Einsamkeit und die Liebe der Menschen, die mir nahe sind.</p>
<p style="font-weight: 400;">Eine unerhörte Geschichte wird uns da erzählt wie in jedem Jahr und eine ganz gewöhnliche doch auch. Unerhört an dieser Geschichte ist, dass Gott aus seiner großen Herrlichkeit in unsere Welt gekommen ist. „Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen.“ Gesagt bei Sacharja, dem Propheten. Und getan in dem Kind in der Krippe, zu dem wir heute alle gekommen sind. Eine unerhörte Geschichte, weil Gott es ist, der zu uns kommt. Eine unerhörte Geschichte, weil er sich selbst klein und wehrlos macht. Ein Gott, den man schlagen und lieben kann, den man verfolgen und beherbergen kann. Einer von uns eben. Gott ein Kind, aus dessen Augen so viel Vertrauen spricht, so viel Hoffnung auf Wärme; das so angewiesen ist.  Gott kommt zu uns, wohnt bei uns, wird einer von uns, allen Gefahren ausgesetzt und aller Liebe fähig. Keine von uns kann nun mehr sagen, Gott habe ja keine Ahnung von uns Menschen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Eine ganz gewöhnliche Geschichte aber auch. Maria bringt ein Kind zur Welt. Im Jahr 2025 wird 436.000 mal ein Kind in Deutschland geboren worden sein, Millionen sind es weltweit. In klimatisierten Kreißsälen, im Gewimmel enger Gassen, in Flüchtlingslagern unter freiem Himmel. Maria ist eine von ihnen. Romantisch wird das für Maria nicht gewesen sein, als Jesus zur Welt kam. „Die Nacht ihrer ersten Geburt war kalt gewesen“, dichtet Bertolt Brecht. Und weiter: „In späteren Jahren vergaß sie gänzlich den Frost in den Kummerbalken und rauchenden Ofen. Und das Würgen der Nachgeburt gegen Morgen zu. Aber vor allem vergaß sie die bittere Scham nicht allein zu sein, die den Armen zu eigen ist.“ Eine ganz gewöhnliche Geschichte also. Eine Frau, die mit Schmerzen ein Kind zur Welt bringt. Die Umstände sind hart und rau. Gott kommt zur Welt. Er wird einer von uns. Und einer von uns wird er eben gerade, weil alles so normal ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">In dem Kind in der Krippe finden die himmlische Welt und unsere zusammen. Gott kommt in die Welt und der Himmel steht uns wieder offen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Krippe, die Weihnachten in der Mitte steht, zeigt die Augen eines Kindes; der offene, vertrauende, Liebe empfangende Blick dieses Kindes schafft Rettung. Der offene, vertrauende, Liebe empfangende Blick eines jeden Kindes pflanzt Hoffnung in die Welt. Weil ein Kind in unsere Mitte kommt, können wir Hoffnung in dieser Geschichte finden. Das ist Weihnachten: Ich sehe das Wunder, werde Teil davon und ahne ganz genau, was zu tun ist: Man gewährt Menschen eine Chance auf ihr eigenes Leben. Man lässt Menschen nicht verhungern, niemals ertrinken, auch nicht verdursten, das Wunder des Lebens lässt man nicht achtlos am Rande des Weges liegen. Punkt! Weil jede von uns aus diesem Wunder lebt. Weil jeder von uns als Hoffnungsträger zur Welt kommt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und dabei ist es ganz egal, wie weit wir dieser Geschichte trauen. Ob wir in ihr Hoffnung finden oder in sie Hoffnung hineinlesen. Ein glaubender Denker, Fulbert Steffensky, sagt: „Hoffnung ist ja nicht die Garantie eines guten Ausgangs. Sondern man hofft auch, indem man tut, als hoffte man. Der Wert der Hoffnung ist, dass man nicht zynisch wird. Hoffnung heißt, sich zu kümmern und zu sorgen. Man lernt Hoffnung auch durch die Schönheit biblischer Geschichten.“ <a href="applewebdata://CCF6DBA0-8255-4DB9-B0E6-E1EFD7E2E150#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></p>
<p style="font-weight: 400;">Gott hat Wohnung bei uns genommen und er blickt uns aus Kinderaugen an. Wenn das nicht eine schöne, eine wunderbare Geschichte ist. Weil jeder von uns immer wieder einem Kind begegnet, von Kinderaugen angesehen wird, können wir uns dem nicht wirklich entziehen.</p>
<p style="font-weight: 400;">In Jesus, Marias und Gottes Sohn, kommen unsere Welt und Gottes Welt zusammen, werden eins und die Hoffnung hat einen Nährboden. Sicher, die Garantie des guten Ausgangs gibt es nicht. Wir hätten sie so gern. Aber die gibt es nicht. Und die Welt, wie sie ist, spricht nicht für die Hoffnung. Doch wir können sie einüben. Jedes Mal, wenn wir dem Blick eines Kindes begegnen, schauen wir Gott an und Gott schaut uns an. Und manchmal – Hand aufs Herz – wächst dann die Hoffnung in uns ganz gegen unseren Willen und unsere intellektuelle Überzeugung, unsere Einsichten und Meinungen. Wir werden gehofft, die Hoffnung übt an uns und in uns. Und wir sind wehrlos dagegen wie der wehrlose Gott im Stall in der Krippe. Das ist die Art, wie Gott Menschen überwältigt, sie zu Hoffenden macht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Gleich werden wir singen: „Ich sehe dich mit Freuden an/ und kann mich nicht satt sehen;/ und weil ich nun nichts weiter kann,/ bleib ich anbetend stehen./ O dass mein Sinn ein Abgrund wär/ und meine Seel ein weites Meer,/ dass ich dich möchte fassen!“</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich lade sie zu einem Experiment ein: Denken sie bei dieser Strophe nicht an das Kind in der Krippe, an Jesus. Denken sie an ein Kind, dem sie in der letzten Zeit begegnet sind, an alles, was sie in diesen Kinderaugen gefunden haben. Und sie werden merken. Diese Strophe stimmt für alle Kinder. Wir werden sie nicht anbeten, aber sie lassen uns ehrfürchtig werden. Gott hat eben Wohnung bei uns genommen. Ist einer von uns geworden. Und in jedem Kind, das wir mit Freuden ansehen, sehen wir Gott an.                                      Amen.</p>
<p><a href="applewebdata://CCF6DBA0-8255-4DB9-B0E6-E1EFD7E2E150#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Fulbert Steffensky, Was die Weihnachtsgeschichte so besonders macht, Westdeutsche Zeitung, 23.12.2018, abgerufen am 21.12.2025</p>
</div><div class="fusion-title title fusion-title-2 fusion-sep-none fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top:50px;--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;"><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2026/01/Predigt-Christnacht-Klosterkirche-Cottbus-24-Dezember-2025.pdf" class="awb-custom-text-color awb-custom-text-hover-color" target="_blank"><p style="text-align: center;"><span style="color: #ff6600;">Predigt zum Download</span></p></a></h1></div></div></div></div></div>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Predigt zum ersten Advent 30. November 2025 von Pfarrer Bernd Klaas</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-zum-ersten-advent-von-pfarrer-bernd-klaas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Dec 2025 08:25:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Predigttext: Römer 13, 8 - 12 Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist,  [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-8 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-7 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-8" style="--awb-content-alignment:left;"><p style="font-weight: 400;"><strong>Predigttext: Römer 13, 8 &#8211; 12</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und das tut, weil ihr die Zeit erkannt habt, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Liebe Gemeinde!</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Heute im Sonderangebot: Waffen des Lichts.</p>
