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	<title>Predigt-Aktuell Archives - Klosterkirchengemeinde Cottbus</title>
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	<description>Herzlich Willkommen in der Klosterkirchengemeinde Cottbus</description>
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	<title>Predigt-Aktuell Archives - Klosterkirchengemeinde Cottbus</title>
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		<title>Predigt &#8211; Zweiter Christtag &#8211; 26. Dezember 2025 &#8211; Klosterkirche zu Cottbus &#8211; Pfarrer Wolfgang Gürtler</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Jan 2026 11:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zweiter Christtag Dezember 2025 Klosterkirche zu Cottbus - es gilt das gesprochene Wort - Predigttext: Titus 3, 4-7 Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-1"><p style="font-weight: 400; text-align: left;">Zweiter Christtag</p>
<ol style="text-align: left;" start="26">
<li style="font-weight: 400;">Dezember 2025</li>
</ol>
<p style="font-weight: 400; text-align: left;">Klosterkirche zu Cottbus</p>
<p style="font-weight: 400;">&#8211; es gilt das gesprochene Wort &#8211;</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Predigttext</strong>: Titus 3, 4-7</p>
<p style="font-weight: 400;">Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben seien nach der Hoffnung auf ewiges Leben.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong> </strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Predigt</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.                           <em>Gemeinde: Amen.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Die mit den unendlichen Augen kommen aus dem Osten.<br />
Genauer gesagt, aus dem Erzgebirge. Wie sich in ihren groben Gesichtern die Menschenfreundlichkeit Gottes spiegelt!<br />
So sehen sie eben aus, die seltenen Menschen, denen das Hören und Sehen noch nicht vergangen ist.<br />
Handgeschnitzte Krippenfiguren, deren Augen einen nicht loslassen wollen, wenn man in ihre Krippenszene schaut.<br />
Zwei aufgescheuchte Hirten, drei weitgereiste Gelehrte,<br />
dazu eine Mutter, die eher ängstlich in die Zukunft ihres neugeborenen Heilandes schaut, und ein Joseph, dessen Blick noch schwankt von der Geburt. Nur der Heiland schläft.</p>
<p>Was macht diese hölzernen Hoffnungsmenschen aus der kleinen Werkstatt im Erzgebirge nur so „eigenartig&#8220;?<br />
Ich glaube, es ist weniger ihr Aussehen als ihr <em>Ansehen</em>.<br />
Es öffnet mir die Augen, wenn ich an Marias Lied denke:<br />
„Mein Geist freut sich Gottes, meines Heilands; denn er hat mich <u>angesehen</u>&#8222;, singt Maria im Magnificat, dem Jubellied der schwangeren Frau aus einfachen Umständen.<a href="applewebdata://BC79EAA1-82B4-4A00-AE88-5D57FB644E9E#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> Gott hat sie angesehen! Und eine von Gott „Angesehene&#8220; sieht wahrscheinlich verändert aus. So, als wäre ihre Lebensuhr beim Staunen stehengeblieben. Ihre kindliche Sehnsucht nach Veränderung, nach besseren Lebensumständen für alle, ist größer geblieben als die Welt, in die sie hineinwuchs mit diesem Leben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Auch die Hirten haben schon viel gesehen. Sie kennen die Nacht und das kalte Zwielicht der Wüste. Es wird seinen Grund haben, dass Gott sich so gern aus den Reihen der Hirten Propheten erweckte. Diese Propheten hießen auch „Seher&#8220;.<br />
Nicht bloß, weil sie von einem Ende der Welt zum anderen</p>
<p style="font-weight: 400;">sehen konnten (vielleicht), sondern weil sie den Menschen tief ins Herz sahen und auf den ersten Blick erkannten, ob einer eher Kain oder Abel war. In ihren Hirtenaugen glüht die Leidenschaft des Herzens, die weder Wüste noch Wölfe scheut<br />
und weder Fremde noch Einsamkeit fürchtet.</p>
<p>Die Kronen der drei königlichen Besucher sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie die schlichten Hirtenkappen.<br />
Aus <em>ihren drei Augenpaaren</em> leuchtet die beunruhigende Frage, wo Gott Wohnung nimmt. Diese Drei haben Hunger und Durst nach dem Unendlichen. In ihren königlichen Herzen tragen sie</p>
<p style="font-weight: 400;">Weisheit und Sehnsucht der Völker. Suchende, fahrende Menschen sind das, die ihrem Gewissen mehr glauben als aller Sesshaftigkeit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die hochschwangere Maria hat im fremden Bethlehem in ihrer Not an viele vornehme Türen geklopft. Ist dankbar, als die Qual vorbei und das Kind auf der Welt ist. Aber an den Gedanken,</p>
<p style="font-weight: 400;">dass sie hier am kalten Rand der Welt in diesem gottver-lassenen Obdachlosenwinkel mitten in der Nacht Gott selbst in ihren Menschenarmen hält, muss sie ihr Herz erst langsam gewöhnen. Das Herz, das alle die Worte der nächtlichen Gäste behielt. Ihre großen Augen können sich nicht schließen,<br />
trotz der Müdigkeit, nicht mit so viel Aufregung im Herzen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Dass der allmächtige Gott Windeln trägt, dass der Schöpfer des Himmels und der Erden frierend und schreiend in einem Stall</p>
<p style="font-weight: 400;">die eigene Geburt als Mensch überstehen muss, ohne Licht und Gerät, kinderlaut, in dürftiges Stroh gesteckt &#8211; das überfordert</p>
<p style="font-weight: 400;">Herz, Verstand und sogar die Verheißung. Die Erzgebirgs-figuren zumindest gucken groß in die Krippe hinein.<br />
Und dass der Heiland, kaum von der Nabelschnur geschnitten,<br />
in den Futtertrog von Ochs und Esel gelegt wird, gibt die biblische Schrift nicht her. Aber dieses Ereignis soll, zweitau-send Jahre später, weiter Herzen und Welt erhellen und die Seele soll sich wärmen an der heilsamen Gnade Gottes.</p>
<p style="font-weight: 400;">Seit zweitausend Jahren erinnern sich Christ*innen dieser göttlichen Menschenfreundlichkeit. Und es schauen nicht nur die Holzmännel groß und kehren Jahr für Jahr wieder, auch die Kirchen weltweilt füllen sich verlässlich am Heiligabend.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die schöne Geschichte von Gottes Geburt in dürftiger Herberge. Sogar die Kritischen kommen, stören, wie im Krippenspiel in der Klosterkirche in diesem Jahr und werden dann doch nachdenklich, gehen auf die Suche nach Bethlehem in ihrem Leben, suchen die Menschenfreundlichkeit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und Maria lädt sie alle ein in der kalten Nacht, die Hirten und die Sterngucker und selbst die geldgierige Wirtin.</p>
<p>Darüber hinaus nimmt die Welt aber in diesen Tagen wenig Notiz von Gottes heilsamer Gnade und Freundlichkeit. Alles ist, wie es ist. Die Finsterlinge machen weiter auf Licht – oder versuchen nicht einmal mehr, ihre Finsternis zu verbergen.<br />
Die Wölfe immer noch auf Lamm – und weit und breit gibt es, allen Verheißungen zum Trotz, auch keinen Löwen, der Stroh frisst. Vielleicht, wer weiß, schauen die lieben alten Krippenfiguren aus dem Erzgebirge auch deshalb so groß,</p>
<p style="font-weight: 400;">weil sie es nicht zusammenkriegen. Hat Gottes Freundlichkeit die Welt nicht freundlicher gemacht? Herodes steht am Fenster seines Palastes und sieht mit unbewegtem Gesicht dem Kindermord vor seiner Haustür zu, der wenige Tage nach Jesu Geburt geschieht. Augustus überzieht die Welt mit bewaffneten Friedensbringern, Pilatus wäscht sich seine Hände in der gleichen Unschuld wie vor zweitausend Jahren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ismael und Jakob kämpfen wie gehabt um den Gazastreifen.<br />
Und Rahel und Hagar weinen und weinen um ihre Kinder.</p>
<p>Und Gott? Er friert sich selber durch &#8211; nach Bethlehem.<br />
Eine alte Überlieferung spricht von der wandernden Anwesenheit Gottes. Immer wieder zeigt er sein Gesicht,<br />
immer wieder ist er unterwegs zu den Menschen. Und seine Freundlichkeit findet Antwort. „Fremd war ich, und ihr habt mich angenommen&#8220; <a href="applewebdata://BC79EAA1-82B4-4A00-AE88-5D57FB644E9E#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> wird er sagen können.<br />
Er sitzt bei den Obdachlosen vor dem Edeka oder bei den jungen Migranten am Blechen Carré. Oder er geht zu den Süchtigen an der großen Brücke. Er erwacht hinter den Milchglasscheiben einer Klinik an Schläuchen und Drähten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Immer bleibt er ein Flüchtling in der Fremde, und immer zeigt er sein Gesicht. Weil er gar nicht anders kann.</p>
<p>In den alten Schriften trägt er freundliche Namen, die viel Raum und Zeit gesammelt haben. Er heißt Gott-Held, Ewig-Vater oder Friede-Fürst. Die Worte sind fremd, aber an ihnen wärmt sich das Herz der Welt bis heute. Und die Frage verstummt nicht, wo und zu wem er heute kommt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Manchmal suche ich mir eine Antwort im erzählten Glauben.<br />
In dem, was uns wichtig geworden ist in der Geschichte – neben der biblischen Überlieferung.  Und &#8211; ich suche die Menschenfreundlichkeit nach Vorfahren ab.<br />
Als Jugendlicher blätterte ich gern in Bildbänden oder Post-kartensets mit Bildern großer Fotografen. Das tue ich heute noch gern. An eine Fotoausstellung in Prag erinnere ich mich,</p>
<p style="font-weight: 400;">in der ich lange vor großformatigen Bildern verbracht habe.<br />
Ich las die Gesichter und konnte mich nicht sattsehen. In jedem stand etwas in Gottes Handschrift. Porträts von Menschen aus anderen Erdteilen, aus längst vergangenen Zeiten. Familien und ihre Ähnlichkeiten. Menschen, die viel schwere Arbeit gesehen hatten und ihre müden, dennoch glühenden Augen, oder Not nach den großen Kriegen hier in Europa, die in den Augen stand.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und auch die großen Freundlichen, die über die Museen verteilt sind, scheinen Gott zu spiegeln. Die glühenden Augen des Apostel Paulus, von Rembrandt gemalt; der wache Verstand des Erasmus, von Dürer gezeichnet; der kluge Melanchthon, versunken und ängstlich, von Cranach. Zinzendorf, Tersteegen und Bach. Oder die Späteren, dann auch schon auf Fotos:<br />
Albert Schweitzer, mitten im Urwald am Klavier, mit seinem Kätzchen. Das ergreifende Gesicht Bodelschwinghs. Die lebens-hungrigen Augen der Sophie Scholl. Dietrich Bonhoeffer als junger Student. Martin Luther King und seine Frau Coretta.<br />
Der nach innen gekehrte Blick Dag Hammarskjölds. Der Dichterpräsident Václav Havel mit seinen klugen, von Lachfältchen gerahmten Augen.<br />
Gottes freundliche Freunde, denke ich, haben lesbare Gesichter.Die Freundlichkeit Gottes ist in uns geboren worden.<br />
Und wird es noch. Sie färbt eure Gesichter, Weihnachts-menschen.</p>
<p>Die hölzernen Hoffnungsmenschen aus der kleinen Werkstatt im Erzgebirge beugen sich über das Kind. Sie haben die Menschenfreundlichkeit Gottes zuerst zur Welt kommen sehen<br />
und kriegen die Münder Jahrzehnt um Jahrzehnt gar nicht mehr zu. Und mit ihren großen Augen schauen sie uns hinterher, uns, die wir uns jetzt auf den Weg machen, wieder ein wenig neu werden dabei, wieder ein bisschen anfangen zu leuchten, weil die Freundlichkeit Gottes auf die Welt gekommen ist, in uns allen. Sie schauen uns hinterher mit großen Augen &#8211; da bin ich ziemlich sicher. Gut, dass sie noch ein wenig bleiben in den Weihnachtszimmern und uns erinnern,</p>
<p style="font-weight: 400;">was Weihnachten alles kann.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens zu denken wagen, der wird unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus. <em>                 Gemeinde: </em>Amen<em>.</em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Diese Predigt verdanke ich zu großen Teilen Matthias Storck und Marie-Luise Gürtler.</em></p>
<p><a href="applewebdata://BC79EAA1-82B4-4A00-AE88-5D57FB644E9E#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Lk 1,46-48</p>
<p><a href="applewebdata://BC79EAA1-82B4-4A00-AE88-5D57FB644E9E#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Mt 25, 35</p>
</div></div></div></div></div><div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-2 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-title title fusion-title-1 fusion-sep-none fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;"><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2026/01/Predigt-Zweiter-Christtag-mit-Taufe-Klosterkirche-Cottbus-26-Dezember-2025.pdf" class="awb-custom-text-color awb-custom-text-hover-color" target="_blank"><span style="color: #ff6600;">Predigt zum Download</span></a></h1></div></div></div></div></div></p>
<p>The post <a href="https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-zweiter-christtag-26-dezember-2025-klosterkirche-zu-cottbus-pfarrer-wolfgang-guertler/">Predigt &#8211; Zweiter Christtag &#8211; 26. Dezember 2025 &#8211; Klosterkirche zu Cottbus &#8211; Pfarrer Wolfgang Gürtler</a> appeared first on <a href="https://klosterkirchengemeinde.de">Klosterkirchengemeinde Cottbus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Predigt Christnacht &#8211; 24. Dezember 2025 &#8211; Klosterkirche zu Cottbus &#8211; Pfarrer Wolfgang Gürtler</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/christnacht-24-dezember-2025-klosterkirche-zu-cottbus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Jan 2026 10:42:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Christnacht Dezember 2025 – 23.00 Uhr Klosterkirche zu Cottbus - es gilt das gesprochene Wort – Predigttext: Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.                      Sacharja 2, 14 Predigt Liebe Nacht-Gemeinde hier in der Klosterkirche! Aus dem Trubel fröhlicher Weihnachtsabende oder  [...]</p>
<p>The post <a href="https://klosterkirchengemeinde.de/christnacht-24-dezember-2025-klosterkirche-zu-cottbus/">Predigt Christnacht &#8211; 24. Dezember 2025 &#8211; Klosterkirche zu Cottbus &#8211; Pfarrer Wolfgang Gürtler</a> appeared first on <a href="https://klosterkirchengemeinde.de">Klosterkirchengemeinde Cottbus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-3 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-2 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-2"><p style="font-weight: 400;">Christnacht</p>
<ol start="24">
<li style="font-weight: 400;">Dezember 2025 – 23.00 Uhr</li>
</ol>
<p style="font-weight: 400;">Klosterkirche zu Cottbus</p>
<p style="font-weight: 400;">&#8211; es gilt das gesprochene Wort –</p>
<p><strong>Predigttext:</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.                      Sacharja 2, 14</p>
<p><strong>Predigt</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Liebe Nacht-Gemeinde hier in der Klosterkirche!</p>
<p style="font-weight: 400;">Aus dem Trubel fröhlicher Weihnachtsabende oder aus den vier Wänden, in denen niemand auf mich wartet, sind wir hierher-gekommen. Vielleicht hast du dich noch einmal aufgemacht und andere zu Hause sind schon ins Bett gegangen. Oder du triffst dich hier mit Gleichgesinnten. Wir kommen in die weihnachtlich geschmückte Klosterkirche. Die Schönheit dieser Nacht lebt von den Gegensätzen. Sie ziehen uns magisch an. Die kalte feuchte Nacht draußen und die Wärme der Kerzen hier in der Kirche. Dunkel und Licht, Reichtum und Armut, das Verlassensein und Gefundenwerden, die eigene Einsamkeit und die Liebe der Menschen, die mir nahe sind.</p>