<p style="font-weight: 400;">Greifen Sie zu, die Gelegenheit ist einmalig!</p>
<p style="font-weight: 400;">Nein, nicht was Sie denken – keine Laser-Schwerter oder Blitze-Schleuder so.</p>
<p style="font-weight: 400;">Mit den Waffen des Lichts sind Sie gerüstet gegen alles, was die Finsternis mit sich bringt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Was haben wir denn hier?</p>
<p style="font-weight: 400;">Ah – ein entwaffnendes Lächeln. Hat nachweisbar eine hohe Erfolgsquote, um eine Situation zu deeskalieren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Oder hier: ein freundliches Wort. Kann Wunder vollbringen!</p>
<p style="font-weight: 400;">Und dort: eine ausgestreckte Hand. Bringt in Kontakt, richtet auf, baut Brücken …</p>
<p style="font-weight: 400;">Auch das: die Bitte um Verzeihung. Kann wieder Licht bringen in die Finsternis eines Streits.</p>
<p style="font-weight: 400;">Greifen Sie zu! Die Waffen des Lichts unterliegen keiner Altersbeschränkung, Sie dürfen überall mitgeführt und eingesetzt werden. Sie machen das Leben hell, wo die Finsternis regiert!</p>
<p style="font-weight: 400;">Jetzt gilt es! Nur heute im Sonderangebot!</p>
<p style="font-weight: 400;">Liebe Gemeinde,</p>
<p style="font-weight: 400;">braucht es Menschen, die dem Licht den Weg bereiten? Die schon jetzt Spuren legen, die in den neuen Tag führen? Die schon Mal Lichter entzünden – um im Bild zu bleiben? Braucht es uns, damit es Licht wird? Offenbar schon. Und dem geben wir auch in vielen Adventsbräuchen einen sichtbaren Ausdruck auf unseren Straßen und Häusern, indem wir die Adventskerzen entzünden und Lichterketten anbringen. Weil „das Licht der Welt“ auf uns zukommt, bereiten wir ihm schon den Weg, bereiten auch uns selbst vor, stimmen uns ein, machen uns auf und werden licht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Unseren „Waffen des Lichts“, der Nächstenliebe, der Menschenfreundlichkeit, dem Einsatz für jedes bedrohte Leben – diesen Waffen entspricht der „König“, für den wir sie einsetzen. „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Denn dieser König ist eben kein König Charles. Sie erinnern sich? Große Militärparade anlässlich seines Geburtstags. Bei königlichem Wetter und gekleidet in volle Uniform mit allem, was dazugehört, verfolgt Charles die festgelegte Zeremonie zu seinen Ehren, unter den Reiter nun auch sein Enkel William. Festlich. Königlich. Erhaben. Und über die Fernsehanstalten in alle Welt gesendet, unter den Zuschauern für eine ganze Weile auch ich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ein anderer König aus einem Film: Herr der Ringe. Am Ende, nach der großen Schlacht gegen die Dunkelheit, kehrt der König heim. Er kommt, um seine Herrschaft anzutreten. Der wahre König. Hoch zu Ross. In voller Rüstung, das Schwert erhoben. Ein Heer hinter sich. Und er strahlt Kraft aus, Macht, Sieg.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wie anders dagegen der „kleine König“, ohne Krone, ohne Land und doch König über alles: Der Einzug Jesu in Jerusalem. Auf einem Esel. Sanftmütig, ohne Waffen, bescheiden. Keine Rüstung, keine Soldaten hinter sich. Denn seine Waffen sind Waffen des Lichts. Er ist die Verkörperung der Liebe Gottes. So kommt er. So kommt Gott zu uns. Damals vor 2000 Jahren. Demnächst in der Heiligen Nacht. Heute.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Friedenskind,</p>
<p style="font-weight: 400;">noch im Schlafe der Nacht, eh der Morgen erwacht,</p>
<p style="font-weight: 400;">kommst du in das schweigende All, Kriegsgewalt und Verfall –</p>
<p style="font-weight: 400;">Heiland heißt du.</p>
<p style="font-weight: 400;">Friedenskind,</p>
<p style="font-weight: 400;">auf dem Weg in den Wind, da, wo Mordwaffen sind,</p>
<p style="font-weight: 400;">kommst du,</p>
<p style="font-weight: 400;">selbst durch Hunger und Schmerz und ein hasskaltes Herz –</p>
<p style="font-weight: 400;">trägst einen Traum.</p>
<p style="font-weight: 400;">Friedenskind,</p>
<p style="font-weight: 400;">in die schlafende Nacht und dem Kampf um die Macht</p>
<p style="font-weight: 400;">komm nun,</p>
<p style="font-weight: 400;">bring den Traum neu zur Welt, der die Hoffnung behält –</p>
<p style="font-weight: 400;">Gottes Schalom.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Liebe Gemeinde, der Advent will uns ermutigen, den Traum von einem Leben, einer Welt ohne Finsternis nicht aufzugeben. Die Hoffnung auf Gottes Schalom, einen umfassenden Frieden, das Heil für alles Leben, wie es Shirley Erena Murray aus Neuseeland in ihrem Gedicht von 1992 schrieb.</p>
<p style="font-weight: 400;">Mit Paulus heißt das, vom Schlaf aufzuwachen, die Augen zu öffnen und den leichten Lichtschimmer am Horizont wahrzunehmen. Das Licht ist schon in der Welt. Es kann und wird die Finsternis zurückdrängen. Und wir können es tatkräftig unterstützen, ihm den Weg bereiten. Ein entwaffnendes Lächeln, ein freundliches Wort, eine ausgestreckte Hand, die Bitte um Verzeihung – kleine Lichter des Friedens, die wir selbst wie eine Kerze, die bereit steht, nur entzünden brauchen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Am nächsten Samstag wird das Friedenslicht aus Bethlehem durch die Pfadfinder ausgesendet, am zweiten Advent kommt es nach Deutschland. Ein schönes Zeichen und Symbol für Frieden und Hoffnung. Licht, das in der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem entzündet wird, findet seinen Weg in viele Länder Europas und drüber hinaus. So und durch uns breitet sich das Licht aus: im menschlichen Miteinander unserer Beziehungen, in unseren Familien, auf der Arbeit und im Freundeskreis und überall dort, wo es dunkel ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt.“ Amen.</p>
</div><div class="fusion-title title fusion-title-3 fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;"><div class="title-sep-container title-sep-container-left"><div class="title-sep sep-single sep-dotted" style="border-color:#e0dede;"></div></div><span class="awb-title-spacer"></span><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2025/12/Predigt-zum-ersten-Advent-von-Pfarrer-BerndKlaas.pdf" class="awb-custom-text-color awb-custom-text-hover-color" target="_blank"><h3 style="text-align: center;"><span style="color: #ff9900;">Predigt zum Download</span></h3></a></h1><span class="awb-title-spacer"></span><div class="title-sep-container title-sep-container-right"><div class="title-sep sep-single sep-dotted" style="border-color:#e0dede;"></div></div></div></div></div></div></div>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Predigt über das Evangelium  des 4. Sonntags nach Epiphanias  Februar 2025 &#8211; Dr. Rolf Wischnath</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-ueber-das-evangelium-des-4-sonntags-nach-epiphanias-februar-2025-dr-rolf-wischnath/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Feb 2025 18:06:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Predigt über das Evangelium des 4. Sonntags nach Epiphanias Februar 2025 Über Lukas 8. 22-25 in der Klosterkirche zu Cottbus von Rolf Wischnath Predigttext: Der Sturm auf dem See Es ist in diesem Text die Rede vom „See Genezareth“: Das ist der See im Norden Israels zwischen den Golanhöhen und Galiläa gelegen. Also genau  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-9 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-8 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-9"><p style="font-weight: 400; text-align: center;">Predigt über das Evangelium<br />