<p style="font-weight: 400;">Eine unerhörte Geschichte wird uns da erzählt wie in jedem Jahr und eine ganz gewöhnliche doch auch. Unerhört an dieser Geschichte ist, dass Gott aus seiner großen Herrlichkeit in unsere Welt gekommen ist. „Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen.“ Gesagt bei Sacharja, dem Propheten. Und getan in dem Kind in der Krippe, zu dem wir heute alle gekommen sind. Eine unerhörte Geschichte, weil Gott es ist, der zu uns kommt. Eine unerhörte Geschichte, weil er sich selbst klein und wehrlos macht. Ein Gott, den man schlagen und lieben kann, den man verfolgen und beherbergen kann. Einer von uns eben. Gott ein Kind, aus dessen Augen so viel Vertrauen spricht, so viel Hoffnung auf Wärme; das so angewiesen ist.  Gott kommt zu uns, wohnt bei uns, wird einer von uns, allen Gefahren ausgesetzt und aller Liebe fähig. Keine von uns kann nun mehr sagen, Gott habe ja keine Ahnung von uns Menschen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Eine ganz gewöhnliche Geschichte aber auch. Maria bringt ein Kind zur Welt. Im Jahr 2025 wird 436.000 mal ein Kind in Deutschland geboren worden sein, Millionen sind es weltweit. In klimatisierten Kreißsälen, im Gewimmel enger Gassen, in Flüchtlingslagern unter freiem Himmel. Maria ist eine von ihnen. Romantisch wird das für Maria nicht gewesen sein, als Jesus zur Welt kam. „Die Nacht ihrer ersten Geburt war kalt gewesen“, dichtet Bertolt Brecht. Und weiter: „In späteren Jahren vergaß sie gänzlich den Frost in den Kummerbalken und rauchenden Ofen. Und das Würgen der Nachgeburt gegen Morgen zu. Aber vor allem vergaß sie die bittere Scham nicht allein zu sein, die den Armen zu eigen ist.“ Eine ganz gewöhnliche Geschichte also. Eine Frau, die mit Schmerzen ein Kind zur Welt bringt. Die Umstände sind hart und rau. Gott kommt zur Welt. Er wird einer von uns. Und einer von uns wird er eben gerade, weil alles so normal ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">In dem Kind in der Krippe finden die himmlische Welt und unsere zusammen. Gott kommt in die Welt und der Himmel steht uns wieder offen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Krippe, die Weihnachten in der Mitte steht, zeigt die Augen eines Kindes; der offene, vertrauende, Liebe empfangende Blick dieses Kindes schafft Rettung. Der offene, vertrauende, Liebe empfangende Blick eines jeden Kindes pflanzt Hoffnung in die Welt. Weil ein Kind in unsere Mitte kommt, können wir Hoffnung in dieser Geschichte finden. Das ist Weihnachten: Ich sehe das Wunder, werde Teil davon und ahne ganz genau, was zu tun ist: Man gewährt Menschen eine Chance auf ihr eigenes Leben. Man lässt Menschen nicht verhungern, niemals ertrinken, auch nicht verdursten, das Wunder des Lebens lässt man nicht achtlos am Rande des Weges liegen. Punkt! Weil jede von uns aus diesem Wunder lebt. Weil jeder von uns als Hoffnungsträger zur Welt kommt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und dabei ist es ganz egal, wie weit wir dieser Geschichte trauen. Ob wir in ihr Hoffnung finden oder in sie Hoffnung hineinlesen. Ein glaubender Denker, Fulbert Steffensky, sagt: „Hoffnung ist ja nicht die Garantie eines guten Ausgangs. Sondern man hofft auch, indem man tut, als hoffte man. Der Wert der Hoffnung ist, dass man nicht zynisch wird. Hoffnung heißt, sich zu kümmern und zu sorgen. Man lernt Hoffnung auch durch die Schönheit biblischer Geschichten.“ <a href="applewebdata://CCF6DBA0-8255-4DB9-B0E6-E1EFD7E2E150#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></p>
<p style="font-weight: 400;">Gott hat Wohnung bei uns genommen und er blickt uns aus Kinderaugen an. Wenn das nicht eine schöne, eine wunderbare Geschichte ist. Weil jeder von uns immer wieder einem Kind begegnet, von Kinderaugen angesehen wird, können wir uns dem nicht wirklich entziehen.</p>
<p style="font-weight: 400;">In Jesus, Marias und Gottes Sohn, kommen unsere Welt und Gottes Welt zusammen, werden eins und die Hoffnung hat einen Nährboden. Sicher, die Garantie des guten Ausgangs gibt es nicht. Wir hätten sie so gern. Aber die gibt es nicht. Und die Welt, wie sie ist, spricht nicht für die Hoffnung. Doch wir können sie einüben. Jedes Mal, wenn wir dem Blick eines Kindes begegnen, schauen wir Gott an und Gott schaut uns an. Und manchmal – Hand aufs Herz – wächst dann die Hoffnung in uns ganz gegen unseren Willen und unsere intellektuelle Überzeugung, unsere Einsichten und Meinungen. Wir werden gehofft, die Hoffnung übt an uns und in uns. Und wir sind wehrlos dagegen wie der wehrlose Gott im Stall in der Krippe. Das ist die Art, wie Gott Menschen überwältigt, sie zu Hoffenden macht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Gleich werden wir singen: „Ich sehe dich mit Freuden an/ und kann mich nicht satt sehen;/ und weil ich nun nichts weiter kann,/ bleib ich anbetend stehen./ O dass mein Sinn ein Abgrund wär/ und meine Seel ein weites Meer,/ dass ich dich möchte fassen!“</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich lade sie zu einem Experiment ein: Denken sie bei dieser Strophe nicht an das Kind in der Krippe, an Jesus. Denken sie an ein Kind, dem sie in der letzten Zeit begegnet sind, an alles, was sie in diesen Kinderaugen gefunden haben. Und sie werden merken. Diese Strophe stimmt für alle Kinder. Wir werden sie nicht anbeten, aber sie lassen uns ehrfürchtig werden. Gott hat eben Wohnung bei uns genommen. Ist einer von uns geworden. Und in jedem Kind, das wir mit Freuden ansehen, sehen wir Gott an.                                      Amen.</p>
<p><a href="applewebdata://CCF6DBA0-8255-4DB9-B0E6-E1EFD7E2E150#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Fulbert Steffensky, Was die Weihnachtsgeschichte so besonders macht, Westdeutsche Zeitung, 23.12.2018, abgerufen am 21.12.2025</p>
</div><div class="fusion-title title fusion-title-2 fusion-sep-none fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top:50px;--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;"><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2026/01/Predigt-Christnacht-Klosterkirche-Cottbus-24-Dezember-2025.pdf" class="awb-custom-text-color awb-custom-text-hover-color" target="_blank"><p style="text-align: center;"><span style="color: #ff6600;">Predigt zum Download</span></p></a></h1></div></div></div></div></div>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Predigt zum ersten Advent 30. November 2025 von Pfarrer Bernd Klaas</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-zum-ersten-advent-von-pfarrer-bernd-klaas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Dec 2025 08:25:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Predigttext: Römer 13, 8 - 12 Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist,  [...]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-4 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-3 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-3" style="--awb-content-alignment:left;"><p style="font-weight: 400;"><strong>Predigttext: Römer 13, 8 &#8211; 12</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und das tut, weil ihr die Zeit erkannt habt, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Liebe Gemeinde!</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Heute im Sonderangebot: Waffen des Lichts.</p>
<p style="font-weight: 400;">Greifen Sie zu, die Gelegenheit ist einmalig!</p>
<p style="font-weight: 400;">Nein, nicht was Sie denken – keine Laser-Schwerter oder Blitze-Schleuder so.</p>
<p style="font-weight: 400;">Mit den Waffen des Lichts sind Sie gerüstet gegen alles, was die Finsternis mit sich bringt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Was haben wir denn hier?</p>
<p style="font-weight: 400;">Ah – ein entwaffnendes Lächeln. Hat nachweisbar eine hohe Erfolgsquote, um eine Situation zu deeskalieren.</p>
<p style="font-weight: 400;">Oder hier: ein freundliches Wort. Kann Wunder vollbringen!</p>
<p style="font-weight: 400;">Und dort: eine ausgestreckte Hand. Bringt in Kontakt, richtet auf, baut Brücken …</p>
<p style="font-weight: 400;">Auch das: die Bitte um Verzeihung. Kann wieder Licht bringen in die Finsternis eines Streits.</p>
<p style="font-weight: 400;">Greifen Sie zu! Die Waffen des Lichts unterliegen keiner Altersbeschränkung, Sie dürfen überall mitgeführt und eingesetzt werden. Sie machen das Leben hell, wo die Finsternis regiert!</p>
<p style="font-weight: 400;">Jetzt gilt es! Nur heute im Sonderangebot!</p>
<p style="font-weight: 400;">Liebe Gemeinde,</p>
<p style="font-weight: 400;">braucht es Menschen, die dem Licht den Weg bereiten? Die schon jetzt Spuren legen, die in den neuen Tag führen? Die schon Mal Lichter entzünden – um im Bild zu bleiben? Braucht es uns, damit es Licht wird? Offenbar schon. Und dem geben wir auch in vielen Adventsbräuchen einen sichtbaren Ausdruck auf unseren Straßen und Häusern, indem wir die Adventskerzen entzünden und Lichterketten anbringen. Weil „das Licht der Welt“ auf uns zukommt, bereiten wir ihm schon den Weg, bereiten auch uns selbst vor, stimmen uns ein, machen uns auf und werden licht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Unseren „Waffen des Lichts“, der Nächstenliebe, der Menschenfreundlichkeit, dem Einsatz für jedes bedrohte Leben – diesen Waffen entspricht der „König“, für den wir sie einsetzen. „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Denn dieser König ist eben kein König Charles. Sie erinnern sich? Große Militärparade anlässlich seines Geburtstags. Bei königlichem Wetter und gekleidet in volle Uniform mit allem, was dazugehört, verfolgt Charles die festgelegte Zeremonie zu seinen Ehren, unter den Reiter nun auch sein Enkel William. Festlich. Königlich. Erhaben. Und über die Fernsehanstalten in alle Welt gesendet, unter den Zuschauern für eine ganze Weile auch ich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ein anderer König aus einem Film: Herr der Ringe. Am Ende, nach der großen Schlacht gegen die Dunkelheit, kehrt der König heim. Er kommt, um seine Herrschaft anzutreten. Der wahre König. Hoch zu Ross. In voller Rüstung, das Schwert erhoben. Ein Heer hinter sich. Und er strahlt Kraft aus, Macht, Sieg.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wie anders dagegen der „kleine König“, ohne Krone, ohne Land und doch König über alles: Der Einzug Jesu in Jerusalem. Auf einem Esel. Sanftmütig, ohne Waffen, bescheiden. Keine Rüstung, keine Soldaten hinter sich. Denn seine Waffen sind Waffen des Lichts. Er ist die Verkörperung der Liebe Gottes. So kommt er. So kommt Gott zu uns. Damals vor 2000 Jahren. Demnächst in der Heiligen Nacht. Heute.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Friedenskind,</p>
<p style="font-weight: 400;">noch im Schlafe der Nacht, eh der Morgen erwacht,</p>
<p style="font-weight: 400;">kommst du in das schweigende All, Kriegsgewalt und Verfall –</p>
<p style="font-weight: 400;">Heiland heißt du.</p>
<p style="font-weight: 400;">Friedenskind,</p>
<p style="font-weight: 400;">auf dem Weg in den Wind, da, wo Mordwaffen sind,</p>
<p style="font-weight: 400;">kommst du,</p>
<p style="font-weight: 400;">selbst durch Hunger und Schmerz und ein hasskaltes Herz –</p>
<p style="font-weight: 400;">trägst einen Traum.</p>
<p style="font-weight: 400;">Friedenskind,</p>
<p style="font-weight: 400;">in die schlafende Nacht und dem Kampf um die Macht</p>
<p style="font-weight: 400;">komm nun,</p>
<p style="font-weight: 400;">bring den Traum neu zur Welt, der die Hoffnung behält –</p>
<p style="font-weight: 400;">Gottes Schalom.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Liebe Gemeinde, der Advent will uns ermutigen, den Traum von einem Leben, einer Welt ohne Finsternis nicht aufzugeben. Die Hoffnung auf Gottes Schalom, einen umfassenden Frieden, das Heil für alles Leben, wie es Shirley Erena Murray aus Neuseeland in ihrem Gedicht von 1992 schrieb.</p>
<p style="font-weight: 400;">Mit Paulus heißt das, vom Schlaf aufzuwachen, die Augen zu öffnen und den leichten Lichtschimmer am Horizont wahrzunehmen. Das Licht ist schon in der Welt. Es kann und wird die Finsternis zurückdrängen. Und wir können es tatkräftig unterstützen, ihm den Weg bereiten. Ein entwaffnendes Lächeln, ein freundliches Wort, eine ausgestreckte Hand, die Bitte um Verzeihung – kleine Lichter des Friedens, die wir selbst wie eine Kerze, die bereit steht, nur entzünden brauchen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Am nächsten Samstag wird das Friedenslicht aus Bethlehem durch die Pfadfinder ausgesendet, am zweiten Advent kommt es nach Deutschland. Ein schönes Zeichen und Symbol für Frieden und Hoffnung. Licht, das in der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem entzündet wird, findet seinen Weg in viele Länder Europas und drüber hinaus. So und durch uns breitet sich das Licht aus: im menschlichen Miteinander unserer Beziehungen, in unseren Familien, auf der Arbeit und im Freundeskreis und überall dort, wo es dunkel ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt.“ Amen.</p>
</div><div class="fusion-title title fusion-title-3 fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;"><div class="title-sep-container title-sep-container-left"><div class="title-sep sep-single sep-dotted" style="border-color:#e0dede;"></div></div><span class="awb-title-spacer"></span><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2025/12/Predigt-zum-ersten-Advent-von-Pfarrer-BerndKlaas.pdf" class="awb-custom-text-color awb-custom-text-hover-color" target="_blank"><h3 style="text-align: center;"><span style="color: #ff9900;">Predigt zum Download</span></h3></a></h1><span class="awb-title-spacer"></span><div class="title-sep-container title-sep-container-right"><div class="title-sep sep-single sep-dotted" style="border-color:#e0dede;"></div></div></div></div></div></div></div>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Predigt über das Evangelium  des 4. Sonntags nach Epiphanias  Februar 2025 &#8211; Dr. Rolf Wischnath</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-ueber-das-evangelium-des-4-sonntags-nach-epiphanias-februar-2025-dr-rolf-wischnath/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Feb 2025 18:06:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Predigt über das Evangelium des 4. Sonntags nach Epiphanias Februar 2025 Über Lukas 8. 22-25 in der Klosterkirche zu Cottbus von Rolf Wischnath Predigttext: Der Sturm auf dem See Es ist in diesem Text die Rede vom „See Genezareth“: Das ist der See im Norden Israels zwischen den Golanhöhen und Galiläa gelegen. Also genau  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-5 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-4 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-4"><p style="font-weight: 400; text-align: center;">Predigt über das Evangelium<br />
des 4. Sonntags nach Epiphanias</p>
<ol style="text-align: center;" start="9">
<li style="font-weight: 400;"><strong> Februar 2025</strong></li>
</ol>
<p style="font-weight: 400; text-align: center;"><strong>Über Lukas 8. 22-25</strong></p>
<p style="font-weight: 400; text-align: center;"><strong>in der Klosterkirche zu Cottbus</strong></p>
<p style="font-weight: 400; text-align: center;">von Rolf Wischnath</p>
<p style="font-weight: 400;">Predigttext: <strong>Der Sturm auf dem See</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Es ist in diesem Text die Rede vom „See Genezareth“:</p>
<p style="font-weight: 400;">Das ist der See im Norden Israels zwischen den Golanhöhen und Galiläa gelegen. Also genau dort, wo die Schatten des schrecklichsten Krieg seine finsteren Schatten wirft.</p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Lasst uns ans andere Ufer des Sees fahren. Und sie stießen vom Land ab. 23Und als sie fuhren, schlief er ein. Und es kam ein Windwirbel über den See und die Wellen überfielen sie, und sie waren in großer Gefahr. 24Da traten sie zu ihm und weckten ihn auf und riefen: Meister, Meister, wir kommen um! Da stand er auf und bedrohte den Wind und die Wogen des Wassers, und sie legten sich und es ward eine tiefe Stille. 25Er sprach aber zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie fürchteten sich und verwunderten sich und sprachen untereinander: Wer ist dieser, dass er auch dem Wind und dem Wasser gebietet und sie sind ihm gehorsam?</em></p>
<p style="font-weight: 400;">In dieser Erzählung von der Sturmstillung schreien die Jünger im voll gelaufenen Boot aus vollem Hals: &#8222;Meister, Meister, wir kommen um!&#8220;</p>
<p style="font-weight: 400;">Es macht dieser Schrei deutlich, dass die Jünger am Ende ihrer Kräfte und Möglichkeiten sind. Der Sturm lässt keinen Ausweg offen. Die Wellen haben das Schiff schon überwältigt. Aus sich heraus können die Jünger in der Lebensgefahr des Verderbens, im Sturm der Entwurzelung und Zerstörung keinerlei Gefühle einer Hoffnung mehr bewahren und die Sprache der Hoffnung nicht mehr finden?</p>
<p style="font-weight: 400;">Und eben genau hier fährt Lukas fort mit einem Wort, das die Mitte dieser Erzählung ist: „Und Jesus stand auf“. Besser: &#8222;Da stand Er auf&#8230;..&#8220;, &#8211; da stand <strong>Er</strong> auf -, und der Evangelist verwendet dabei das Wort, das an anderer Stelle das Auferstehen Jesu von den Toten am Ostermorgen bezeichnet. Wörtlich müssten wir deswegen übersetzen: &#8222;Er aber,  ganz und gar auferstanden herrschte (bedrohte) den Wind an und die Brandung des Wassers. Und sie legten sich und es geschah eine vollkommene, tiefe Stille.</p>
<p style="font-weight: 400;">Hier nun wird deutlich, dass die Evangelisten mit der Sturmstillung eine Ostergeschichte erzählen. Es ist der Auferstandene, der zuvor „entschlafen“ war, wie es heißt. „Entschlafen“ – das kann bis heute bedeuten: “Da ist einer gestorben!“ Und <em>dieser</em> Entschlafene kommt als Auferstandener wieder. Inin seiner österlichen Ankunft bei den Untergehenden gebietet er dem Aufruhr der Zerstörung und des Todes Einhalt. Der lebendige Christus muss zu uns &#8211; den verzweifelten, nach seiner Hilfe schreiende Jüngern kommen -„Meister, Meister, wir kommen um.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Und nun wird es Ostern. Denn sein „Aufstehen“ in der Kraft der Auferstehung ist die einzige Hoffnung im Sturm. Und darum erzählen die Evangelisten diese Ostergeschichte mitten im zeitlichen Leben des Auferstandenen. Und mitten in unserem Leben und erst recht in unserem kommenden Ende, im Sturm unseres Sterbens hören wir diese Geschichte, damit wir begreifen:</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Sieger über den Tod begegnet uns nicht erst nach unserem Tod in einer künftigen Welt. Da wird er uns auch begegnen, und das wird ein noch ganz und gar anderes Ostern sein – ein Ostern zur ewigen Auferstehung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Evangelisten aber erzählen die Geschichte von der Sturmstillung im Heute, damit wir es heute begreifen: der Auferstandene kommt österlich zu uns: schon jetzt und hier im Diesseits auf dem Weg der Nachfolge über das Meer. Mitten in den heutigen Gefahren und Verzweiflungen wird es Ostern, mitten im gerade begonnenen Jahr 2025, mittendrin will er sich zeigen als der Herr, dem schon jetzt Wind und Wellen gehorchen müssen.</p>
<p style="font-weight: 400;">„Da stand er auf &#8230;.“, „da auferstand er“ heißt es. Und so ist er selber Ursprung und Auslöser alltäglicher Auferstehung von der Depression unserer Zeit und in unserem Leben. In dieser österlichen Bewegung &#8211; heute mitten im Winter &#8211; will er uns alle mitnehmen, weil das Leben auch unserer Generation gelingen soll.</p>
<p style="font-weight: 400;">Als Christinnen und Christen ist es unsere Aufgabe &#8211; nicht mehr und nicht weniger -, eine solche Auferstehung mitten im Alltag, diese alltägliche Auferstehung zu bezeugen und anderen Menschen einzuhelfen in ihren Schwung.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Glaube, nach dem der Herr uns fragt, ist der feste Halt im Sturm: die Erkenntnis darin und das Vertrauen darein, dass Jesus Christus kommt – wiederkommt-Und den Mächten der Sünde und des Todes kann er befehlen. Er kann das und er tut das, weil er in seinem Kreuz deren Macht schon gebrochen, den Stachel des Bösen und des Verderbens schon gezogen hat, so dass es auch für uns heißen mag: „&#8230; und es entstand eine vollkommene, tiefe Stille.“.</p>
<p style="font-weight: 400;">Im Glauben leben wir schon jetzt aus dieser Stille, aus diesem Frieden, den uns die Welt nicht geben kann, der aber der Welt gilt und jeden und jede von uns im letzten Grund unseres irdischen Lebens hier und jetzt umfängt. Darum kann es im 1. Johannesbrief heißen:</p>
<p style="font-weight: 400;">&#8222;Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.&#8220;</p>
<p style="font-weight: 400;">Wo ist euer Glaube?</p>
<p style="font-weight: 400;">Wo konkret ist Euer Glaube?, fragen die Großeltern im Blick auf ihre Kinder und im Blick auf ihre Schwiegerkinder und erst recht im Blick auf fünf Enkelkinder. Jene verstehen die Sprache nicht einmal mehr. Und so geht die Antwortlosigkeit oft nicht im Widerstand gegen den Glauben einher. Sondern es ist so, als sei der Glaube und die Botschaft des Evangeliums verdunstet, spurlos verdunstet. Das macht schon Sorgen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Heute ist das Problem der Kirche nicht der Widerspruch gegen ihre Botschaft. Nicht ihre Gestalt und Ordnung wird befragt. Nicht eine wie immer geartete Bedrohung steht an. Vielmehr ist es ihre Bedeutungslosigkeit. Ich möchte recht verstanden werden: Die Kirche ist nicht deshalb bedeutungslos, weil sie in ihrem Leben ganz banal geworden wäre. Sondern ihr Predigen, Bibelstunde-Haltend, ihre Aktivität, so vieles Gutes in ihr ist für so viele Menschen banal, bedeutungslos geworden. Die Verdunstung, die Verflüchtigung ist das Problem. Dieses Problem ist scharf ins Auge zu nehmen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Dass die Wahrnehmung des Glaubens in dieser Klosterkirchengemeinde hineingestellt wird in die Schärfe der heutigen Aktualitäten, dass hier die heißen Eisen angepackt werden, lässt sich sehen an den Texten und Annoncen des Kampfes gegen den Rassismus und den Rechtsextremismus im Vorraum dieser Klosterkirche. Es lässt sich wahrnehmen an der notwendigen Ergänzung des Glaubensbekenntnis. [Das werde ich künftig auch vorgeben und die Gemeinden, in denen ich predige, um das Einverständnis bitten. Insofern wird mir dieser Gottesdienst unvergesslich bleiben.] Und man kann das auch sehen und begreifen als Widerstand gegen den Krieg und die Hochrüstung, dass auf dem Altar das alte Zeichen des zu einer Pflugschar umgeschmiedete Schwert. Dies alles sind mir ein Hinweis darauf, dass in dieser Gemeinde der politische Auftrag der christlichen Gemeinde wahrgenommen wird. Und das ist alles andere als banal und bedeutungslos.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und das heißt glauben: Heute am 9. Februar 2025 nicht an den eigenen Ohnmachtsgefühlen und -einsichten verzagen. Wohl wahr: Wir leben in einer sehr schweren Zeit. Soll ich aufzählen, in welchen Ländern und Städten, in welchen Regionen die Kriege und Verbrechen, die Schicksalsschläge und Verhängnisse, die Schandtaten und Sünden zum katastrophalen Zustand geworden sind? Ich tue das jetzt nicht. Meine Worte könnten das alles nicht einholen. Und es würde uns abbringen von der großen und übermächtigen Befehlsgewalt und Herrschaft auferstandenen Jesus Christus. Ihm ist allemal mehr und alles Entscheidende zuzutrauen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das heißt glauben: Heute dennoch zuversichtlich leben, ohne auf diese oder jene Widrigkeit gebannt zu starren. Und dabei soll ich doch alles mir Mögliche tun, um meinen Teil zum Leben der von Gott so geliebten Menschen beizutragen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Das heißt glauben: Heute seinem Wort mehr vertrauen als den Stimmen um und in uns, seinem Wort auch mehr zu trauen als dies, ihm &#8211; den Auferstandenen und österlich Kommenden &#8211; auch dort am Werk sehen, wo man ihn nicht kennt oder gar leugnet, seiner Ankunft und Gegenwart gewiss bleiben, auch wenn der Kahn schwankt und das Wasser über den Rand kommt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Meine Schwestern und Brüder, wenn ich Sie so ansehe: Menschen, mit denen ich vor 25 Jahren eine Weggemeinschaft hatte und die Anderen, die ich persönlich nicht kenne, die aber jetzt mit mir unter dem Wort Gottes sind. Wir wissen wohl, was ich ja auch von mir selber weiß:</p>
<p style="font-weight: 400;">In der Mühle Ihres und meines Alltags, in welchen wir morgens die Lausitzer Rundschau oder den Berliner Tagesspiegel oder Neue Westfälische Zeitung lesen, kann es einem dabei ganz Elend werden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Aber auch in den unspektakulären Widrigkeiten, in der Abwehr der täglichen Gemeinheiten, da kann die Frage: &#8222;Wo ist euer Glaube?&#8220; ins Leere stoßen. Er ist oft einfach nicht da und zuhanden, wenn wir ihn brauchten.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich finde es von daher so tröstlich, dass Jesus uns an einer anderen Stelle des Evangeliums einen Mann zum Glaubensvorbild hinstellt, der nicht lange predigen, sondern nur noch schreien konnte: &#8222;Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!&#8220; (Mk. 9, 24). Dieser Mann schreit das übrigens im Angesicht eines Kindes, eines kleinen Menschen, dem er nicht helfen kann. Man kann wohl nicht anders glauben als in der Spannung dieses Schreies und in der Hoffnung, dass der, nach dem wir schreien, sich davon wecken lässt, uns erhört &#8211; und dass unser Glaube seinen Ursprung und Anker in ihm selber hat.</p>
<p style="font-weight: 400;">&#8222;Unser gloub&#8220; nämlich, hat der bescheidene Reformator Zwingli einmal gesagt, &#8222;unser gloub, den wir zuo gott durch Christum Jesum habend, der macht uns heyl. Ist waar. Kumpt aber nit daher, daß gloub, eigentlich von uns entsprungen, das vermoeg, sondern welcher gloubt, den hat Gott vor und ee erwellet und zogen.&#8220;</p>
<p style="font-weight: 400;">Das ist es, das ich von allen Hörerinnen und Hörern hier in der Klosterkirche weiß: Er hat Sie, liebe Schwestern und Brüder, „erwellet und zogen“ &#8211; und mich auch. Das ist Kern und Stern unserer Christenexistenz.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der lutherische Theologe Hans Joachim Iwand [* 11. Juli 1899 &#8211; + 2. Mai 1960] hat oft in den 50er Jahren als Hochschullehrer in der Universitätskirche zu Bonn gepredigt – schreibt einmal zu diesem Kern und Stern:</p>
<p style="font-weight: 400;">„In dem Anfang und in der Quelle unseres Glaubens sind wir nicht die Handelnden. Hier ist die Grenze zu allem Menschlich-Allzumenschlichen, das mit unserer immer nur bedingt zuverlässigen Persönlichkeit gegeben Ist. Diese Grenze muss gehalten, muss mit dem Einsatz der ganzen Person verteidigt werden. Der Kampf um diese Grenze ist der Kampf darum, dass die Offenbarung, das Jawort Gottes, sein Wort und die Gemeinde   S e i n  W e r k  bleibt. &#8218;Dafür halte uns Jedermann: für Christi Diener und Haushalter über Gottes   G e h e i m n i s s e ‘(l. Kor 4, 1). Von hier aus könnte alles Streiten und Rechthaben-Wollen, alles Verdächtigen und Sich-Reinwaschen wie auf ein Kommando von oben her abgeschnitten sein, es könnte um dieses längst erklungene und immer wieder aufs neue vernehmbare Ja aus einem Haufen verhetzter Menschen wieder die  G e m e i n d e  erstehen, (eine Kirche,) die dem Ja Gottes antwortet mit der einzigen Antwort, die Ihm gemäß ist, mit dem &#8218;Amen, zum Preise Gottes‘ eben dem Ja Gottes, dem kein Nein zur Seite geht,  antwortet &#8218;durch ‘Christus’ &#8230;. das Amen &#8218;durch uns&#8216; &#8230;&#8230; durch unseren Mund!“</p>
<p style="font-weight: 400;">Wie schön! Wie entlastend! Der Ewige ruft, beruft uns. Er zieht uns in den Glauben. Auch die Menschen, mit denen wir es in unserem Leben zu tun haben. Der Herr selber hat die letzte Verantwortung übernommen für Anfang, Kraft und Vollendung des Glaubens. Herrlich! Mein und dein Glaube und auch der heute noch fehlende Glaube von Kindern und Enkeln hängen nicht ab von deinem und meinem guten Willen und deiner und meiner religiösen Entscheidungskraft und meinem und deinem Durchhaltevermögen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wie gut, dass der Herr keinen überfordert, wenn er uns fragt: „Wo ist euer Glaube?“ Wie gut, dass es vor dieser Frage heißt &#8222;Da stand er auf und bedrohte den Wind an und die Wogen des Wassers, und sie legten sich, und es entstand eine vollkommene, tiefe Stille &#8230;.“</p>
<p style="font-weight: 400;">Lasst uns aus <em>dieser</em> Stille die Kraft schöpfen, die wir heute brauchen, um mit ihm im Schiff unserer Kirche unterwegs zu bleiben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Lasst uns einen Moment schweigen.</p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Ich will dich mit Fleiß bewahren</em><em>, /</em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>ich will dir leben hier, </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>dir will ich hinfahren, </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>mit dir will ich endlich schweben /</em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>voller Freud ohne Zeit / </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>dort im andern Leben. </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Johann Sebastian Bach benutzte diese letzte Strophe von Paul Gerhardts Lied „Fröhlich soll mein Herze springen“ in Teil III seines Weihnachtsoratoriums. Sie vertieft dort die vorangegangene Arie „Schließe, mein Herze, dies selige Wunder fest in deinen Glauben ein“.</em></p>
<p><em style="font-weight: 400;"> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Fürbittengebet [nach Jochen Teuffel]</strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong> </strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Du sprichst,<br />
barmherziger Gott,<br />
damit es in uns hell wird.<br />
Du sprichst,<br />
damit es in der Welt hell wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Vertreibe mit deinem hellen Schein<br />
die Finsternis des Krieges,<br />
dass es ein Ende hat<br />
mit dem Tod,<br />
mit den Vergewaltigungen,<br />
mit der Angst.<br />
Erbarme dich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Vertreibe mit deinem hellen Schein<br />
das Dunkel von Streit und Lüge,<br />
dass es ein Ende hat<br />
mit hartherzigem Beharren auf dem Eigenen,<br />
mit verächtlichen Worten über die anderen,<br />
mit unbarmherzigen Blicken auf die Schwachen.<br />
Erbarme dich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Bekehre mit deinem hellen Schein<br />
alle, die Schuld auf sich geladen haben,<br />
dass es ein Ende hat<br />
mit Verschweigen und Vertuschen,<br />
damit Bitten um Vergebung von Herzen kommen,<br />
damit die Wunden von Missbrauch heilen können.<br />
Erbarme dich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ermutige mit deinem hellen Schein alle,<br />