des 4. Sonntags nach Epiphanias</p>
<ol style="text-align: center;" start="9">
<li style="font-weight: 400;"><strong> Februar 2025</strong></li>
</ol>
<p style="font-weight: 400; text-align: center;"><strong>Über Lukas 8. 22-25</strong></p>
<p style="font-weight: 400; text-align: center;"><strong>in der Klosterkirche zu Cottbus</strong></p>
<p style="font-weight: 400; text-align: center;">von Rolf Wischnath</p>
<p style="font-weight: 400;">Predigttext: <strong>Der Sturm auf dem See</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Es ist in diesem Text die Rede vom „See Genezareth“:</p>
<p style="font-weight: 400;">Das ist der See im Norden Israels zwischen den Golanhöhen und Galiläa gelegen. Also genau dort, wo die Schatten des schrecklichsten Krieg seine finsteren Schatten wirft.</p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Lasst uns ans andere Ufer des Sees fahren. Und sie stießen vom Land ab. 23Und als sie fuhren, schlief er ein. Und es kam ein Windwirbel über den See und die Wellen überfielen sie, und sie waren in großer Gefahr. 24Da traten sie zu ihm und weckten ihn auf und riefen: Meister, Meister, wir kommen um! Da stand er auf und bedrohte den Wind und die Wogen des Wassers, und sie legten sich und es ward eine tiefe Stille. 25Er sprach aber zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie fürchteten sich und verwunderten sich und sprachen untereinander: Wer ist dieser, dass er auch dem Wind und dem Wasser gebietet und sie sind ihm gehorsam?</em></p>
<p style="font-weight: 400;">In dieser Erzählung von der Sturmstillung schreien die Jünger im voll gelaufenen Boot aus vollem Hals: &#8222;Meister, Meister, wir kommen um!&#8220;</p>
<p style="font-weight: 400;">Es macht dieser Schrei deutlich, dass die Jünger am Ende ihrer Kräfte und Möglichkeiten sind. Der Sturm lässt keinen Ausweg offen. Die Wellen haben das Schiff schon überwältigt. Aus sich heraus können die Jünger in der Lebensgefahr des Verderbens, im Sturm der Entwurzelung und Zerstörung keinerlei Gefühle einer Hoffnung mehr bewahren und die Sprache der Hoffnung nicht mehr finden?</p>
<p style="font-weight: 400;">Und eben genau hier fährt Lukas fort mit einem Wort, das die Mitte dieser Erzählung ist: „Und Jesus stand auf“. Besser: &#8222;Da stand Er auf&#8230;..&#8220;, &#8211; da stand <strong>Er</strong> auf -, und der Evangelist verwendet dabei das Wort, das an anderer Stelle das Auferstehen Jesu von den Toten am Ostermorgen bezeichnet. Wörtlich müssten wir deswegen übersetzen: &#8222;Er aber,  ganz und gar auferstanden herrschte (bedrohte) den Wind an und die Brandung des Wassers. Und sie legten sich und es geschah eine vollkommene, tiefe Stille.</p>
<p style="font-weight: 400;">Hier nun wird deutlich, dass die Evangelisten mit der Sturmstillung eine Ostergeschichte erzählen. Es ist der Auferstandene, der zuvor „entschlafen“ war, wie es heißt. „Entschlafen“ – das kann bis heute bedeuten: “Da ist einer gestorben!“ Und <em>dieser</em> Entschlafene kommt als Auferstandener wieder. Inin seiner österlichen Ankunft bei den Untergehenden gebietet er dem Aufruhr der Zerstörung und des Todes Einhalt. Der lebendige Christus muss zu uns &#8211; den verzweifelten, nach seiner Hilfe schreiende Jüngern kommen -„Meister, Meister, wir kommen um.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Und nun wird es Ostern. Denn sein „Aufstehen“ in der Kraft der Auferstehung ist die einzige Hoffnung im Sturm. Und darum erzählen die Evangelisten diese Ostergeschichte mitten im zeitlichen Leben des Auferstandenen. Und mitten in unserem Leben und erst recht in unserem kommenden Ende, im Sturm unseres Sterbens hören wir diese Geschichte, damit wir begreifen:</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Sieger über den Tod begegnet uns nicht erst nach unserem Tod in einer künftigen Welt. Da wird er uns auch begegnen, und das wird ein noch ganz und gar anderes Ostern sein – ein Ostern zur ewigen Auferstehung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Evangelisten aber erzählen die Geschichte von der Sturmstillung im Heute, damit wir es heute begreifen: der Auferstandene kommt österlich zu uns: schon jetzt und hier im Diesseits auf dem Weg der Nachfolge über das Meer. Mitten in den heutigen Gefahren und Verzweiflungen wird es Ostern, mitten im gerade begonnenen Jahr 2025, mittendrin will er sich zeigen als der Herr, dem schon jetzt Wind und Wellen gehorchen müssen.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Da stand er auf &#8230;.“, „da auferstand er“ heißt es. Und so ist er selber Ursprung und Auslöser alltäglicher Auferstehung von der Depression unserer Zeit und in unserem Leben. In dieser österlichen Bewegung &#8211; heute mitten im Winter &#8211; will er uns alle mitnehmen, weil das Leben auch unserer Generation gelingen soll.</p>
<p style="font-weight: 400;">Als Christinnen und Christen ist es unsere Aufgabe &#8211; nicht mehr und nicht weniger -, eine solche Auferstehung mitten im Alltag, diese alltägliche Auferstehung zu bezeugen und anderen Menschen einzuhelfen in ihren Schwung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Glaube, nach dem der Herr uns fragt, ist der feste Halt im Sturm: die Erkenntnis darin und das Vertrauen darein, dass Jesus Christus kommt – wiederkommt-Und den Mächten der Sünde und des Todes kann er befehlen. Er kann das und er tut das, weil er in seinem Kreuz deren Macht schon gebrochen, den Stachel des Bösen und des Verderbens schon gezogen hat, so dass es auch für uns heißen mag: „&#8230; und es entstand eine vollkommene, tiefe Stille.“.</p>
<p style="font-weight: 400;">Im Glauben leben wir schon jetzt aus dieser Stille, aus diesem Frieden, den uns die Welt nicht geben kann, der aber der Welt gilt und jeden und jede von uns im letzten Grund unseres irdischen Lebens hier und jetzt umfängt. Darum kann es im 1. Johannesbrief heißen:</p>
<p style="font-weight: 400;">&#8222;Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.&#8220;</p>
<p style="font-weight: 400;">Wo ist euer Glaube?</p>
<p style="font-weight: 400;">Wo konkret ist Euer Glaube?, fragen die Großeltern im Blick auf ihre Kinder und im Blick auf ihre Schwiegerkinder und erst recht im Blick auf fünf Enkelkinder. Jene verstehen die Sprache nicht einmal mehr. Und so geht die Antwortlosigkeit oft nicht im Widerstand gegen den Glauben einher. Sondern es ist so, als sei der Glaube und die Botschaft des Evangeliums verdunstet, spurlos verdunstet. Das macht schon Sorgen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Heute ist das Problem der Kirche nicht der Widerspruch gegen ihre Botschaft. Nicht ihre Gestalt und Ordnung wird befragt. Nicht eine wie immer geartete Bedrohung steht an. Vielmehr ist es ihre Bedeutungslosigkeit. Ich möchte recht verstanden werden: Die Kirche ist nicht deshalb bedeutungslos, weil sie in ihrem Leben ganz banal geworden wäre. Sondern ihr Predigen, Bibelstunde-Haltend, ihre Aktivität, so vieles Gutes in ihr ist für so viele Menschen banal, bedeutungslos geworden. Die Verdunstung, die Verflüchtigung ist das Problem. Dieses Problem ist scharf ins Auge zu nehmen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Dass die Wahrnehmung des Glaubens in dieser Klosterkirchengemeinde hineingestellt wird in die Schärfe der heutigen Aktualitäten, dass hier die heißen Eisen angepackt werden, lässt sich sehen an den Texten und Annoncen des Kampfes gegen den Rassismus und den Rechtsextremismus im Vorraum dieser Klosterkirche. Es lässt sich wahrnehmen an der notwendigen Ergänzung des Glaubensbekenntnis. [Das werde ich künftig auch vorgeben und die Gemeinden, in denen ich predige, um das Einverständnis bitten. Insofern wird mir dieser Gottesdienst unvergesslich bleiben.] Und man kann das auch sehen und begreifen als Widerstand gegen den Krieg und die Hochrüstung, dass auf dem Altar das alte Zeichen des zu einer Pflugschar umgeschmiedete Schwert. Dies alles sind mir ein Hinweis darauf, dass in dieser Gemeinde der politische Auftrag der christlichen Gemeinde wahrgenommen wird. Und das ist alles andere als banal und bedeutungslos.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und das heißt glauben: Heute am 9. Februar 2025 nicht an den eigenen Ohnmachtsgefühlen und -einsichten verzagen. Wohl wahr: Wir leben in einer sehr schweren Zeit. Soll ich aufzählen, in welchen Ländern und Städten, in welchen Regionen die Kriege und Verbrechen, die Schicksalsschläge und Verhängnisse, die Schandtaten und Sünden zum katastrophalen Zustand geworden sind? Ich tue das jetzt nicht. Meine Worte könnten das alles nicht einholen. Und es würde uns abbringen von der großen und übermächtigen Befehlsgewalt und Herrschaft auferstandenen Jesus Christus. Ihm ist allemal mehr und alles Entscheidende zuzutrauen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das heißt glauben: Heute dennoch zuversichtlich leben, ohne auf diese oder jene Widrigkeit gebannt zu starren. Und dabei soll ich doch alles mir Mögliche tun, um meinen Teil zum Leben der von Gott so geliebten Menschen beizutragen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das heißt glauben: Heute seinem Wort mehr vertrauen als den Stimmen um und in uns, seinem Wort auch mehr zu trauen als dies, ihm &#8211; den Auferstandenen und österlich Kommenden &#8211; auch dort am Werk sehen, wo man ihn nicht kennt oder gar leugnet, seiner Ankunft und Gegenwart gewiss bleiben, auch wenn der Kahn schwankt und das Wasser über den Rand kommt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Meine Schwestern und Brüder, wenn ich Sie so ansehe: Menschen, mit denen ich vor 25 Jahren eine Weggemeinschaft hatte und die Anderen, die ich persönlich nicht kenne, die aber jetzt mit mir unter dem Wort Gottes sind. Wir wissen wohl, was ich ja auch von mir selber weiß:</p>
<p style="font-weight: 400;">In der Mühle Ihres und meines Alltags, in welchen wir morgens die Lausitzer Rundschau oder den Berliner Tagesspiegel oder Neue Westfälische Zeitung lesen, kann es einem dabei ganz Elend werden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Aber auch in den unspektakulären Widrigkeiten, in der Abwehr der täglichen Gemeinheiten, da kann die Frage: &#8222;Wo ist euer Glaube?&#8220; ins Leere stoßen. Er ist oft einfach nicht da und zuhanden, wenn wir ihn brauchten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich finde es von daher so tröstlich, dass Jesus uns an einer anderen Stelle des Evangeliums einen Mann zum Glaubensvorbild hinstellt, der nicht lange predigen, sondern nur noch schreien konnte: &#8222;Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!&#8220; (Mk. 9, 24). Dieser Mann schreit das übrigens im Angesicht eines Kindes, eines kleinen Menschen, dem er nicht helfen kann. Man kann wohl nicht anders glauben als in der Spannung dieses Schreies und in der Hoffnung, dass der, nach dem wir schreien, sich davon wecken lässt, uns erhört &#8211; und dass unser Glaube seinen Ursprung und Anker in ihm selber hat.</p>
<p style="font-weight: 400;">&#8222;Unser gloub&#8220; nämlich, hat der bescheidene Reformator Zwingli einmal gesagt, &#8222;unser gloub, den wir zuo gott durch Christum Jesum habend, der macht uns heyl. Ist waar. Kumpt aber nit daher, daß gloub, eigentlich von uns entsprungen, das vermoeg, sondern welcher gloubt, den hat Gott vor und ee erwellet und zogen.&#8220;</p>
<p style="font-weight: 400;">Das ist es, das ich von allen Hörerinnen und Hörern hier in der Klosterkirche weiß: Er hat Sie, liebe Schwestern und Brüder, „erwellet und zogen“ &#8211; und mich auch. Das ist Kern und Stern unserer Christenexistenz.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der lutherische Theologe Hans Joachim Iwand [* 11. Juli 1899 &#8211; + 2. Mai 1960] hat oft in den 50er Jahren als Hochschullehrer in der Universitätskirche zu Bonn gepredigt – schreibt einmal zu diesem Kern und Stern:</p>
<p style="font-weight: 400;">„In dem Anfang und in der Quelle unseres Glaubens sind wir nicht die Handelnden. Hier ist die Grenze zu allem Menschlich-Allzumenschlichen, das mit unserer immer nur bedingt zuverlässigen Persönlichkeit gegeben Ist. Diese Grenze muss gehalten, muss mit dem Einsatz der ganzen Person verteidigt werden. Der Kampf um diese Grenze ist der Kampf darum, dass die Offenbarung, das Jawort Gottes, sein Wort und die Gemeinde   S e i n  W e r k  bleibt. &#8218;Dafür halte uns Jedermann: für Christi Diener und Haushalter über Gottes   G e h e i m n i s s e ‘(l. Kor 4, 1). Von hier aus könnte alles Streiten und Rechthaben-Wollen, alles Verdächtigen und Sich-Reinwaschen wie auf ein Kommando von oben her abgeschnitten sein, es könnte um dieses längst erklungene und immer wieder aufs neue vernehmbare Ja aus einem Haufen verhetzter Menschen wieder die  G e m e i n d e  erstehen, (eine Kirche,) die dem Ja Gottes antwortet mit der einzigen Antwort, die Ihm gemäß ist, mit dem &#8218;Amen, zum Preise Gottes‘ eben dem Ja Gottes, dem kein Nein zur Seite geht,  antwortet &#8218;durch ‘Christus’ &#8230;. das Amen &#8218;durch uns&#8216; &#8230;&#8230; durch unseren Mund!“</p>