die im Schatten leben,<br />
damit sich die Geknickten aufrichten,<br />
die Gedemütigten wehren,<br />
die Mutlosen aufatmen.<br />
Erbarme dich.</p>
<p style="font-weight: 400;">Hülle ein in deinen hellen Schein<br />
unsere Verstorbenen.<br />
und alle, die trauern.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wenn du sprichst,<br />
barmherziger Gott,<br />
hat die Finsternis verloren.<br />
Sprich auch heute<br />
und lass es licht werden<br />
in uns,<br />
in deiner Kirche,<br />
in deiner Welt<br />
durch Jesus Christus, unseren Morgenstern.<br />
Amen.</p>
</div><div class="fusion-title title fusion-title-4 fusion-sep-none fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;--awb-link-color:var(--awb-color4);--awb-link-hover-color:var(--awb-color4);"><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2025/02/Predigt-RolfWischnath-Lukas-8-22-25-Klosterkirche-Cottbus.pdf" class="awb-custom-text-color awb-custom-text-hover-color" target="_blank"><h1><span style="color: #ff6600;">Predigttext zum Download</span></h1></a></h1></div></div></div></div></div>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Predigt &#8211; Zweiter Christtag 26. Dezember 2024 &#8211; Klosterkirche zu Cottbus</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-zweiter-christtag-26-dezember-2024-klosterkirche-zu-cottbus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jan 2025 09:36:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>- es gilt das gesprochene Wort - Predigttext: Römer 1, 1-7 Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift, von seinem Sohn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, der eingesetzt ist als  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-6 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-5 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-5"><p style="font-weight: 400; text-align: center;">&#8211; es gilt das gesprochene Wort &#8211;</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Predigttext: Römer 1, 1-7</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert zu predigen das Evangelium Gottes, das er zuvor verheißen hat durch seine Propheten in der Heiligen Schrift, von seinem Sohn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, der eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft nach dem Geist, der da heiligt, durch die Auferstehung von den Toten – Jesus Christus, unserm Herrn.  Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt, den Gehorsam des Glaubens um seines Namens willen aufzurichten unter allen Heiden, zu denen auch ihr gehört, die ihr berufen seid von Jesus Christus.</p>
<p style="font-weight: 400;">An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!</p>
<p><strong> </strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong> </strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Predigt</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.         <em>Gemeinde: Amen.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Zweiter Weihnachtstag. Es wird wieder ruhiger. Die Aufregung der Heiligen Nacht ist verrauscht, die Geschenke sind ausgepackt, die Töpfe der ersten Festessen gespült, die Essensreste verpackt. Jetzt ist die Zeit der Weihnachtsnachlese. Die noch ungeöffnete Weihnachtspost lesen. Vielleicht erfahre ich außer den üblichen Grüßen noch was Neues von Menschen, von denen ich lange nichts gehört habe. Oder gehe in die Kirche, um zu hören, was Weihnachten jenseits von Stall und Krippe ist. Oder beides: Weihnachtspost lesen und erfahren, was Weihnachten jenseits von Stall und Krippe ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Weihnachtspost in der Kirche. Ein uralter Brief von Paulus. Wie geht es dem eigentlich? Lange nichts von ihm gehört. Was schreibt er? Keine Weihnachtsgrüße, keine Weihnachtsgeschichte, nichts vom Kind, nicht mal ein Stern, aber viel von Jesus Christus.</p>
<p style="font-weight: 400;">Den Anfang des Römerbriefes am zweiten Weihnachtstag vorzulesen, ist ein bisschen so, als hätte sich da zwei, drei Tage – und nehmen wir die zur Vorweihnachtszeit gewordene Adventszeit hinzu – drei, vier Wochen lang ein Appetit angestaut, der jetzt endlich gefüttert werden will. Nach wochenlangem Süßkram endlich ein paar saure Gurken oder eine Scheibe Serrano-Schinken. Ein Überdruss an Zimt und Zucker, an Sternen und Kerzen; nein, an Stall und Krippen, Maria und Josef, Ochs und Esel nicht. Auch der Bedarf an Weihnachtsliedern ist noch nicht gedeckt. Es dürfen noch mehr sein, gern auch mit jubelnder Orgel und sattem Bläserchor. Doch bei dem einen oder der anderen ist die Sehnsucht nach Schwarzbrot und Ballaststoffen, nach Theologie und gehaltvollen Texten ganz bestimmt da. Am Heiligen Abend kam das Christkind zur Welt und am zweiten Weihnachtstag kommt eine kräftige Portion Theologie hinterher, womit nicht gesagt sein soll, dass da am Heiligabend keine Theologie im Spiel war.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Anfang des Römerbriefes. Kräftiges Zeug. Eben Schwarzbrot.</p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Paulus, Knecht des Christus Jesus, berufen zum Apostel, ausersehen, das Evangelium Gottes zu verkündigen, das er durch seine Propheten in heiligen Schriften schon seit langem verheißen hat &#8211; das Evangelium von seinem Sohn, der nach dem Fleisch aus dem Samen Davids stammt, nach dem Geist der Heiligkeit aber eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht, seit der Auferstehung von den Toten: das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn, durch den wir Gnade und Apostelamt empfangen haben, Glaubensgehorsam zu erwirken und seinen Namen zu verbreiten unter allen Völkern, zu denen auch ihr als in Jesus Christus Berufene gehört -, an alle in Rom, die von Gott geliebt und zu Heiligen berufen sind: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">***</p>
<p style="font-weight: 400;">Das ist der Anfang des Römerbriefes und wenn ihr euch jetzt eingestehen müsst, eigentlich nichts verstanden zu haben, weil alles so an euch vorbeigerauscht ist – eine Art von Jesus-Christus-Rauschen –, dann muss euch das nicht bedrücken. Es liegt am Text, nicht an euch. Es liegt an Paulus, der es so aufgeschrieben hat.<br />
Eine harte Nuss ist ihm da vor die Füße gefallen. Und heute ist sie zu uns gekullert. Nun haben wir das Problem. Lasst sie uns knacken und sehen, was drinsteckt!</p>
<p style="font-weight: 400;">Was wir gehört haben, ist ein einziger Satz. Im griechischen Original ein einziger Satz mit sage und schreibe 93 Wörtern. Der Hauptsatz steht außen rum, in der Schale und ist ganz kurz. Der Hauptsatz ist das, was eigentlich gesagt werden soll und das ist:</p>
<p style="font-weight: 400;">Paulus an alle in Rom: Herzliche Grüße,</p>
<p style="font-weight: 400;">Gnade und Friede von Gott euch allen!</p>
<p style="font-weight: 400;">Also doch ein bisschen Weihnachtspost. Ein Friedensgruß. Friede sei mit euch. Denen in Rom und denen in Israel, im Libanon, in Syrien und im Gazastreifen und denen in der Ukraine. Und denen in Magdeburg. Friede euch und aller Welt, Friede von Gott.</p>
<p style="font-weight: 400;">Aber was ist unter der Schale, worin besteht der Kern, die 71 Wörter dazwischen? Weihnachtsgrammatik. Der Kern besteht substantiell aus Jesus Christus und ganz viel Genitiv. Wenn ich richtig gezählt habe, stehen 37 von 93 Wörtern im Genitiv, das sind 40 %. So viel Genitiv, das geht nur im Griechischen. Jesus Christus kommt viermal vor, immer im Genitiv.<br />
Ihr erinnert euch: Genitiv, der zweite Fall, von lateinisch <em>genus</em> und griechisch γένος. Der Fall der Abstammung, was bei jedem von uns der Fall ist, denn von irgendjemand kommen wir alle. Wir sind die Kinder unserer Eltern. Die einen macht das stolz, den anderen ist es peinlich. Kind deiner Eltern – mit dem Genitiv der Abstammung musst du ein Leben lang auskommen. Der Genitiv bezeichnet das Herkommen, aber auch allgemein das, wovon das Nomen abhängt, ein Genitiv der Abhängigkeit. Den Genitiv der Abstammung kriegst du nicht los, aber den Genitiv der Abhängigkeit, den wollen wir loswerden. Unabhängig sein wollen wir. Frei sein, meine eigene Herrin sein. Ein Nomen sein, einen Namen haben, ein Subjekt sein ohne Genitiv. Brauch ich nicht, will ich nicht, ich bin ich und keines andern.</p>
<p><span style="font-weight: 400;"> </span></p>
<p style="font-weight: 400;">Ist Freiheit Selbstbestimmung? Macht Selbstbestimmung glücklich?</p>
<p style="font-weight: 400;">***</p>
<p style="font-weight: 400;">Früher, als es noch die durch Abstammung großen Herren gab, die Edlen und die Adligen, die Kaiser und Könige und Fürsten, da gab es viele solcher Briefe, die mit 93 oder mehr Wörtern in einem Satz anfingen. Wenn die Herren einen Brief von ihren Kanzlern schreiben ließen, dann schrieben sie „Ich, Wilhelm oder Friedrich oder Heinrich, Herr von …“ Und dann kommen die ganzen Besitztümer im Genitiv, all die Gegenden, die von ihm abhängig waren. So stellte sich ein Herr in Briefen und Urkunden vor, protzte mit seinem Besitz. Ich bin, was ich habe.<br />
So macht es auch der Paulus. Er stellt sich in seinem Schreiben den Römern vor in einem 93 Wörter langen Vorspruch mit vielen Genitiven. Macht es ebenso und macht doch das genaue Gegenteil von dem, was die Herren taten. Er sagt nicht, worüber er alles Herr sei, was alles ihm gehöre, sondern er sagt, dass er Diener, Sklave sei, nämlich Sklave von Jesus Christus. Also nicht: Ich, Wilhelm, Friedrich, Heinrich, Herr von dem und dem…, sondern Ich, Paulus, Sklave von Jesus Christus, der dies und das ist.<br />
Man kann diesen einen riesigen Satz mit dem Gruß und den vielen Genitiven im Deutschen gar nicht angemessen übersetzen. So viel Genitiv verträgt die deutsche Sprache nicht. Und wahrscheinlich verträgt auch unser Gemüt nicht so viel Abhängigkeit. Oder doch?</p>
<p style="font-weight: 400;">***</p>
<p style="font-weight: 400;">Da schreibt einer einen Brief, sagt im ersten Wort, wie er heißt – Paulus – und im zweiten Wort, dass er ein Sklave ist. Lese ich den Brief aber weiter, wundere ich mich. Es ist nicht der Brief eines Sklaven. Keine Klage über ein bedauernswertes Schicksal, keine Ängste, keine Bitte, ihm zu helfen und ihn zu befreien. Im Gegenteil. Da stellt sich einer als Sklave vor und schreibt dann sehr selbstbewusst und erstaunlich souverän. Und nicht nur dies. Der ganze Römerbrief ist ein einziger Freiheitsbrief. Er atmet Freiheit mit jedem Zug, in jedem Satz, sogar in jedem Genitiv und etwa in der Mitte des Briefes fällt dann endlich das Wort Freiheit. Paulus schreibt von der Freiheit der Kinder Gottes. Die ganze Schöpfung werde frei werden von der Sklaverei der Vergänglichkeit zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes (Röm 8,21).</p>
<p style="font-weight: 400;">Dieser Paulus ist ein Kind Gottes. Er ist ein Sklave, er ist abhängig und doch frei. Er ist so abhängig und so frei wie Kinder abhängig und doch frei sind. Es gibt offenbar eine Abhängigkeit, in der wir uns frei fühlen. Diese freimachende Abhängigkeit hat einen Namen: Liebe.</p>
<p style="font-weight: 400;">Womit wir wieder bei Weihnachten wären. Das Kind in der Krippe, der Sohn Gottes, in dem Gott in unsere Haut fährt, ist am Anfang auch ein sehr abhängiges Wesen und ein sehr geliebtes Kind. Wie – wenn die Verhältnisse gut sind – jedes Kind, das geboren wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die freimachende Abhängigkeit hat einen Namen: Liebe. Und so schreibt Paulus etwa in der Mitte des Römerbriefs:</p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Denn ich bin mir gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf vermag uns zu scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.</em> (Röm 8,38f)</p>
<p style="font-weight: 400;">Gottes Liebe macht frei. Sich von Gott geliebt wissen, macht frei von allem anderen. Nichts, gar nichts, kein Geschöpf dieser Welt, auch nicht der Tod, auch nicht das Leben hat dann noch Macht über uns.<br />
Du bist ein Kind Gottes. Du bist an Gott gebunden, bist abhängig von ihm und gerade in dieser Abhängigkeit bist du ein freier Mensch, frei von allem anderen. Denn diese Abhängigkeit ist Liebe und diese Liebe macht dich frei.<br />
Du musst dich nicht selbst bestimmen, du musst dir nicht selbst alles vergeben, du musst dich nicht selbst trösten und in den Arm nehmen, du musst dir nicht alles selbst danken, du musst dich nicht mal selbst lieben. Denn auch das kommt am Ende von Gott. Wer sich von ihm geliebt weiß, wird sich auch selbst lieben und annehmen. Liebe ist die schönste Abhängigkeit und die wahre Freiheit.</p>
<p style="font-weight: 400;">***</p>
<p style="font-weight: 400;">Also doch nicht nur Jesus-Christus-Rauschen. Die Worte des Paulus haben eine Botschaft. Gottes Liebe macht frei. Diese Botschaft ist es wert, dass wir sie im bald beginnenden Jahr als Christinnen und Christen in die Gesellschaft tragen. Gottes Liebe macht frei. Unsere Freiheit und Unabhängigkeit macht uns zu gelassenen Gesprächspartnern in Auseinandersetzungen. Zu fairem Streit sind wir in der Lage. Christinnen und Christen eignen sich als ehrliche Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer. Die Freiheit eines Christenmenschen hat schon so manchen Politiker und manche Politikerin durch das Labyrinth politischer Arbeit getragen und ihm oder ihr einen guten Kompass gegeben. Mit Zuversicht können wir daher in das bald beginnende Jahr gehen. Verinnerlichen wir die Botschaft von dem Gott, der in unserer Haut steckt seit er als Kind in der Krippe zur Welt gekommen ist, der uns zur Freiheit befreit hat durch seine Liebe. Das ist das Salz der Erde, das Licht der Welt, von dem Jesus spricht. Wir dürfen es uns selbst und den Menschen um uns herum nicht schuldig bleiben. Dazu ist die Situation in unserem Land und in der Welt zu angespannt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Zweiter Weihnachtstag. Es wird wieder ruhiger. Die Aufregung der Heiligen Nacht ist verrauscht, die Geschenke sind ausgepackt, die Töpfe gespült, die Essensreste verpackt. Jetzt ist die Zeit der Weihnachtsnachlese. Uralte Weihnachtspost. Ein Brief aus einer Zeit, als es Weihnachten noch nicht gab und Ostern wohl noch nicht gefeiert wurde und Himmelfahrt noch nicht im Kalender stand und alles doch schon da war.</p>
<p style="font-weight: 400;">Weil Jesus Christus schon da war, der seiner irdischen Herkunft nach von David abstammt, was wir zu Weihnachten feiern, der von den Toten auferstanden ist, was wir zu Ostern bejubeln, und der von Gott zum Sohn eingesetzt wurde und bei Gott im Himmel ist. Alles hineingepackt in einen einzigen langen Satz, in dem Paulus zuerst Paulus sagt und dann gleich Jesus Christus und ganz wenig über sich sagt und ganz viel über diesen. So machen es die Liebenden. Sie schwärmen vom anderen und wenn sie griechisch schwärmen, schwärmen sie im Genitiv.<br />
Ein bisschen schwärmen darf man am zweiten Weihnachtstag. Kräftig darf der Rausch der Heiligen Nacht noch weiterrauschen. So ein schöner Weihnachtsbrief. Und so viel Liebe zum Genitiv und Liebe im Genitiv, Liebe im zweiten Fall.</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Weihnacht zweiter Tag und zweiter Fall. <em>Fall in love.</em> Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus aus Liebe zu uns, ein ganzes Menschenleben, damit du erlebst, was Liebe ist, wie Liebe ist und wer Liebe ist. Du wirst frei sein und glücklich, du geliebtes Kind Gottes.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens zu denken wagen, der wird unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus. <em>        </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>                                                                       Gemeinde: </em>Amen<em>.</em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Diese Predigt verdanke ich im wesentlichen Dr. Jürgen Kaiser. </em></p>