<p style="font-weight: 400;">Wie schön! Wie entlastend! Der Ewige ruft, beruft uns. Er zieht uns in den Glauben. Auch die Menschen, mit denen wir es in unserem Leben zu tun haben. Der Herr selber hat die letzte Verantwortung übernommen für Anfang, Kraft und Vollendung des Glaubens. Herrlich! Mein und dein Glaube und auch der heute noch fehlende Glaube von Kindern und Enkeln hängen nicht ab von deinem und meinem guten Willen und deiner und meiner religiösen Entscheidungskraft und meinem und deinem Durchhaltevermögen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wie gut, dass der Herr keinen überfordert, wenn er uns fragt: „Wo ist euer Glaube?“ Wie gut, dass es vor dieser Frage heißt &#8222;Da stand er auf und bedrohte den Wind an und die Wogen des Wassers, und sie legten sich, und es entstand eine vollkommene, tiefe Stille &#8230;.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Lasst uns aus <em>dieser</em> Stille die Kraft schöpfen, die wir heute brauchen, um mit ihm im Schiff unserer Kirche unterwegs zu bleiben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Lasst uns einen Moment schweigen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Ich will dich mit Fleiß bewahren</em><em>, /</em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>ich will dir leben hier, </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>dir will ich hinfahren, </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>mit dir will ich endlich schweben /</em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>voller Freud ohne Zeit / </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>dort im andern Leben. </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Johann Sebastian Bach benutzte diese letzte Strophe von Paul Gerhardts Lied „Fröhlich soll mein Herze springen“ in Teil III seines Weihnachtsoratoriums. Sie vertieft dort die vorangegangene Arie „Schließe, mein Herze, dies selige Wunder fest in deinen Glauben ein“.</em></p>
<p><em style="font-weight: 400;"> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Fürbittengebet [nach Jochen Teuffel]</strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong> </strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Du sprichst,<br />
barmherziger Gott,<br />
damit es in uns hell wird.<br />
Du sprichst,<br />
damit es in der Welt hell wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Vertreibe mit deinem hellen Schein<br />
die Finsternis des Krieges,<br />
dass es ein Ende hat<br />
mit dem Tod,<br />
mit den Vergewaltigungen,<br />
mit der Angst.<br />
Erbarme dich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Vertreibe mit deinem hellen Schein<br />
das Dunkel von Streit und Lüge,<br />
dass es ein Ende hat<br />
mit hartherzigem Beharren auf dem Eigenen,<br />
mit verächtlichen Worten über die anderen,<br />
mit unbarmherzigen Blicken auf die Schwachen.<br />
Erbarme dich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Bekehre mit deinem hellen Schein<br />
alle, die Schuld auf sich geladen haben,<br />
dass es ein Ende hat<br />
mit Verschweigen und Vertuschen,<br />
damit Bitten um Vergebung von Herzen kommen,<br />
damit die Wunden von Missbrauch heilen können.<br />
Erbarme dich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ermutige mit deinem hellen Schein alle,<br />
die im Schatten leben,<br />
damit sich die Geknickten aufrichten,<br />
die Gedemütigten wehren,<br />
die Mutlosen aufatmen.<br />
Erbarme dich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Hülle ein in deinen hellen Schein<br />
unsere Verstorbenen.<br />
und alle, die trauern.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wenn du sprichst,<br />
barmherziger Gott,<br />
hat die Finsternis verloren.<br />
Sprich auch heute<br />
und lass es licht werden<br />
in uns,<br />
in deiner Kirche,<br />
in deiner Welt<br />
durch Jesus Christus, unseren Morgenstern.<br />
Amen.</p>
</div><div class="fusion-title title fusion-title-4 fusion-sep-none fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;--awb-link-color:var(--awb-color4);--awb-link-hover-color:var(--awb-color4);"><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2025/02/Predigt-RolfWischnath-Lukas-8-22-25-Klosterkirche-Cottbus.pdf" class="awb-custom-text-color awb-custom-text-hover-color" target="_blank"><h1><span style="color: #ff6600;">Predigttext zum Download</span></h1></a></h1></div></div></div></div></div>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Predigt &#8211; Zweiter Christtag 26. Dezember 2024 &#8211; Klosterkirche zu Cottbus</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-zweiter-christtag-26-dezember-2024-klosterkirche-zu-cottbus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jan 2025 09:36:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>- es gilt das gesprochene Wort - Predigttext: Römer 1, 1-7 Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift, von seinem Sohn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, der eingesetzt ist als  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-10 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-9 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-10"><p style="font-weight: 400; text-align: center;">&#8211; es gilt das gesprochene Wort &#8211;</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Predigttext: Römer 1, 1-7</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift, von seinem Sohn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, der eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist, der da heiligt, durch die Auferstehung von den Toten – Jesus Christus, unserm Herrn.  Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt, den Gehorsam des Glaubens um seines Namens willen aufzurichten unter allen Heiden, zu denen auch ihr gehört, die ihr berufen seid von Jesus Christus.</p>
<p style="font-weight: 400;">An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!</p>
<p><strong> </strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong> </strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Predigt</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.         <em>Gemeinde: Amen.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Zweiter Weihnachtstag. Es wird wieder ruhiger. Die Aufregung der Heiligen Nacht ist verrauscht, die Geschenke sind ausgepackt, die Töpfe der ersten Festessen gespült, die Essensreste verpackt. Jetzt ist die Zeit der Weihnachtsnachlese. Die noch ungeöffnete Weihnachtspost lesen. Vielleicht erfahre ich außer den üblichen Grüßen noch was Neues von Menschen, von denen ich lange nichts gehört habe. Oder gehe in die Kirche, um zu hören, was Weihnachten jenseits von Stall und Krippe ist. Oder beides: Weihnachtspost lesen und erfahren, was Weihnachten jenseits von Stall und Krippe ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Weihnachtspost in der Kirche. Ein uralter Brief von Paulus. Wie geht es dem eigentlich? Lange nichts von ihm gehört. Was schreibt er? Keine Weihnachtsgrüße, keine Weihnachtsgeschichte, nichts vom Kind, nicht mal ein Stern, aber viel von Jesus Christus.</p>