</div><div class="fusion-title title fusion-title-5 fusion-sep-none fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;"><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><h3 style="text-align: center;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2025/01/Predigt-Zweiter-Christtag-26-12-2024-Klosterkirche-Cottbus.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff6600;">Text zum Download</span></a></h3></h1></div></div></div></div></div>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Predigt &#8211; Christnacht 24. Dezember 2024 – 23.00 Uhr Klosterkirche zu Cottbus</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-christnacht-24-dezember-2024-23-00-uhr-klosterkirche-zu-cottbus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jan 2025 09:16:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://klosterkirchengemeinde.de/?p=14121</guid>

					<description><![CDATA[<p>- es gilt das gesprochene Wort – Predigttext: 1. Timotheus 3, 16 Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. Predigt Liebe Nacht-Gemeinde hier in der Klosterkirche! Diese Nacht ist  [...]</p>
<p>The post <a href="https://klosterkirchengemeinde.de/predigt-christnacht-24-dezember-2024-23-00-uhr-klosterkirche-zu-cottbus/">Predigt &#8211; Christnacht 24. Dezember 2024 – 23.00 Uhr Klosterkirche zu Cottbus</a> appeared first on <a href="https://klosterkirchengemeinde.de">Klosterkirchengemeinde Cottbus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-7 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-6 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-6"><p style="font-weight: 400; text-align: center;">&#8211; es gilt das gesprochene Wort –</p>
<p>Predigttext: 1. Timotheus 3, 16</p>
<p style="font-weight: 400;">Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.</p>
<p>Predigt</p>
<p style="font-weight: 400;">Liebe Nacht-Gemeinde hier in der Klosterkirche!</p>
<p style="font-weight: 400;">Diese Nacht ist eine ganz besondere Nacht. Und wir, die wir hier versammelt sind, sind eine besondere Gemeinde. So kommen wir das ganze Jahr über nicht wieder zusammen. Viele von uns haben Wurzeln in dieser immer wiederkehrenden Nacht. Irgendwann einmal sind wir nicht mehr oder nicht nur zum Krippenspiel gegangen. Irgendwann war dem einen oder der anderen von uns dieser Nachtgottesdienst wichtiger als eine Christvesper. Oder vielleicht war es überhaupt der erste Gottesdienst, den wir jemals betreten haben, weil uns eine Ahnung herführte von dem, was in dieser Nacht geschehen ist. Wir kommen zu dem Kind in der Krippe, wir kommen in die Atmosphäre dieser Kirche. Die Geborgenheit und die Vertrautheit dieser Kirche und dieser Nacht treffen unsere eigene Sehnsucht nach Geborgenheit. Manche kommen nur einmal im Jahr hierher, leben längst ganz woanders, treffen in diesen Tagen und vielleicht auch in diesem Gottesdienst alte Freunde, Familienangehörige, Menschen, mit denen sie das ganze Jahr über nur durch Telefonate, Emails oder SMS verbunden sind. Uns verbindet das Bedürfnis, nach dem Trubel und der Hektik, die bis in diesen Tag hineinreichten, uns fallen zu lassen in das Geschehen dieser Nacht. Wir möchten singen und uns singen hören. Allein und doch in einer großen Gemeinschaft. In dieser Nacht haben wir Wurzeln, die uns tragen und halten, nicht nur heute. Es gehört zur Eigenart von Wurzeln, dass ihr größter Teil für uns unsichtbar bleibt und wir nicht einmal genau sagen können, wie sie verlaufen und woher sie ihre Nahrung beziehen, obwohl sie uns halten und nähren. Einem Baum geht es am besten, wenn seine Wurzeln im Verborgenen bleiben können, nicht freigelegt werden. Und so wollen wir auch heute in dieser Nacht nicht freilegen, was uns denn genau und warum hierher führt. Das Vertraute begegnet uns. Mehr muss nicht sein. Was gehört dazu? Die Weihnachtsgeschichte. Fast hat sie eine Melodie, so vertraut ist sie. Und die Melodien des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach schleichen sich für manchen beim Hören der Worte aus dem Lukasevangelium schon von ganz allein mit hinein. Die Lieder. Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben. O Bethlehem, du kleine Stadt. Die wunderbar verhaltenen und dann auch jubelnden Melodien. Die alte Holzkrippe schließlich mit der brennenden Kerze. Vieles ist so offensichtlich. Es ist schön, Wurzeln zu haben. Es ist schön, dass einfach da ist in dieser Nacht, was wir suchen. Jetzt müssen wir nichts mehr tun, keine Erwartungen mehr erfüllen, nur einfach da sein in der Gegenwart Gottes. Vertrauen und Geborgenheit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Was ist aber, wenn die Botschaft dieser Nacht auch über den kommenden Tag hinaus halten soll? Kann sie das? Viele Menschen, vielleicht auch gar nicht so wenige unter uns in dieser Kirche, kommen das ganze Jahr über auch ganz gut ohne Kirche aus. Viele von uns fragen sich vielleicht, ob diese Erde in Wirklichkeit nicht doch eine Gegend ohne Gott ist. Das Sprechen von Gott, das Singen, das Beten zu Gott scheint schwieriger geworden zu sein in diesem zu Ende gehenden Jahr 2024. Die schrecklichen Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und an so vielen Orten dieser Welt; der Klimawandel, dem wir immer noch nicht angemessen begegnen, weil wir uns immer noch als Herren der Schöpfung aufspielen und nicht verinnerlichen, dass wir Teil dieses ganzen komplizierten und wunderbaren Systems sind und nun auch noch Magdeburg. Gott wird ganz leise Mensch. Gott wird ganz leise Mensch, wenn Menschen zu Menschen werden. Gott wird ganz leise Mensch, wenn Menschen trotz so viel Tod und Hass und Verletzung – wie in Magdeburg geschehen &#8211; den Willen zum Frieden und zur Verständigung festhalten. Menschen stehen zusammen in ihrer Trauer und lassen sich nicht zum Hass verführen. So wird Gott Mensch.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ja, wir könnten aus der Haut fahren. Wir könnten jeglichen Glauben an Gott und an eine Hoffnung auf Frieden verlieren. Oder: Wir können glauben: Gegen die Erfahrung der Abwesenheit oder der Fremdheit Gottes setzt Weihnachten eine klare Botschaft. Ein wehrloses kleines Kind kommt in einer Notunterkunft zur Welt. Und in diesem Kind kommt Gott zur Welt. Gott spricht zu mir: In deiner Haut möchte ich stecken. Ich will dir nahe sein – so nahe, wie eine Haut, die dich umgibt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wenn also gefragt wird: Wo steckt Gott heute in unserer Welt mit all ihren Problemen und Krisen, mit ihrem Unfrieden, aber auch mit ihren schnellen Entwicklungen und großen Möglichkeiten des Menschen, dann lautet unsere Antwort als Christinnen und Christen: Gott, der Unnahbare und Unbegreifliche, ist Mensch geworden. Der Mensch ist das Einfallstor Gottes in unsere Welt. Er ist nicht länger ein Gott oben überm Sternenzelt. Er ist ein Gott unten, inmitten von uns Menschen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Damals waren es die Hirten, die diese Botschaft zuerst hörten. Menschen mit wenig Perspektive und Achtung, arm. Sie hatten kaum Wahlmöglichkeiten in ihrem Leben. Zu ihnen hat Gott in dieser Nacht gesagt: In deiner Haut möchte ich stecken, du Hirte Ruben. Du bist es wert. Weil ich dich liebe, bin ich Mensch geworden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Heute ist es vielleicht Ines aus ihrer Marktbude in Magdeburg, die bis Freitag ihrer harten, kalten Arbeit nachgegangen ist und sich auf Weihnachten gefreut hat mit der Familie und vor allem im Warmen. Seit Freitag gehen ihr die Bilder nicht aus dem Kopf von schreienden und flüchtenden Menschen, die Bilder von Tod und Verletzung. Zu ihr sagt Gott in dieser Nacht. In deiner Haut möchte ich stecken, Ines. Du bist es wert. Weil ich dich liebe, bin ich Mensch geworden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Heute ist es vielleicht Bernhard, der kurz vor Weihnachten eine schlimme Diagnose bekommen hat. Vielleicht wird es sein letztes Weihnachtsfest sein. Alle können es noch nicht begreifen. Er auch nicht. Zu ihm sagt Gott in dieser Nacht. In deiner Haut möchte ich stecken, Bernhard. Du bist es wert. Weil ich dich liebe, bin ich Mensch geworden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Aber Gott kam ja in dieser Nacht nicht nur zu den Armen, den Verzweifelten. Ja, er kam in einem Stall zur Welt, unter ärmlichen Verhältnissen. Aber neben den Hirten standen die Sterndeuter oder die Könige mit ihren wertvollen Geschenken. Sie haben die Botschaft auch gehört und auch für sie war sie bestimmt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und so sagt Gott heute auch zu Marvin und Anna, die sich vor zwei Wochen kennengelernt haben und gar nicht verstehen, warum sie Weihnachten nicht zusammen verbringen können – zu diesem frisch verliebten Paar. In deiner Haut möchte ich stecken, Marvin, und in deiner, Anna. Ihr seid es wert. Weil ich euch liebe, bin ich Mensch geworden.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Botschaft von Weihnachten ist eine gute Botschaft. Sie geht ins Herz. Sie erreicht viele von uns in dieser Nacht. Ob sie über den kommenden Tag hinaus halten wird? Wir haben es nicht in der Hand. Im 1. Timotheusbrief heißt es: Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens. Und dann heißt es weiter von dem Kind in der Krippe:</p>
<p style="font-weight: 400;">Er ist offenbart im Fleisch,</p>
<p style="font-weight: 400;">gerechtfertigt im Geist,</p>
<p style="font-weight: 400;">erschienen den Engeln,</p>
<p style="font-weight: 400;">gepredigt den Heiden,</p>
<p style="font-weight: 400;">geglaubt in der Welt,</p>
<p style="font-weight: 400;">aufgenommen in die Herrlichkeit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ein Geheimnis können wir nicht intellektuell ergründen, wir können nicht erzwingen, dass wir daran glauben. Wir können es nur staunend hören und unser Herz dafür öffnen. Wir können uns dem Geheimnis nur nähern, indem wir zur Krippe kommen und können Augen und Herzen offen halten. Gott steckt in deiner Haut. Das ist gewiss. Ob du es spüren, ob du damit leben kannst, ob es dein Leben verändert, ob es dir selbst gelingt, wie Gott Mensch zu werden – das wird die Zukunft zeigen. Eine große Hoffnung ist mit dieser Nacht in die Welt gekommen. Lasst uns von ihr singen mit den leisen und jubelnden Worten und Tönen des englischen Weihnachtsliedes „O Bethlehem, du kleine Stadt“.</p>
<p style="font-weight: 400;">Vielleicht gehört die Botschaft von Weihnachten ja längst zu deinen Wurzeln, gehört zu dir und du weißt es nur manchmal. Und dann auch wieder nicht. Gott steckt in deiner Haut. Das gehört zu dir.                                     Amen.</p>
</div><div class="fusion-text fusion-text-7"><h3 style="text-align: center;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2025/01/Predigt-Christnacht-24-12-2024-Klosterkirche-Cottbus.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff6600;">Text zum Download</span></a></h3>
</div></div></div></div></div>
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		<title>Christvesper &#8211; 24. Dezember 2024 &#8211; Klosterkirche zu Cottbus</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/christvesper-24-dezember-2024-klosterkirche-zu-cottbus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jan 2025 09:07:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>- es gilt das gesprochene Wort - Predigttext: Jesaja 9, 1-6 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte,  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-8 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-7 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-8"><p style="font-weight: 400; text-align: center;">&#8211; es gilt das gesprochene Wort &#8211;</p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Predigttext</strong>: Jesaja 9, 1-6</p>
<p style="font-weight: 400;">Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst, auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er´s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.</p>
<p style="font-weight: 400;">Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong> </strong></p>
<p style="font-weight: 400;"><strong>Predigt</strong></p>
<p style="font-weight: 400;">Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.                           <em>Gemeinde: Amen.</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Im Jahr 1804 bleiben Schnee und Frost bis in den März. Es ist ein kalter Winter, der viele Menschenleben fordert. Auch am 12. Februar ist es kalt. In einer Königsberger Wohnung liegt Immanuel Kant in seinem Bett und wartet auf den Tod. Zeitlebens hat der Philosoph sich gefragt, was man glauben darf. Was man hoffen kann.<br />
In seinen letzten Stunden ist ein Pfarrer bei ihm und als der Philosoph nach einem Glas Wasser verlangt, nimmt er dieses mit den Worten „Es ist gut.“ Es sind die letzten Worte des großen Denkers.<br />
Ob er damit das Wasser meint, eine Zusammenfassung seines Lebens formuliert oder einfach den Moment des nahen Sterbens beschreibt, bleibt offen.</p>
<p style="font-weight: 400;">300 Jahre nach der Geburt des Königsbergers fragt sich die Welt immer noch: Was darf ich hoffen? Was ist realistisch? Was hätte Immanuel Kant zu unserer Zeit gesagt? Ein „Es ist gut“ kommt mir angesichts des dunklen Jahres nicht über die Lippen. Zu viele Rück- und Tiefschläge hat die Welt einstecken müssen. Es ist gut denke ich nicht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Doch gute Hoffnungen gibt es trotzdem viele. Eine Frau, die das erlebt hat, feiern wir heute. Maria, eine einfache Frau aus einem unterjochten Volk, hat nicht aufgegeben. Hat den Kopf nicht in den Sand gesteckt. Ist nicht auf halber Strecke umgedreht. Sie hat die unglaubliche Botschaft des Engels staunend und glaubend angenommen mit allen Folgen für ihr Leben. Sie hat Jesus, dem Sohn Gottes, das Leben geschenkt und ist ihm eine gute Mutter gewesen mit Josef, der zu ihr gestanden hat.</p>
<p style="font-weight: 400;">Im Krippenspiel heute konnten wir eindrücklich miterleben, wie Josef sich durchgerungen hat, mit Maria die Aufgabe anzunehmen. Dem Messias gute Eltern zu sein – was für eine Aufgabe.</p>
<p style="font-weight: 400;">Was darf die Welt hoffen? Was darf ich hoffen?</p>
<p style="font-weight: 400;">Auf Frieden möchte ich hoffen. Auf die Überwindung des Aggressors, auf Frieden. Und ich hoffe gleich mit, dass Syrien nicht im Chaos versinkt. Dass sich die Inflation in Luft auflöst und es wieder als normal gilt, dass Menschen eine bezahlbare Wohnung finden. Ich wünsche mir, dass Demonstrationen nicht zum Hass aufrufen und Frieden herrscht unter allen Völkern. Ich wünsche mir, dass das Friedenslicht im nächsten Jahr wieder direkt aus Bethlehem kommen kann, und dass Bethlehem dann ein Ort mit einer großen Friedenshoffnung ist.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich hoffe, dass die Menschen in Magdeburg es schaffen, weiterhin zueinander zu stehen, dass sie Trauernde und Verletzte trösten, einander Halt geben und ihre Herzen als einen Ort des Friedens bewahren &#8211; dass sie dem Hass keinen Raum geben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Zuversicht ist nicht klein zu kriegen, immer und immer wieder glimmt die kleine Flamme auf.</p>
<p style="font-weight: 400;">Gott hat einst extra das Licht angemacht. Bei einem jungen Paar auf der Flucht in einem Stall. Damit es in die traurigsten Ecken scheint, zu ärmsten Tagelöhnern, Angsthasen und Verstreuten. Gott macht heute extra das Licht an und Kant, der große Philosoph, sagt: Die Hoffnung ist nicht dumm oder naiv.</p>
<p style="font-weight: 400;">Über das Wetter im Jahr 733 v. Chr. wissen wir wenig, aber schon damals redet ein Mensch ein bisschen wie Kant über die Hoffnung. Verbreitet wahnwitzig Zuversicht. Sagt seinem Volk, was man hoffen darf. Was realistisch ist. Gut ist es nämlich auch damals nicht.<br />
Jesaja heißt der Prophet. Wir sind ihm schon am ersten Advent hier in der Klosterkirche begegnet und er spart nicht mit großen Worten. Wir haben sie vorhin als Weissagung gehört. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. …“ Jesaja hat Mut gemacht. Er hat gesagt, was er gesehen hat.</p>
<p style="font-weight: 400;">Gott wird extra ein Licht anmachen, für euch, die ihr jetzt traurig seid. In die dunkelsten, in die traurigsten Ecken soll es leuchten. Licht. Hoffnung. Kleine Flamme Zuversicht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Gut ist es auch damals nicht. Aber Jesaja prophezeit, dass der Schrei eines Neugeborenen die leidende Welt erlösen wird. Dass das Grau in Grau verschwindet. Dass wieder geerntet und geteilt wird. Dass alles Militärische den Flammen übergeben wird. Dass die Welt sich erneuern wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Jesajas Worte tun gut – auch in dieser Zeit. Darum, sagt er, richtet euch nicht ein im Dunklen. Nehmt den Ernst der Lage wahr, aber ergebt ihm euch nicht. Ein Kind wird die Welt retten. Die Welt erscheint dunkel und verbraucht. Wohl wahr, ein tödlicher Egoismus hat sich in ihr breit gemacht, der die guten Strukturen bedroht, unser Auf-guten-Wegen-unterwegs-Sein lähmt. Die Demokratie ist gefährdet, Falschmeldungen machen die Runde und an zu vielen Ecken auf der Welt regieren das Gewehr und die Gewalt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Wüste wächst und das Licht der Hoffnung scheint spärlicher. Natürlich wählt Jesaja damals große Worte für eine Welt, die sich verlassen wähnt. Es ist dem Propheten hoch anzurechnen, dass er trotzdem ein Hoffnungsbild malt. Nicht als Placebo, nicht als Vertröstung. Der Trost, den Jesaja verheißt, ist konkret. Durchdringend und laut. Und die großen Worte des Jesaja sind real. Denn er verkündigt, was er gesehen hat. Seinen Traum verschweigt er den Menschen nicht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Gott wird ein Licht anmachen, sagt er. Glaubt es mir.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Hirten dann haben es erlebt.<br />
Die Nacht ist klar und kalt. Die Szenerie ist nüchtern. Aber plötzlich ist da ein Licht über den Feldern von Bethlehem.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und immer dann, wenn ein Kind zur Welt kommt, kommt eine Erinnerung an dieses eine Kind in die Welt, von dem Jesaja gesprochen hat.</p>
<p style="font-weight: 400;">Immer dann, wenn ein Kind zur Welt kommt, kommt eine Erinnerung an dieses eine Kind in die Welt, das im Stall von Bethlehem das Licht der Welt erblickt und das Licht der Welt wird.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ein Kind wird geboren. Gott hat die Welt nicht aufgegeben. Ein Kind wird geboren und mit ihm kommen Hoffnung auf Wärme und Frieden und Neubeginn in die Welt.</p>
<p style="font-weight: 400;">300 Jahre nach der Geburt des Königsberger Philosophen Immanuel Kant und fast dreitausend Jahre nach dem Propheten Jesaja fragt die Welt immer noch: Was darf ich hoffen? Was ist realistisch?<br />
Irgendwo schreit ein Kind und zerreißt die Starre. Dieses Kind ist das Licht, das in der Dunkelheit stört. „Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt.“, sagt Martin Luther. Das ist kein Zweckoptimismus, da öffnet sich eine Tür. Ich glaube, dass diese Welt und alles, was in ihr ist, eine offene Tür verdient hat, einen Lichtstrahl, der zu uns reinfällt.</p>
<p style="font-weight: 400;">Wer diesem Kind begegnet, schaut Gott ins Herz. Und wer einmal Gott ins Herz geschaut hat, weiß, woher er kommt, wohin er geht, und warum er eine Fröhlich­keit in sich trägt, über die er sich manchmal selbst wundert.<br />
Jedes Jahr geraten wir um die Weihnachtszeit in „andere Umstände“. Das ist für mich die Erinnerung daran, dass der Mensch über das Hungern und Dürsten und Arbeiten und Rechnen und Planen, über das Gewinnen und Verlieren hinaus eine Geschichte hat, die sich auf Frieden reimt, die nach Liebe riecht und der Zärtlichkeit weiten Raum schenkt.<a href="applewebdata://EF52E714-8056-40A4-BE81-749E1DDB5BAB#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></p>
<p style="font-weight: 400;">Gott hat diese Welt nicht aufgegeben. Und das feiern wir heute.  Mit Weihnachtsliedern und mit der Weihnachtsgeschichte, mit Lichtern an den Christbäumen und in den Fenstern.<br />
Und wenn wir in diesem Jahr für nichts davon Kraft hatten, dann mit etwas Weihnachtslicht auf dem Gesicht.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ja, Existenzangst liegt bei vielen Menschen mit unterm Baum. Doch Gott hat ein Licht angemacht. Er sagt: Das muss nicht so bleiben. Und wir können uns das gegenseitig auch sagen. Können es den anderen Prophezeiungen entgegensetzen. Weil es etwas ausmacht, auf welche Seite wir uns konzentrieren: Die des Lichts oder die der Schatten.</p>
<p style="font-weight: 400;"><em>(Kleine Pause)</em></p>
<p style="font-weight: 400;">Da ist die Sorge darum, wie es weitergeht. Wird es Frieden geben? Was wird aus den USA kommen? Die Tafeln haben nicht genug Lebensmittel, um alle versorgen zu können. Die Verschnaufpausen für uns, für die Welt werden weniger und kürzer.</p>
<p style="font-weight: 400;">Ich weiß, die Weisen aus dem Morgenland gehen auf Umwegen zurück (wegen der Gefahr). Die Engel singen woanders und die Hirten gehen wieder an ihre harte Arbeit.<br />
Wunderbarer Rat; Gott, ein Held; Ewiger Vater; Friedensfürst.<br />
Das ist keine Utopie. Der Frieden hat einen Namen. Und das Leben hat eine Weite. Und die Liebe hat einen Ort. Und die Zärtlichkeit hat einen Grund und Heiligabend hat einen Anlass und deine Geschenke haben ein Motiv und deine Hoffnung ist nicht für die Katz.<a href="applewebdata://EF52E714-8056-40A4-BE81-749E1DDB5BAB#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a></p>
<p style="font-weight: 400;"><span style="text-decoration: line-through;"> </span></p>
<p style="font-weight: 400;">Was darf ich hoffen? Was ist realistisch?</p>
<p style="font-weight: 400;">Der Heilige Abend, die Weihnachtszeit, die alten Raunächte sind die Zeit der Wunder und Wünsche. Und mein Wunschzettel sieht so aus: Ich wünsche mir mehr Rücksicht. Mehr Nachdenken. Mehr Bereitschaft zuzuhören.<br />
Möglicherweise ist das naiv und unrealistisch. Von einem „es ist gut“ bin ich weit entfernt, aber ich glaube „Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist.“ Amen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens zu denken wagen, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. <em>   Gemeinde: </em>Amen<em>.</em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em> </em></p>
<p style="font-weight: 400;"><em>Diese Predigt verdanke ich zu Teilen Pfarrer Frank Nico Jaeger (evangelisch.de) und dem Austausch mit Marie-Luise Gürtler.</em></p>
<p><a href="applewebdata://EF52E714-8056-40A4-BE81-749E1DDB5BAB#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Abschnitt von Gerhard Engelsberger, Kurzpredigt Weihnachten, Pastoralblätter Dezember 2024</p>
<p><a href="applewebdata://EF52E714-8056-40A4-BE81-749E1DDB5BAB#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Ebd.</p>
</div><div class="fusion-title title fusion-title-6 fusion-sep-none fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;"><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><h3 class="fusion-responsive-typography-calculated" style="text-align: center;" data-fontsize="34" data-lineheight="51px"><span style="color: #ff6600;"><a style="color: #ff6600;" href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2025/01/Predigt-Christvesper-24-12-2024-Klosterkirche-Cottbus.pdf" target="_blank" rel="noopener">Text zum Download</a></span></h3></h1></div></div></div></div></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Gottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis in der Klosterkirche zu Cottbus &#8211;  28. Juli 2024</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/gottesdienst-am-9-sonntag-nach-trinitatis-in-der-klosterkirche-zu-cottbus-28-juli-2024/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jul 2024 16:13:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://klosterkirchengemeinde.de/?p=13243</guid>

					<description><![CDATA[<p>Predigttext_______________________________ Matthäus 13, 44-46 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und da er eine kostbare Perle fand, ging er  [...]</p>
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<p>Matthäus 13, 44-46</p>
<p>Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch</p>
<p>fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er</p>
<p>hat, und kauft den Acker.</p>
<p>Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,</p>
<p>und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er</p>
<p>hatte, und kaufte sie.</p>
<p>Predigt___________________________________</p>
<p>Vor vielen Jahren habe ich mal am Strand der Nordsee einen ungewöhnlichen</p>
<p>Stein gefunden. Nichts Besonderes. Dieser Stein hat mich nur durch seine</p>
<p>Ähnlichkeit mit einem halben Mischbrot sofort angesprochen. Er ist schwer.</p>
<p>Ich habe ihn mitgenommen und nehme ihn gern mal in die Hand. Auch das</p>
<p>eine oder andere Gespräch mit Konfirmandinnen und Konfirmanden habe ich</p>
<p>schon mit ihm begonnen. Dieser Fund war ein überraschender Fund.</p>
<p>Eigentlich habe ich nichts gesucht. Oft lasse ich Steine, die ich finde und die</p>
<p>mir gefallen, dann doch schließlich am Strand liegen, weil ich weiß: Zu Hause</p>
<p>werde ich sie nie wieder ansehen. Aber dieser Stein, dieser überraschende</p>
<p>Fund, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Und ein anderer Mensch würde</p>
<p>ihn vermutlich gar nicht beachten. Für ihn oder sie wäre er nichts wert.</p>
<p>Als Evangelium und Predigttext haben wir heute den Text vom Schatz im</p>
<p>Acker und von der kostbaren Perle gehört. Jesus vergleicht das Himmelreich</p>
<p>mit diesen beiden Funden. Der eine Schatz wird so überraschend gefunden</p>
<p>2</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>wie mein Stein. Der Mann sucht nichts. Er bearbeitet einfach seinen Acker</p>
<p>und dann das. Vermutlich hat er einen Tontopf mit wertvollen Münzen</p>
<p>gefunden. Wertvolle Dinge wurden schon immer vergraben, um sie zu</p>
<p>verstecken oder sie vor dem Zugriff anderer Menschen zu schützen.</p>
<p>Ganz anders ist es mit der zweiten Geschichte. Der Kaufmann ist wohl einer,</p>
<p>der von Berufs wegen oder aus Passion nach wertvollen Perlen sucht, mit</p>
<p>langem Atem und viel Expertise. Und dann findet er sie – die kostbare Perle.</p>
<p>Was die beiden mit ihren durchaus vernünftigen Handlungen dann in Gang</p>
<p>setzen, ist sehr pragmatisch und wir wissen nicht, mit welchem Ziel sie das</p>
<p>tun. Der eine vergräbt den Schatz wieder und erwirbt legal den Acker. So</p>
<p>kann er mit Fug und Recht über diesen Schatz verfügen. Denn er hat ihn ja in</p>
<p>seinem Acker nicht gefunden, aber immerhin ausgegraben. Der andere</p>
<p>verkauft alles, um die kostbare Perle zu bekommen. Vielleicht mit dem Kalkül,</p>
<p>sie noch teurer zu verkaufen.</p>
<p>Das alles liegt im Dunkeln.</p>
<p>Im Frühjahr war unser Gemeindekirchenrat zu einer Rüstzeit in Kryzowa, in</p>
<p>Kreisau, in Polen. Auf der Suche nach einem interessanten Stopp am Sonntag</p>
<p>zwischen Gottesdienst und Rückfahrt haben wir eine kleine Stadt besucht,</p>
<p>auf die mich Wolfgang Iskraut, ein Kollege, hingewiesen hatte. Das war auf</p>
<p>der einen Seite fast so eine überraschende Schatz-Findung wie in der</p>
<p>biblischen Geschichte heute. Zum anderen erfuhren wir aber auch von einem</p>
<p>Mann, der sich um die Syngaoge in diesem Ort kümmert. Raphael Blau lebt</p>
<p>teils in Israel, teils in Dzierzoniów, dieser kleinen Stadt in Polen. Dieser Ort</p>
<p>hatte nach dem Krieg in einem Jahr drei Namen: Reichenbach / Rychbach /</p>
<p>Dzierzoniów. Kurz nach dem Holocaust wurde die selbstverwaltete „jüdische</p>
<p>Republik“ Rychbach gegründet. Sie existierte für vier Jahre. 1946 lebten in</p>
<p>diesem Ort 18.000 jüdische Menschen. Vor dem Krieg gab es eine jüdische</p>
<p>Gemeinde mit 70 Mitgliedern. Erzählen will ich aber von Raphael Blau, der</p>
<p>diese unzerstörte Synagoge irgendwann kaufte und nach und nach</p>
<p>3</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>restauriert. Er folgt damit offensichtlich einer großen Sehnsucht, möchte</p>
<p>diesen Ort erhalten und zugänglich machen. Aber er ist auch ein</p>
<p>Schatzsucher. Raphael Blau stöbert gern auf Flohmärkten. Was er an</p>
<p>interessanten Dingen und Schätzen findet, kann man im Erdgeschoss der</p>
<p>Synagoge bewundern. Eines fehlte der Synagoge noch. In dem</p>
<p>Gottesdienstraum in der ersten Etage konnte man klar erkennen, wo einmal</p>
<p>der Thoraschrein gewesen war, der Ort, an dem die Schriftrollen für den</p>
<p>gottesdienstlichen Gebrauch aufbewahrt wurden. Und dann fand Raphael</p>
<p>Blau in einem Antiquitätengeschäft einen Thoraschrein und war sofort</p>
<p>entschlossen, ihn für „seine“ Synagoge zu erwerben. Aber der Eigentümer</p>
<p>des Geschäfts sagte, der sei unverkäuflich. Man kann sich die Enttäuschung</p>
<p>vorstellen. Endlich war das, was der Synagoge fehlte, zum Greifen nahe und</p>
<p>dann diese Antwort. Es wird erzählt, dass Raphael Blau ungehalten war und</p>
<p>den Inhaber des Geschäfts zur Rede stellte. Der Grund war klar. Der</p>
<p>Geschäftsmann sagte: „Diesen Thoraschrein verkaufe ich nur an jemanden,</p>
<p>der eine Synagoge hat.“ Und Raphael Blau wird wohl sehr schnell</p>
<p>geantwortet haben: „Kein Problem, habe ich.“ Jedenfalls steht der</p>
<p>Thoraschrein heute in der Synagoge von Dzierzoniów.1</p>
<p>Diese Geschichte ist fast schon bibelwürdig. Natürlich ist sie nicht aus der</p>
<p>Bibel. Aber mit Tewje dem Milchmann aus dem Roman von Scholem</p>
<p>Alejchem könnte man sagen: Aber sie könnte drin stehen.</p>
<p>Jesus vergleicht die beiden Schätze mit dem Himmelreich. Eigentlich geht es</p>
<p>gar nicht um die Schätze, sondern es geht um das Himmelreich, das nicht</p>
<p>irgendwo in der Zukunft liegt, sondern unter uns schon da ist, schon beginnt,</p>
<p>immer mal aufblitzt. Aber richtig da ist es noch nicht.</p>
<p>1 Der Passus zur Synagoge in Dzierzoniów und zum Engagement von Raphael Blau bin ich</p>
<p>auf meine Erinnerung an die Führung in der Synagoge und auf Recherchen im Internet</p>
<p>angewiesen. Ungenauigkeit bitte ich – vor allem gegenüber Raphael Blau – zu</p>
<p>entschuldigen.</p>
<p>4</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>Und das Himmelreich finden, entdecken Menschen eben auf ganz</p>
<p>verschiedene Weise. Eher zufällig wie ich meinen Stein an der Nordsee oder</p>