<p style="font-weight: 400;">Den Anfang des Römerbriefes am zweiten Weihnachtstag vorzulesen, ist ein bisschen so, als hätte sich da zwei, drei Tage – und nehmen wir die zur Vorweihnachtszeit gewordene Adventszeit hinzu – drei, vier Wochen lang ein Appetit angestaut, der jetzt endlich gefüttert werden will. Nach wochenlangem Süßkram endlich ein paar saure Gurken oder eine Scheibe Serrano-Schinken. Ein Überdruss an Zimt und Zucker, an Sternen und Kerzen; nein, an Stall und Krippen, Maria und Josef, Ochs und Esel nicht. Auch der Bedarf an Weihnachtsliedern ist noch nicht gedeckt. Es dürfen noch mehr sein, gern auch mit jubelnder Orgel und sattem Bläserchor. Doch bei dem einen oder der anderen ist die Sehnsucht nach Schwarzbrot und Ballaststoffen, nach Theologie und gehaltvollen Texten ganz bestimmt da. Am Heiligen Abend kam das Christkind zur Welt und am zweiten Weihnachtstag kommt eine kräftige Portion Theologie hinterher, womit nicht gesagt sein soll, dass da am Heiligabend keine Theologie im Spiel war.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Anfang des Römerbriefes. Kräftiges Zeug. Eben Schwarzbrot.</p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Paulus, Knecht des Christus Jesus, berufen zum Apostel, ausersehen, das Evangelium Gottes zu verkündigen, das er durch seine Propheten in heiligen Schriften schon seit langem verheißen hat &#8211; das Evangelium von seinem Sohn, der nach dem Fleisch aus dem Samen Davids stammt, nach dem Geist der Heiligkeit aber eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht, seit der Auferstehung von den Toten: das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn, durch den wir Gnade und Apostelamt empfangen haben, Glaubensgehorsam zu erwirken und seinen Namen zu verbreiten unter allen Völkern, zu denen auch ihr als in Jesus Christus Berufene gehört -, an alle in Rom, die von Gott geliebt und zu Heiligen berufen sind: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">***</p>
<p style="font-weight: 400;">Das ist der Anfang des Römerbriefes und wenn ihr euch jetzt eingestehen müsst, eigentlich nichts verstanden zu haben, weil alles so an euch vorbeigerauscht ist – eine Art von Jesus-Christus-Rauschen –, dann muss euch das nicht bedrücken. Es liegt am Text, nicht an euch. Es liegt an Paulus, der es so aufgeschrieben hat.<br />
Eine harte Nuss ist ihm da vor die Füße gefallen. Und heute ist sie zu uns gekullert. Nun haben wir das Problem. Lasst sie uns knacken und sehen, was drinsteckt!</p>
<p style="font-weight: 400;">Was wir gehört haben, ist ein einziger Satz. Im griechischen Original ein einziger Satz mit sage und schreibe 93 Wörtern. Der Hauptsatz steht außen rum, in der Schale und ist ganz kurz. Der Hauptsatz ist das, was eigentlich gesagt werden soll und das ist:</p>
<p style="font-weight: 400;">Paulus an alle in Rom: Herzliche Grüße,</p>
<p style="font-weight: 400;">Gnade und Friede von Gott euch allen!</p>
<p style="font-weight: 400;">Also doch ein bisschen Weihnachtspost. Ein Friedensgruß. Friede sei mit euch. Denen in Rom und denen in Israel, im Libanon, in Syrien und im Gazastreifen und denen in der Ukraine. Und denen in Magdeburg. Friede euch und aller Welt, Friede von Gott.</p>
<p style="font-weight: 400;">Aber was ist unter der Schale, worin besteht der Kern, die 71 Wörter dazwischen? Weihnachtsgrammatik. Der Kern besteht substantiell aus Jesus Christus und ganz viel Genitiv. Wenn ich richtig gezählt habe, stehen 37 von 93 Wörtern im Genitiv, das sind 40 %. So viel Genitiv, das geht nur im Griechischen. Jesus Christus kommt viermal vor, immer im Genitiv.<br />
Ihr erinnert euch: Genitiv, der zweite Fall, von lateinisch <em>genus</em> und griechisch γένος. Der Fall der Abstammung, was bei jedem von uns der Fall ist, denn von irgendjemand kommen wir alle. Wir sind die Kinder unserer Eltern. Die einen macht das stolz, den anderen ist es peinlich. Kind deiner Eltern – mit dem Genitiv der Abstammung musst du ein Leben lang auskommen. Der Genitiv bezeichnet das Herkommen, aber auch allgemein das, wovon das Nomen abhängt, ein Genitiv der Abhängigkeit. Den Genitiv der Abstammung kriegst du nicht los, aber den Genitiv der Abhängigkeit, den wollen wir loswerden. Unabhängig sein wollen wir. Frei sein, meine eigene Herrin sein. Ein Nomen sein, einen Namen haben, ein Subjekt sein ohne Genitiv. Brauch ich nicht, will ich nicht, ich bin ich und keines andern.</p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p style="font-weight: 400;">Ist Freiheit Selbstbestimmung? Macht Selbstbestimmung glücklich?</p>
<p style="font-weight: 400;">***</p>
<p style="font-weight: 400;">Früher, als es noch die durch Abstammung großen Herren gab, die Edlen und die Adligen, die Kaiser und Könige und Fürsten, da gab es viele solcher Briefe, die mit 93 oder mehr Wörtern in einem Satz anfingen. Wenn die Herren einen Brief von ihren Kanzlern schreiben ließen, dann schrieben sie „Ich, Wilhelm oder Friedrich oder Heinrich, Herr von …“ Und dann kommen die ganzen Besitztümer im Genitiv, all die Gegenden, die von ihm abhängig waren. So stellte sich ein Herr in Briefen und Urkunden vor, protzte mit seinem Besitz. Ich bin, was ich habe.<br />
So macht es auch der Paulus. Er stellt sich in seinem Schreiben den Römern vor in einem 93 Wörter langen Vorspruch mit vielen Genitiven. Macht es ebenso und macht doch das genaue Gegenteil von dem, was die Herren taten. Er sagt nicht, worüber er alles Herr sei, was alles ihm gehöre, sondern er sagt, dass er Diener, Sklave sei, nämlich Sklave von Jesus Christus. Also nicht: Ich, Wilhelm, Friedrich, Heinrich, Herr von dem und dem…, sondern Ich, Paulus, Sklave von Jesus Christus, der dies und das ist.<br />
Man kann diesen einen riesigen Satz mit dem Gruß und den vielen Genitiven im Deutschen gar nicht angemessen übersetzen. So viel Genitiv verträgt die deutsche Sprache nicht. Und wahrscheinlich verträgt auch unser Gemüt nicht so viel Abhängigkeit. Oder doch?</p>
<p style="font-weight: 400;">***</p>
<p style="font-weight: 400;">Da schreibt einer einen Brief, sagt im ersten Wort, wie er heißt – Paulus – und im zweiten Wort, dass er ein Sklave ist. Lese ich den Brief aber weiter, wundere ich mich. Es ist nicht der Brief eines Sklaven. Keine Klage über ein bedauernswertes Schicksal, keine Ängste, keine Bitte, ihm zu helfen und ihn zu befreien. Im Gegenteil. Da stellt sich einer als Sklave vor und schreibt dann sehr selbstbewusst und erstaunlich souverän. Und nicht nur dies. Der ganze Römerbrief ist ein einziger Freiheitsbrief. Er atmet Freiheit mit jedem Zug, in jedem Satz, sogar in jedem Genitiv und etwa in der Mitte des Briefes fällt dann endlich das Wort Freiheit. Paulus schreibt von der Freiheit der Kinder Gottes. Die ganze Schöpfung werde frei werden von der Sklaverei der Vergänglichkeit zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes (Röm 8,21).</p>
<p style="font-weight: 400;">Dieser Paulus ist ein Kind Gottes. Er ist ein Sklave, er ist abhängig und doch frei. Er ist so abhängig und so frei wie Kinder abhängig und doch frei sind. Es gibt offenbar eine Abhängigkeit, in der wir uns frei fühlen. Diese freimachende Abhängigkeit hat einen Namen: Liebe.</p>
<p style="font-weight: 400;">Womit wir wieder bei Weihnachten wären. Das Kind in der Krippe, der Sohn Gottes, in dem Gott in unsere Haut fährt, ist am Anfang auch ein sehr abhängiges Wesen und ein sehr geliebtes Kind. Wie – wenn die Verhältnisse gut sind – jedes Kind, das geboren wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die freimachende Abhängigkeit hat einen Namen: Liebe. Und so schreibt Paulus etwa in der Mitte des Römerbriefs:</p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Denn ich bin mir gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf vermag uns zu scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.</em> (Röm 8,38f)</p>
<p style="font-weight: 400;">Gottes Liebe macht frei. Sich von Gott geliebt wissen, macht frei von allem anderen. Nichts, gar nichts, kein Geschöpf dieser Welt, auch nicht der Tod, auch nicht das Leben hat dann noch Macht über uns.<br />