<p>unser Gemeindekirchenrat das kleine Städtchen Dzierzoniów. Oder nach</p>
<p>langer Suche, von Sehnsucht geleitet, von Begeisterung getrieben, wie</p>
<p>Raphael Blau den Thoraschrein.</p>
<p>Das Himmelreich können alle Menschen finden. Arme und Reiche, Menschen,</p>
<p>die Gott noch nie bewusst begegnet sind und die, die schon lange in ihrem</p>
<p>Leben an ihn glauben und mit ihm leben.</p>
<p>Und das Himmelreich ist etwas Nicht-Alltägliches, obwohl es in unseren Alltag</p>
<p>einbricht, in ihm gefunden werden kann. Es ist unendlich wertvoll wie Schatz</p>
<p>und Perle und es übt eine Anziehungskraft auf Menschen aus.</p>
<p>An dieser Stelle habe ich nach weiteren Geschichten gesucht, in denen das</p>
<p>Reich Gottes, das Himmelreich in unserem Alltag aufblitzt. Aber ich will sie</p>
<p>lieber ermutigen, nach solchen Zipfeln des Himmelreichs in ihrem Leben zu</p>
<p>suchen, sie einander zu erzählen. Ich erzähle also hier jetzt keine.</p>
<p>Schließen will ich mit einem kurzen Abschnitt aus dem „kritischen</p>
<p>Katechismus“ von Gerd Theißen.2 Auf die Frage: Was ist Glaube an Gott?,</p>
<p>antwortet er:</p>
<p>Glaube/ vertraut nicht auf die Welt,/ wie sie ist,/ sondern wie sie durch Gottes</p>
<p>Willen/ sein könnte./ Glaube/ vertraut nicht darauf,/ dass alles von selbst gut</p>
<p>wird,/ sondern dass wir Gutes tun können/ auch gegen den Widerstand/ in</p>
<p>uns/ und in der Welt.</p>
<p>Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens</p>
<p>zu denken wagen, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.</p>
<p>Gemeinde: Amen.</p>
<p>2 Gerd Theißen, Glaubenssätze. Ein kritischer Katechismus, München ³2013, S. 15, zitiert nach</p>
<p>Predigtstudien2023/2024, Perikopenreihe VI, Zweiter Halbband, S. 118</p>
<p>1</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>Gottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis in der Klosterkirche zu</p>
<p>Cottbus</p>
<p>28. Juli 2024</p>
<p>Predigttext_______________________________</p>
<p>Matthäus 13, 44-46</p>
<p>Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch</p>
<p>fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er</p>
<p>hat, und kauft den Acker.</p>
<p>Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,</p>
<p>und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er</p>
<p>hatte, und kaufte sie.</p>
<p>Predigt___________________________________</p>
<p>Vor vielen Jahren habe ich mal am Strand der Nordsee einen ungewöhnlichen</p>
<p>Stein gefunden. Nichts Besonderes. Dieser Stein hat mich nur durch seine</p>
<p>Ähnlichkeit mit einem halben Mischbrot sofort angesprochen. Er ist schwer.</p>
<p>Ich habe ihn mitgenommen und nehme ihn gern mal in die Hand. Auch das</p>
<p>eine oder andere Gespräch mit Konfirmandinnen und Konfirmanden habe ich</p>
<p>schon mit ihm begonnen. Dieser Fund war ein überraschender Fund.</p>
<p>Eigentlich habe ich nichts gesucht. Oft lasse ich Steine, die ich finde und die</p>
<p>mir gefallen, dann doch schließlich am Strand liegen, weil ich weiß: Zu Hause</p>
<p>werde ich sie nie wieder ansehen. Aber dieser Stein, dieser überraschende</p>
<p>Fund, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Und ein anderer Mensch würde</p>
<p>ihn vermutlich gar nicht beachten. Für ihn oder sie wäre er nichts wert.</p>
<p>Als Evangelium und Predigttext haben wir heute den Text vom Schatz im</p>
<p>Acker und von der kostbaren Perle gehört. Jesus vergleicht das Himmelreich</p>
<p>mit diesen beiden Funden. Der eine Schatz wird so überraschend gefunden</p>
<p>2</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>wie mein Stein. Der Mann sucht nichts. Er bearbeitet einfach seinen Acker</p>
<p>und dann das. Vermutlich hat er einen Tontopf mit wertvollen Münzen</p>
<p>gefunden. Wertvolle Dinge wurden schon immer vergraben, um sie zu</p>
<p>verstecken oder sie vor dem Zugriff anderer Menschen zu schützen.</p>
<p>Ganz anders ist es mit der zweiten Geschichte. Der Kaufmann ist wohl einer,</p>
<p>der von Berufs wegen oder aus Passion nach wertvollen Perlen sucht, mit</p>
<p>langem Atem und viel Expertise. Und dann findet er sie – die kostbare Perle.</p>
<p>Was die beiden mit ihren durchaus vernünftigen Handlungen dann in Gang</p>
<p>setzen, ist sehr pragmatisch und wir wissen nicht, mit welchem Ziel sie das</p>
<p>tun. Der eine vergräbt den Schatz wieder und erwirbt legal den Acker. So</p>
<p>kann er mit Fug und Recht über diesen Schatz verfügen. Denn er hat ihn ja in</p>
<p>seinem Acker nicht gefunden, aber immerhin ausgegraben. Der andere</p>
<p>verkauft alles, um die kostbare Perle zu bekommen. Vielleicht mit dem Kalkül,</p>
<p>sie noch teurer zu verkaufen.</p>
<p>Das alles liegt im Dunkeln.</p>
<p>Im Frühjahr war unser Gemeindekirchenrat zu einer Rüstzeit in Kryzowa, in</p>
<p>Kreisau, in Polen. Auf der Suche nach einem interessanten Stopp am Sonntag</p>
<p>zwischen Gottesdienst und Rückfahrt haben wir eine kleine Stadt besucht,</p>
<p>auf die mich Wolfgang Iskraut, ein Kollege, hingewiesen hatte. Das war auf</p>
<p>der einen Seite fast so eine überraschende Schatz-Findung wie in der</p>
<p>biblischen Geschichte heute. Zum anderen erfuhren wir aber auch von einem</p>
<p>Mann, der sich um die Syngaoge in diesem Ort kümmert. Raphael Blau lebt</p>
<p>teils in Israel, teils in Dzierzoniów, dieser kleinen Stadt in Polen. Dieser Ort</p>
<p>hatte nach dem Krieg in einem Jahr drei Namen: Reichenbach / Rychbach /</p>
<p>Dzierzoniów. Kurz nach dem Holocaust wurde die selbstverwaltete „jüdische</p>
<p>Republik“ Rychbach gegründet. Sie existierte für vier Jahre. 1946 lebten in</p>
<p>diesem Ort 18.000 jüdische Menschen. Vor dem Krieg gab es eine jüdische</p>
<p>Gemeinde mit 70 Mitgliedern. Erzählen will ich aber von Raphael Blau, der</p>
<p>diese unzerstörte Synagoge irgendwann kaufte und nach und nach</p>
<p>3</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>restauriert. Er folgt damit offensichtlich einer großen Sehnsucht, möchte</p>
<p>diesen Ort erhalten und zugänglich machen. Aber er ist auch ein</p>
<p>Schatzsucher. Raphael Blau stöbert gern auf Flohmärkten. Was er an</p>
<p>interessanten Dingen und Schätzen findet, kann man im Erdgeschoss der</p>
<p>Synagoge bewundern. Eines fehlte der Synagoge noch. In dem</p>
<p>Gottesdienstraum in der ersten Etage konnte man klar erkennen, wo einmal</p>
<p>der Thoraschrein gewesen war, der Ort, an dem die Schriftrollen für den</p>
<p>gottesdienstlichen Gebrauch aufbewahrt wurden. Und dann fand Raphael</p>
<p>Blau in einem Antiquitätengeschäft einen Thoraschrein und war sofort</p>
<p>entschlossen, ihn für „seine“ Synagoge zu erwerben. Aber der Eigentümer</p>
<p>des Geschäfts sagte, der sei unverkäuflich. Man kann sich die Enttäuschung</p>
<p>vorstellen. Endlich war das, was der Synagoge fehlte, zum Greifen nahe und</p>
<p>dann diese Antwort. Es wird erzählt, dass Raphael Blau ungehalten war und</p>
<p>den Inhaber des Geschäfts zur Rede stellte. Der Grund war klar. Der</p>
<p>Geschäftsmann sagte: „Diesen Thoraschrein verkaufe ich nur an jemanden,</p>
<p>der eine Synagoge hat.“ Und Raphael Blau wird wohl sehr schnell</p>
<p>geantwortet haben: „Kein Problem, habe ich.“ Jedenfalls steht der</p>
<p>Thoraschrein heute in der Synagoge von Dzierzoniów.1</p>
<p>Diese Geschichte ist fast schon bibelwürdig. Natürlich ist sie nicht aus der</p>
<p>Bibel. Aber mit Tewje dem Milchmann aus dem Roman von Scholem</p>
<p>Alejchem könnte man sagen: Aber sie könnte drin stehen.</p>
<p>Jesus vergleicht die beiden Schätze mit dem Himmelreich. Eigentlich geht es</p>
<p>gar nicht um die Schätze, sondern es geht um das Himmelreich, das nicht</p>
<p>irgendwo in der Zukunft liegt, sondern unter uns schon da ist, schon beginnt,</p>
<p>immer mal aufblitzt. Aber richtig da ist es noch nicht.</p>
<p>1 Der Passus zur Synagoge in Dzierzoniów und zum Engagement von Raphael Blau bin ich</p>
<p>auf meine Erinnerung an die Führung in der Synagoge und auf Recherchen im Internet</p>
<p>angewiesen. Ungenauigkeit bitte ich – vor allem gegenüber Raphael Blau – zu</p>
<p>entschuldigen.</p>
<p>4</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>Und das Himmelreich finden, entdecken Menschen eben auf ganz</p>
<p>verschiedene Weise. Eher zufällig wie ich meinen Stein an der Nordsee oder</p>
<p>unser Gemeindekirchenrat das kleine Städtchen Dzierzoniów. Oder nach</p>
<p>langer Suche, von Sehnsucht geleitet, von Begeisterung getrieben, wie</p>
<p>Raphael Blau den Thoraschrein.</p>
<p>Das Himmelreich können alle Menschen finden. Arme und Reiche, Menschen,</p>
<p>die Gott noch nie bewusst begegnet sind und die, die schon lange in ihrem</p>
<p>Leben an ihn glauben und mit ihm leben.</p>
<p>Und das Himmelreich ist etwas Nicht-Alltägliches, obwohl es in unseren Alltag</p>
<p>einbricht, in ihm gefunden werden kann. Es ist unendlich wertvoll wie Schatz</p>
<p>und Perle und es übt eine Anziehungskraft auf Menschen aus.</p>
<p>An dieser Stelle habe ich nach weiteren Geschichten gesucht, in denen das</p>
<p>Reich Gottes, das Himmelreich in unserem Alltag aufblitzt. Aber ich will sie</p>
<p>lieber ermutigen, nach solchen Zipfeln des Himmelreichs in ihrem Leben zu</p>
<p>suchen, sie einander zu erzählen. Ich erzähle also hier jetzt keine.</p>
<p>Schließen will ich mit einem kurzen Abschnitt aus dem „kritischen</p>
<p>Katechismus“ von Gerd Theißen.2 Auf die Frage: Was ist Glaube an Gott?,</p>
<p>antwortet er:</p>
<p>Glaube/ vertraut nicht auf die Welt,/ wie sie ist,/ sondern wie sie durch Gottes</p>
<p>Willen/ sein könnte./ Glaube/ vertraut nicht darauf,/ dass alles von selbst gut</p>
<p>wird,/ sondern dass wir Gutes tun können/ auch gegen den Widerstand/ in</p>
<p>uns/ und in der Welt.</p>
<p>Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens</p>
<p>zu denken wagen, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.</p>
<p>Gemeinde: Amen.</p>
<p>2 Gerd Theißen, Glaubenssätze. Ein kritischer Katechismus, München ³2013, S. 15, zitiert nach</p>
<p>Predigtstudien2023/2024, Perikopenreihe VI, Zweiter Halbband, S. 118</p>
<p>1</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>Gottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis in der Klosterkirche zu</p>
<p>Cottbus</p>
<p>28. Juli 2024</p>
<p>Predigttext_______________________________</p>
<p>Matthäus 13, 44-46</p>
<p>Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch</p>
<p>fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er</p>
<p>hat, und kauft den Acker.</p>
<p>Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,</p>
<p>und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er</p>
<p>hatte, und kaufte sie.</p>
<p>Predigt___________________________________</p>
<p>Vor vielen Jahren habe ich mal am Strand der Nordsee einen ungewöhnlichen</p>
<p>Stein gefunden. Nichts Besonderes. Dieser Stein hat mich nur durch seine</p>
<p>Ähnlichkeit mit einem halben Mischbrot sofort angesprochen. Er ist schwer.</p>
<p>Ich habe ihn mitgenommen und nehme ihn gern mal in die Hand. Auch das</p>
<p>eine oder andere Gespräch mit Konfirmandinnen und Konfirmanden habe ich</p>
<p>schon mit ihm begonnen. Dieser Fund war ein überraschender Fund.</p>
<p>Eigentlich habe ich nichts gesucht. Oft lasse ich Steine, die ich finde und die</p>
<p>mir gefallen, dann doch schließlich am Strand liegen, weil ich weiß: Zu Hause</p>
<p>werde ich sie nie wieder ansehen. Aber dieser Stein, dieser überraschende</p>
<p>Fund, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Und ein anderer Mensch würde</p>
<p>ihn vermutlich gar nicht beachten. Für ihn oder sie wäre er nichts wert.</p>
<p>Als Evangelium und Predigttext haben wir heute den Text vom Schatz im</p>
<p>Acker und von der kostbaren Perle gehört. Jesus vergleicht das Himmelreich</p>
<p>mit diesen beiden Funden. Der eine Schatz wird so überraschend gefunden</p>
<p>2</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>wie mein Stein. Der Mann sucht nichts. Er bearbeitet einfach seinen Acker</p>
<p>und dann das. Vermutlich hat er einen Tontopf mit wertvollen Münzen</p>
<p>gefunden. Wertvolle Dinge wurden schon immer vergraben, um sie zu</p>
<p>verstecken oder sie vor dem Zugriff anderer Menschen zu schützen.</p>
<p>Ganz anders ist es mit der zweiten Geschichte. Der Kaufmann ist wohl einer,</p>
<p>der von Berufs wegen oder aus Passion nach wertvollen Perlen sucht, mit</p>
<p>langem Atem und viel Expertise. Und dann findet er sie – die kostbare Perle.</p>
<p>Was die beiden mit ihren durchaus vernünftigen Handlungen dann in Gang</p>
<p>setzen, ist sehr pragmatisch und wir wissen nicht, mit welchem Ziel sie das</p>
<p>tun. Der eine vergräbt den Schatz wieder und erwirbt legal den Acker. So</p>
<p>kann er mit Fug und Recht über diesen Schatz verfügen. Denn er hat ihn ja in</p>
<p>seinem Acker nicht gefunden, aber immerhin ausgegraben. Der andere</p>
<p>verkauft alles, um die kostbare Perle zu bekommen. Vielleicht mit dem Kalkül,</p>
<p>sie noch teurer zu verkaufen.</p>
<p>Das alles liegt im Dunkeln.</p>
<p>Im Frühjahr war unser Gemeindekirchenrat zu einer Rüstzeit in Kryzowa, in</p>
<p>Kreisau, in Polen. Auf der Suche nach einem interessanten Stopp am Sonntag</p>
<p>zwischen Gottesdienst und Rückfahrt haben wir eine kleine Stadt besucht,</p>
<p>auf die mich Wolfgang Iskraut, ein Kollege, hingewiesen hatte. Das war auf</p>
<p>der einen Seite fast so eine überraschende Schatz-Findung wie in der</p>
<p>biblischen Geschichte heute. Zum anderen erfuhren wir aber auch von einem</p>
<p>Mann, der sich um die Syngaoge in diesem Ort kümmert. Raphael Blau lebt</p>
<p>teils in Israel, teils in Dzierzoniów, dieser kleinen Stadt in Polen. Dieser Ort</p>
<p>hatte nach dem Krieg in einem Jahr drei Namen: Reichenbach / Rychbach /</p>
<p>Dzierzoniów. Kurz nach dem Holocaust wurde die selbstverwaltete „jüdische</p>
<p>Republik“ Rychbach gegründet. Sie existierte für vier Jahre. 1946 lebten in</p>
<p>diesem Ort 18.000 jüdische Menschen. Vor dem Krieg gab es eine jüdische</p>
<p>Gemeinde mit 70 Mitgliedern. Erzählen will ich aber von Raphael Blau, der</p>
<p>diese unzerstörte Synagoge irgendwann kaufte und nach und nach</p>
<p>3</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>restauriert. Er folgt damit offensichtlich einer großen Sehnsucht, möchte</p>
<p>diesen Ort erhalten und zugänglich machen. Aber er ist auch ein</p>
<p>Schatzsucher. Raphael Blau stöbert gern auf Flohmärkten. Was er an</p>
<p>interessanten Dingen und Schätzen findet, kann man im Erdgeschoss der</p>
<p>Synagoge bewundern. Eines fehlte der Synagoge noch. In dem</p>
<p>Gottesdienstraum in der ersten Etage konnte man klar erkennen, wo einmal</p>
<p>der Thoraschrein gewesen war, der Ort, an dem die Schriftrollen für den</p>
<p>gottesdienstlichen Gebrauch aufbewahrt wurden. Und dann fand Raphael</p>
<p>Blau in einem Antiquitätengeschäft einen Thoraschrein und war sofort</p>
<p>entschlossen, ihn für „seine“ Synagoge zu erwerben. Aber der Eigentümer</p>
<p>des Geschäfts sagte, der sei unverkäuflich. Man kann sich die Enttäuschung</p>
<p>vorstellen. Endlich war das, was der Synagoge fehlte, zum Greifen nahe und</p>
<p>dann diese Antwort. Es wird erzählt, dass Raphael Blau ungehalten war und</p>
<p>den Inhaber des Geschäfts zur Rede stellte. Der Grund war klar. Der</p>
<p>Geschäftsmann sagte: „Diesen Thoraschrein verkaufe ich nur an jemanden,</p>
<p>der eine Synagoge hat.“ Und Raphael Blau wird wohl sehr schnell</p>
<p>geantwortet haben: „Kein Problem, habe ich.“ Jedenfalls steht der</p>
<p>Thoraschrein heute in der Synagoge von Dzierzoniów.1</p>