Du bist ein Kind Gottes. Du bist an Gott gebunden, bist abhängig von ihm und gerade in dieser Abhängigkeit bist du ein freier Mensch, frei von allem anderen. Denn diese Abhängigkeit ist Liebe und diese Liebe macht dich frei.<br />
Du musst dich nicht selbst bestimmen, du musst dir nicht selbst alles vergeben, du musst dich nicht selbst trösten und in den Arm nehmen, du musst dir nicht alles selbst danken, du musst dich nicht mal selbst lieben. Denn auch das kommt am Ende von Gott. Wer sich von ihm geliebt weiß, wird sich auch selbst lieben und annehmen. Liebe ist die schönste Abhängigkeit und die wahre Freiheit.</p>
<p style="font-weight: 400;">***</p>
<p style="font-weight: 400;">Also doch nicht nur Jesus-Christus-Rauschen. Die Worte des Paulus haben eine Botschaft. Gottes Liebe macht frei. Diese Botschaft ist es wert, dass wir sie im bald beginnenden Jahr als Christinnen und Christen in die Gesellschaft tragen. Gottes Liebe macht frei. Unsere Freiheit und Unabhängigkeit macht uns zu gelassenen Gesprächspartnern in Auseinandersetzungen. Zu fairem Streit sind wir in der Lage. Christinnen und Christen eignen sich als ehrliche Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer. Die Freiheit eines Christenmenschen hat schon so manchen Politiker und manche Politikerin durch das Labyrinth politischer Arbeit getragen und ihm oder ihr einen guten Kompass gegeben. Mit Zuversicht können wir daher in das bald beginnende Jahr gehen. Verinnerlichen wir die Botschaft von dem Gott, der in unserer Haut steckt seit er als Kind in der Krippe zur Welt gekommen ist, der uns zur Freiheit befreit hat durch seine Liebe. Das ist das Salz der Erde, das Licht der Welt, von dem Jesus spricht. Wir dürfen es uns selbst und den Menschen um uns herum nicht schuldig bleiben. Dazu ist die Situation in unserem Land und in der Welt zu angespannt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Zweiter Weihnachtstag. Es wird wieder ruhiger. Die Aufregung der Heiligen Nacht ist verrauscht, die Geschenke sind ausgepackt, die Töpfe gespült, die Essensreste verpackt. Jetzt ist die Zeit der Weihnachtsnachlese. Uralte Weihnachtspost. Ein Brief aus einer Zeit, als es Weihnachten noch nicht gab und Ostern wohl noch nicht gefeiert wurde und Himmelfahrt noch nicht im Kalender stand und alles doch schon da war.</p>
<p style="font-weight: 400;">Weil Jesus Christus schon da war, der seiner irdischen Herkunft nach von David abstammt, was wir zu Weihnachten feiern, der von den Toten auferstanden ist, was wir zu Ostern bejubeln, und der von Gott zum Sohn eingesetzt wurde und bei Gott im Himmel ist. Alles hineingepackt in einen einzigen langen Satz, in dem Paulus zuerst Paulus sagt und dann gleich Jesus Christus und ganz wenig über sich sagt und ganz viel über diesen. So machen es die Liebenden. Sie schwärmen vom anderen und wenn sie griechisch schwärmen, schwärmen sie im Genitiv.<br />
Ein bisschen schwärmen darf man am zweiten Weihnachtstag. Kräftig darf der Rausch der Heiligen Nacht noch weiterrauschen. So ein schöner Weihnachtsbrief. Und so viel Liebe zum Genitiv und Liebe im Genitiv, Liebe im zweiten Fall.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Weihnacht zweiter Tag und zweiter Fall. <em>Fall in love.</em> Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus aus Liebe zu uns, ein ganzes Menschenleben, damit du erlebst, was Liebe ist, wie Liebe ist und wer Liebe ist. Du wirst frei sein und glücklich, du geliebtes Kind Gottes.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens zu denken wagen, der wird unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus. <em>        </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>                                                                       Gemeinde: </em>Amen<em>.</em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Diese Predigt verdanke ich im wesentlichen Dr. Jürgen Kaiser. </em></p>
</div><div class="fusion-title title fusion-title-5 fusion-sep-none fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;"><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><h3 style="text-align: center;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2025/01/Predigt-Zweiter-Christtag-26-12-2024-Klosterkirche-Cottbus.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff6600;">Text zum Download</span></a></h3></h1></div></div></div></div></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Predigt &#8211; Christnacht 24. Dezember 2024 – 23.00 Uhr Klosterkirche zu Cottbus</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-christnacht-24-dezember-2024-23-00-uhr-klosterkirche-zu-cottbus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jan 2025 09:16:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>- es gilt das gesprochene Wort – Predigttext: 1. Timotheus 3, 16 Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. Predigt Liebe Nacht-Gemeinde hier in der Klosterkirche! Diese Nacht ist  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-11 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-10 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-11"><p style="font-weight: 400; text-align: center;">&#8211; es gilt das gesprochene Wort –</p>
<p>Predigttext: 1. Timotheus 3, 16</p>
<p style="font-weight: 400;">Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.</p>
<p>Predigt</p>
<p style="font-weight: 400;">Liebe Nacht-Gemeinde hier in der Klosterkirche!</p>
<p style="font-weight: 400;">Diese Nacht ist eine ganz besondere Nacht. Und wir, die wir hier versammelt sind, sind eine besondere Gemeinde. So kommen wir das ganze Jahr über nicht wieder zusammen. Viele von uns haben Wurzeln in dieser immer wiederkehrenden Nacht. Irgendwann einmal sind wir nicht mehr oder nicht nur zum Krippenspiel gegangen. Irgendwann war dem einen oder der anderen von uns dieser Nachtgottesdienst wichtiger als eine Christvesper. Oder vielleicht war es überhaupt der erste Gottesdienst, den wir jemals betreten haben, weil uns eine Ahnung herführte von dem, was in dieser Nacht geschehen ist. Wir kommen zu dem Kind in der Krippe, wir kommen in die Atmosphäre dieser Kirche. Die Geborgenheit und die Vertrautheit dieser Kirche und dieser Nacht treffen unsere eigene Sehnsucht nach Geborgenheit. Manche kommen nur einmal im Jahr hierher, leben längst ganz woanders, treffen in diesen Tagen und vielleicht auch in diesem Gottesdienst alte Freunde, Familienangehörige, Menschen, mit denen sie das ganze Jahr über nur durch Telefonate, Emails oder SMS verbunden sind. Uns verbindet das Bedürfnis, nach dem Trubel und der Hektik, die bis in diesen Tag hineinreichten, uns fallen zu lassen in das Geschehen dieser Nacht. Wir möchten singen und uns singen hören. Allein und doch in einer großen Gemeinschaft. In dieser Nacht haben wir Wurzeln, die uns tragen und halten, nicht nur heute. Es gehört zur Eigenart von Wurzeln, dass ihr größter Teil für uns unsichtbar bleibt und wir nicht einmal genau sagen können, wie sie verlaufen und woher sie ihre Nahrung beziehen, obwohl sie uns halten und nähren. Einem Baum geht es am besten, wenn seine Wurzeln im Verborgenen bleiben können, nicht freigelegt werden. Und so wollen wir auch heute in dieser Nacht nicht freilegen, was uns denn genau und warum hierher führt. Das Vertraute begegnet uns. Mehr muss nicht sein. Was gehört dazu? Die Weihnachtsgeschichte. Fast hat sie eine Melodie, so vertraut ist sie. Und die Melodien des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach schleichen sich für manchen beim Hören der Worte aus dem Lukasevangelium schon von ganz allein mit hinein. Die Lieder. Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben. O Bethlehem, du kleine Stadt. Die wunderbar verhaltenen und dann auch jubelnden Melodien. Die alte Holzkrippe schließlich mit der brennenden Kerze. Vieles ist so offensichtlich. Es ist schön, Wurzeln zu haben. Es ist schön, dass einfach da ist in dieser Nacht, was wir suchen. Jetzt müssen wir nichts mehr tun, keine Erwartungen mehr erfüllen, nur einfach da sein in der Gegenwart Gottes. Vertrauen und Geborgenheit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Was ist aber, wenn die Botschaft dieser Nacht auch über den kommenden Tag hinaus halten soll? Kann sie das? Viele Menschen, vielleicht auch gar nicht so wenige unter uns in dieser Kirche, kommen das ganze Jahr über auch ganz gut ohne Kirche aus. Viele von uns fragen sich vielleicht, ob diese Erde in Wirklichkeit nicht doch eine Gegend ohne Gott ist. Das Sprechen von Gott, das Singen, das Beten zu Gott scheint schwieriger geworden zu sein in diesem zu Ende gehenden Jahr 2024. Die schrecklichen Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und an so vielen Orten dieser Welt; der Klimawandel, dem wir immer noch nicht angemessen begegnen, weil wir uns immer noch als Herren der Schöpfung aufspielen und nicht verinnerlichen, dass wir Teil dieses ganzen komplizierten und wunderbaren Systems sind und nun auch noch Magdeburg. Gott wird ganz leise Mensch. Gott wird ganz leise Mensch, wenn Menschen zu Menschen werden. Gott wird ganz leise Mensch, wenn Menschen trotz so viel Tod und Hass und Verletzung – wie in Magdeburg geschehen &#8211; den Willen zum Frieden und zur Verständigung festhalten. Menschen stehen zusammen in ihrer Trauer und lassen sich nicht zum Hass verführen. So wird Gott Mensch.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ja, wir könnten aus der Haut fahren. Wir könnten jeglichen Glauben an Gott und an eine Hoffnung auf Frieden verlieren. Oder: Wir können glauben: Gegen die Erfahrung der Abwesenheit oder der Fremdheit Gottes setzt Weihnachten eine klare Botschaft. Ein wehrloses kleines Kind kommt in einer Notunterkunft zur Welt. Und in diesem Kind kommt Gott zur Welt. Gott spricht zu mir: In deiner Haut möchte ich stecken. Ich will dir nahe sein – so nahe, wie eine Haut, die dich umgibt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wenn also gefragt wird: Wo steckt Gott heute in unserer Welt mit all ihren Problemen und Krisen, mit ihrem Unfrieden, aber auch mit ihren schnellen Entwicklungen und großen Möglichkeiten des Menschen, dann lautet unsere Antwort als Christinnen und Christen: Gott, der Unnahbare und Unbegreifliche, ist Mensch geworden. Der Mensch ist das Einfallstor Gottes in unsere Welt. Er ist nicht länger ein Gott oben überm Sternenzelt. Er ist ein Gott unten, inmitten von uns Menschen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Damals waren es die Hirten, die diese Botschaft zuerst hörten. Menschen mit wenig Perspektive und Achtung, arm. Sie hatten kaum Wahlmöglichkeiten in ihrem Leben. Zu ihnen hat Gott in dieser Nacht gesagt: In deiner Haut möchte ich stecken, du Hirte Ruben. Du bist es wert. Weil ich dich liebe, bin ich Mensch geworden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Heute ist es vielleicht Ines aus ihrer Marktbude in Magdeburg, die bis Freitag ihrer harten, kalten Arbeit nachgegangen ist und sich auf Weihnachten gefreut hat mit der Familie und vor allem im Warmen. Seit Freitag gehen ihr die Bilder nicht aus dem Kopf von schreienden und flüchtenden Menschen, die Bilder von Tod und Verletzung. Zu ihr sagt Gott in dieser Nacht. In deiner Haut möchte ich stecken, Ines. Du bist es wert. Weil ich dich liebe, bin ich Mensch geworden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Heute ist es vielleicht Bernhard, der kurz vor Weihnachten eine schlimme Diagnose bekommen hat. Vielleicht wird es sein letztes Weihnachtsfest sein. Alle können es noch nicht begreifen. Er auch nicht. Zu ihm sagt Gott in dieser Nacht. In deiner Haut möchte ich stecken, Bernhard. Du bist es wert. Weil ich dich liebe, bin ich Mensch geworden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Aber Gott kam ja in dieser Nacht nicht nur zu den Armen, den Verzweifelten. Ja, er kam in einem Stall zur Welt, unter ärmlichen Verhältnissen. Aber neben den Hirten standen die Sterndeuter oder die Könige mit ihren wertvollen Geschenken. Sie haben die Botschaft auch gehört und auch für sie war sie bestimmt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und so sagt Gott heute auch zu Marvin und Anna, die sich vor zwei Wochen kennengelernt haben und gar nicht verstehen, warum sie Weihnachten nicht zusammen verbringen können – zu diesem frisch verliebten Paar. In deiner Haut möchte ich stecken, Marvin, und in deiner, Anna. Ihr seid es wert. Weil ich euch liebe, bin ich Mensch geworden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Botschaft von Weihnachten ist eine gute Botschaft. Sie geht ins Herz. Sie erreicht viele von uns in dieser Nacht. Ob sie über den kommenden Tag hinaus halten wird? Wir haben es nicht in der Hand. Im 1. Timotheusbrief heißt es: Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens. Und dann heißt es weiter von dem Kind in der Krippe:</p>
<p style="font-weight: 400;">Er ist offenbart im Fleisch,</p>
<p style="font-weight: 400;">gerechtfertigt im Geist,</p>
<p style="font-weight: 400;">erschienen den Engeln,</p>
<p style="font-weight: 400;">gepredigt den Heiden,</p>
<p style="font-weight: 400;">geglaubt in der Welt,</p>
<p style="font-weight: 400;">aufgenommen in die Herrlichkeit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ein Geheimnis können wir nicht intellektuell ergründen, wir können nicht erzwingen, dass wir daran glauben. Wir können es nur staunend hören und unser Herz dafür öffnen. Wir können uns dem Geheimnis nur nähern, indem wir zur Krippe kommen und können Augen und Herzen offen halten. Gott steckt in deiner Haut. Das ist gewiss. Ob du es spüren, ob du damit leben kannst, ob es dein Leben verändert, ob es dir selbst gelingt, wie Gott Mensch zu werden – das wird die Zukunft zeigen. Eine große Hoffnung ist mit dieser Nacht in die Welt gekommen. Lasst uns von ihr singen mit den leisen und jubelnden Worten und Tönen des englischen Weihnachtsliedes „O Bethlehem, du kleine Stadt“.</p>
<p style="font-weight: 400;">Vielleicht gehört die Botschaft von Weihnachten ja längst zu deinen Wurzeln, gehört zu dir und du weißt es nur manchmal. Und dann auch wieder nicht. Gott steckt in deiner Haut. Das gehört zu dir.                                     Amen.</p>
</div><div class="fusion-text fusion-text-12"><h3 style="text-align: center;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2025/01/Predigt-Christnacht-24-12-2024-Klosterkirche-Cottbus.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff6600;">Text zum Download</span></a></h3>
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