<p>Diese Geschichte ist fast schon bibelwürdig. Natürlich ist sie nicht aus der</p>
<p>Bibel. Aber mit Tewje dem Milchmann aus dem Roman von Scholem</p>
<p>Alejchem könnte man sagen: Aber sie könnte drin stehen.</p>
<p>Jesus vergleicht die beiden Schätze mit dem Himmelreich. Eigentlich geht es</p>
<p>gar nicht um die Schätze, sondern es geht um das Himmelreich, das nicht</p>
<p>irgendwo in der Zukunft liegt, sondern unter uns schon da ist, schon beginnt,</p>
<p>immer mal aufblitzt. Aber richtig da ist es noch nicht.</p>
<p>1 Der Passus zur Synagoge in Dzierzoniów und zum Engagement von Raphael Blau bin ich</p>
<p>auf meine Erinnerung an die Führung in der Synagoge und auf Recherchen im Internet</p>
<p>angewiesen. Ungenauigkeit bitte ich – vor allem gegenüber Raphael Blau – zu</p>
<p>entschuldigen.</p>
<p>4</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>Und das Himmelreich finden, entdecken Menschen eben auf ganz</p>
<p>verschiedene Weise. Eher zufällig wie ich meinen Stein an der Nordsee oder</p>
<p>unser Gemeindekirchenrat das kleine Städtchen Dzierzoniów. Oder nach</p>
<p>langer Suche, von Sehnsucht geleitet, von Begeisterung getrieben, wie</p>
<p>Raphael Blau den Thoraschrein.</p>
<p>Das Himmelreich können alle Menschen finden. Arme und Reiche, Menschen,</p>
<p>die Gott noch nie bewusst begegnet sind und die, die schon lange in ihrem</p>
<p>Leben an ihn glauben und mit ihm leben.</p>
<p>Und das Himmelreich ist etwas Nicht-Alltägliches, obwohl es in unseren Alltag</p>
<p>einbricht, in ihm gefunden werden kann. Es ist unendlich wertvoll wie Schatz</p>
<p>und Perle und es übt eine Anziehungskraft auf Menschen aus.</p>
<p>An dieser Stelle habe ich nach weiteren Geschichten gesucht, in denen das</p>
<p>Reich Gottes, das Himmelreich in unserem Alltag aufblitzt. Aber ich will sie</p>
<p>lieber ermutigen, nach solchen Zipfeln des Himmelreichs in ihrem Leben zu</p>
<p>suchen, sie einander zu erzählen. Ich erzähle also hier jetzt keine.</p>
<p>Schließen will ich mit einem kurzen Abschnitt aus dem „kritischen</p>
<p>Katechismus“ von Gerd Theißen.2 Auf die Frage: Was ist Glaube an Gott?,</p>
<p>antwortet er:</p>
<p>Glaube/ vertraut nicht auf die Welt,/ wie sie ist,/ sondern wie sie durch Gottes</p>
<p>Willen/ sein könnte./ Glaube/ vertraut nicht darauf,/ dass alles von selbst gut</p>
<p>wird,/ sondern dass wir Gutes tun können/ auch gegen den Widerstand/ in</p>
<p>uns/ und in der Welt.</p>
<p>Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens</p>
<p>zu denken wagen, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.</p>
<p>Gemeinde: Amen.</p>
<p>2 Gerd Theißen, Glaubenssätze. Ein kritischer Katechismus, München ³2013, S. 15, zitiert nach</p>
<p>Predigtstudien2023/2024, Perikopenreihe VI, Zweiter Halbband, S. 118</p>
<p>1</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>Gottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis in der Klosterkirche zu</p>
<p>Cottbus</p>
<p>28. Juli 2024</p>
<p>Predigttext_______________________________</p>
<p>Matthäus 13, 44-46</p>
<p>Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch</p>
<p>fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er</p>
<p>hat, und kauft den Acker.</p>
<p>Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,</p>
<p>und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er</p>
<p>hatte, und kaufte sie.</p>
<p>Predigt___________________________________</p>
<p>Vor vielen Jahren habe ich mal am Strand der Nordsee einen ungewöhnlichen</p>
<p>Stein gefunden. Nichts Besonderes. Dieser Stein hat mich nur durch seine</p>
<p>Ähnlichkeit mit einem halben Mischbrot sofort angesprochen. Er ist schwer.</p>
<p>Ich habe ihn mitgenommen und nehme ihn gern mal in die Hand. Auch das</p>
<p>eine oder andere Gespräch mit Konfirmandinnen und Konfirmanden habe ich</p>
<p>schon mit ihm begonnen. Dieser Fund war ein überraschender Fund.</p>
<p>Eigentlich habe ich nichts gesucht. Oft lasse ich Steine, die ich finde und die</p>
<p>mir gefallen, dann doch schließlich am Strand liegen, weil ich weiß: Zu Hause</p>
<p>werde ich sie nie wieder ansehen. Aber dieser Stein, dieser überraschende</p>
<p>Fund, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Und ein anderer Mensch würde</p>
<p>ihn vermutlich gar nicht beachten. Für ihn oder sie wäre er nichts wert.</p>
<p>Als Evangelium und Predigttext haben wir heute den Text vom Schatz im</p>
<p>Acker und von der kostbaren Perle gehört. Jesus vergleicht das Himmelreich</p>
<p>mit diesen beiden Funden. Der eine Schatz wird so überraschend gefunden</p>
<p>2</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>wie mein Stein. Der Mann sucht nichts. Er bearbeitet einfach seinen Acker</p>
<p>und dann das. Vermutlich hat er einen Tontopf mit wertvollen Münzen</p>
<p>gefunden. Wertvolle Dinge wurden schon immer vergraben, um sie zu</p>
<p>verstecken oder sie vor dem Zugriff anderer Menschen zu schützen.</p>
<p>Ganz anders ist es mit der zweiten Geschichte. Der Kaufmann ist wohl einer,</p>
<p>der von Berufs wegen oder aus Passion nach wertvollen Perlen sucht, mit</p>
<p>langem Atem und viel Expertise. Und dann findet er sie – die kostbare Perle.</p>
<p>Was die beiden mit ihren durchaus vernünftigen Handlungen dann in Gang</p>
<p>setzen, ist sehr pragmatisch und wir wissen nicht, mit welchem Ziel sie das</p>
<p>tun. Der eine vergräbt den Schatz wieder und erwirbt legal den Acker. So</p>
<p>kann er mit Fug und Recht über diesen Schatz verfügen. Denn er hat ihn ja in</p>
<p>seinem Acker nicht gefunden, aber immerhin ausgegraben. Der andere</p>
<p>verkauft alles, um die kostbare Perle zu bekommen. Vielleicht mit dem Kalkül,</p>
<p>sie noch teurer zu verkaufen.</p>
<p>Das alles liegt im Dunkeln.</p>
<p>Im Frühjahr war unser Gemeindekirchenrat zu einer Rüstzeit in Kryzowa, in</p>
<p>Kreisau, in Polen. Auf der Suche nach einem interessanten Stopp am Sonntag</p>
<p>zwischen Gottesdienst und Rückfahrt haben wir eine kleine Stadt besucht,</p>
<p>auf die mich Wolfgang Iskraut, ein Kollege, hingewiesen hatte. Das war auf</p>
<p>der einen Seite fast so eine überraschende Schatz-Findung wie in der</p>
<p>biblischen Geschichte heute. Zum anderen erfuhren wir aber auch von einem</p>
<p>Mann, der sich um die Syngaoge in diesem Ort kümmert. Raphael Blau lebt</p>
<p>teils in Israel, teils in Dzierzoniów, dieser kleinen Stadt in Polen. Dieser Ort</p>
<p>hatte nach dem Krieg in einem Jahr drei Namen: Reichenbach / Rychbach /</p>
<p>Dzierzoniów. Kurz nach dem Holocaust wurde die selbstverwaltete „jüdische</p>
<p>Republik“ Rychbach gegründet. Sie existierte für vier Jahre. 1946 lebten in</p>
<p>diesem Ort 18.000 jüdische Menschen. Vor dem Krieg gab es eine jüdische</p>
<p>Gemeinde mit 70 Mitgliedern. Erzählen will ich aber von Raphael Blau, der</p>
<p>diese unzerstörte Synagoge irgendwann kaufte und nach und nach</p>
<p>3</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>restauriert. Er folgt damit offensichtlich einer großen Sehnsucht, möchte</p>
<p>diesen Ort erhalten und zugänglich machen. Aber er ist auch ein</p>
<p>Schatzsucher. Raphael Blau stöbert gern auf Flohmärkten. Was er an</p>
<p>interessanten Dingen und Schätzen findet, kann man im Erdgeschoss der</p>
<p>Synagoge bewundern. Eines fehlte der Synagoge noch. In dem</p>
<p>Gottesdienstraum in der ersten Etage konnte man klar erkennen, wo einmal</p>
<p>der Thoraschrein gewesen war, der Ort, an dem die Schriftrollen für den</p>
<p>gottesdienstlichen Gebrauch aufbewahrt wurden. Und dann fand Raphael</p>
<p>Blau in einem Antiquitätengeschäft einen Thoraschrein und war sofort</p>
<p>entschlossen, ihn für „seine“ Synagoge zu erwerben. Aber der Eigentümer</p>
<p>des Geschäfts sagte, der sei unverkäuflich. Man kann sich die Enttäuschung</p>
<p>vorstellen. Endlich war das, was der Synagoge fehlte, zum Greifen nahe und</p>
<p>dann diese Antwort. Es wird erzählt, dass Raphael Blau ungehalten war und</p>
<p>den Inhaber des Geschäfts zur Rede stellte. Der Grund war klar. Der</p>
<p>Geschäftsmann sagte: „Diesen Thoraschrein verkaufe ich nur an jemanden,</p>
<p>der eine Synagoge hat.“ Und Raphael Blau wird wohl sehr schnell</p>
<p>geantwortet haben: „Kein Problem, habe ich.“ Jedenfalls steht der</p>
<p>Thoraschrein heute in der Synagoge von Dzierzoniów.1</p>
<p>Diese Geschichte ist fast schon bibelwürdig. Natürlich ist sie nicht aus der</p>
<p>Bibel. Aber mit Tewje dem Milchmann aus dem Roman von Scholem</p>
<p>Alejchem könnte man sagen: Aber sie könnte drin stehen.</p>
<p>Jesus vergleicht die beiden Schätze mit dem Himmelreich. Eigentlich geht es</p>
<p>gar nicht um die Schätze, sondern es geht um das Himmelreich, das nicht</p>
<p>irgendwo in der Zukunft liegt, sondern unter uns schon da ist, schon beginnt,</p>
<p>immer mal aufblitzt. Aber richtig da ist es noch nicht.</p>
<p>1 Der Passus zur Synagoge in Dzierzoniów und zum Engagement von Raphael Blau bin ich</p>
<p>auf meine Erinnerung an die Führung in der Synagoge und auf Recherchen im Internet</p>
<p>angewiesen. Ungenauigkeit bitte ich – vor allem gegenüber Raphael Blau – zu</p>
<p>entschuldigen.</p>
<p>4</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>Und das Himmelreich finden, entdecken Menschen eben auf ganz</p>
<p>verschiedene Weise. Eher zufällig wie ich meinen Stein an der Nordsee oder</p>
<p>unser Gemeindekirchenrat das kleine Städtchen Dzierzoniów. Oder nach</p>
<p>langer Suche, von Sehnsucht geleitet, von Begeisterung getrieben, wie</p>
<p>Raphael Blau den Thoraschrein.</p>
<p>Das Himmelreich können alle Menschen finden. Arme und Reiche, Menschen,</p>
<p>die Gott noch nie bewusst begegnet sind und die, die schon lange in ihrem</p>
<p>Leben an ihn glauben und mit ihm leben.</p>
<p>Und das Himmelreich ist etwas Nicht-Alltägliches, obwohl es in unseren Alltag</p>
<p>einbricht, in ihm gefunden werden kann. Es ist unendlich wertvoll wie Schatz</p>
<p>und Perle und es übt eine Anziehungskraft auf Menschen aus.</p>
<p>An dieser Stelle habe ich nach weiteren Geschichten gesucht, in denen das</p>
<p>Reich Gottes, das Himmelreich in unserem Alltag aufblitzt. Aber ich will sie</p>
<p>lieber ermutigen, nach solchen Zipfeln des Himmelreichs in ihrem Leben zu</p>
<p>suchen, sie einander zu erzählen. Ich erzähle also hier jetzt keine.</p>
<p>Schließen will ich mit einem kurzen Abschnitt aus dem „kritischen</p>
<p>Katechismus“ von Gerd Theißen.2 Auf die Frage: Was ist Glaube an Gott?,</p>
<p>antwortet er:</p>
<p>Glaube/ vertraut nicht auf die Welt,/ wie sie ist,/ sondern wie sie durch Gottes</p>
<p>Willen/ sein könnte./ Glaube/ vertraut nicht darauf,/ dass alles von selbst gut</p>
<p>wird,/ sondern dass wir Gutes tun können/ auch gegen den Widerstand/ in</p>
<p>uns/ und in der Welt.</p>
<p>Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens</p>
<p>zu denken wagen, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.</p>
<p>Gemeinde: Amen.</p>
<p>2 Gerd Theißen, Glaubenssätze. Ein kritischer Katechismus, München ³2013, S. 15, zitiert nach</p>
<p>Predigtstudien2023/2024, Perikopenreihe VI, Zweiter Halbband, S. 118</p>
<p>1</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>Gottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis in der Klosterkirche zu</p>
<p>Cottbus</p>
<p>28. Juli 2024</p>
<p>Predigttext_______________________________</p>
<p>Matthäus 13, 44-46</p>
<p>Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch</p>
<p>fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er</p>
<p>hat, und kauft den Acker.</p>
<p>Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,</p>
<p>und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er</p>
<p>hatte, und kaufte sie.</p>
<p>Predigt___________________________________</p>
<p>Vor vielen Jahren habe ich mal am Strand der Nordsee einen ungewöhnlichen</p>
<p>Stein gefunden. Nichts Besonderes. Dieser Stein hat mich nur durch seine</p>
<p>Ähnlichkeit mit einem halben Mischbrot sofort angesprochen. Er ist schwer.</p>
<p>Ich habe ihn mitgenommen und nehme ihn gern mal in die Hand. Auch das</p>
<p>eine oder andere Gespräch mit Konfirmandinnen und Konfirmanden habe ich</p>
<p>schon mit ihm begonnen. Dieser Fund war ein überraschender Fund.</p>
<p>Eigentlich habe ich nichts gesucht. Oft lasse ich Steine, die ich finde und die</p>
<p>mir gefallen, dann doch schließlich am Strand liegen, weil ich weiß: Zu Hause</p>
<p>werde ich sie nie wieder ansehen. Aber dieser Stein, dieser überraschende</p>
<p>Fund, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Und ein anderer Mensch würde</p>
<p>ihn vermutlich gar nicht beachten. Für ihn oder sie wäre er nichts wert.</p>
<p>Als Evangelium und Predigttext haben wir heute den Text vom Schatz im</p>
<p>Acker und von der kostbaren Perle gehört. Jesus vergleicht das Himmelreich</p>
<p>mit diesen beiden Funden. Der eine Schatz wird so überraschend gefunden</p>
<p>2</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>wie mein Stein. Der Mann sucht nichts. Er bearbeitet einfach seinen Acker</p>
<p>und dann das. Vermutlich hat er einen Tontopf mit wertvollen Münzen</p>
<p>gefunden. Wertvolle Dinge wurden schon immer vergraben, um sie zu</p>
<p>verstecken oder sie vor dem Zugriff anderer Menschen zu schützen.</p>
<p>Ganz anders ist es mit der zweiten Geschichte. Der Kaufmann ist wohl einer,</p>
<p>der von Berufs wegen oder aus Passion nach wertvollen Perlen sucht, mit</p>
<p>langem Atem und viel Expertise. Und dann findet er sie – die kostbare Perle.</p>
<p>Was die beiden mit ihren durchaus vernünftigen Handlungen dann in Gang</p>
<p>setzen, ist sehr pragmatisch und wir wissen nicht, mit welchem Ziel sie das</p>
<p>tun. Der eine vergräbt den Schatz wieder und erwirbt legal den Acker. So</p>
<p>kann er mit Fug und Recht über diesen Schatz verfügen. Denn er hat ihn ja in</p>
<p>seinem Acker nicht gefunden, aber immerhin ausgegraben. Der andere</p>
<p>verkauft alles, um die kostbare Perle zu bekommen. Vielleicht mit dem Kalkül,</p>
<p>sie noch teurer zu verkaufen.</p>
<p>Das alles liegt im Dunkeln.</p>
<p>Im Frühjahr war unser Gemeindekirchenrat zu einer Rüstzeit in Kryzowa, in</p>
<p>Kreisau, in Polen. Auf der Suche nach einem interessanten Stopp am Sonntag</p>
<p>zwischen Gottesdienst und Rückfahrt haben wir eine kleine Stadt besucht,</p>
<p>auf die mich Wolfgang Iskraut, ein Kollege, hingewiesen hatte. Das war auf</p>
<p>der einen Seite fast so eine überraschende Schatz-Findung wie in der</p>
<p>biblischen Geschichte heute. Zum anderen erfuhren wir aber auch von einem</p>
<p>Mann, der sich um die Syngaoge in diesem Ort kümmert. Raphael Blau lebt</p>
<p>teils in Israel, teils in Dzierzoniów, dieser kleinen Stadt in Polen. Dieser Ort</p>
<p>hatte nach dem Krieg in einem Jahr drei Namen: Reichenbach / Rychbach /</p>
<p>Dzierzoniów. Kurz nach dem Holocaust wurde die selbstverwaltete „jüdische</p>
<p>Republik“ Rychbach gegründet. Sie existierte für vier Jahre. 1946 lebten in</p>
<p>diesem Ort 18.000 jüdische Menschen. Vor dem Krieg gab es eine jüdische</p>
<p>Gemeinde mit 70 Mitgliedern. Erzählen will ich aber von Raphael Blau, der</p>
<p>diese unzerstörte Synagoge irgendwann kaufte und nach und nach</p>
<p>3</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>restauriert. Er folgt damit offensichtlich einer großen Sehnsucht, möchte</p>
<p>diesen Ort erhalten und zugänglich machen. Aber er ist auch ein</p>
<p>Schatzsucher. Raphael Blau stöbert gern auf Flohmärkten. Was er an</p>
<p>interessanten Dingen und Schätzen findet, kann man im Erdgeschoss der</p>
<p>Synagoge bewundern. Eines fehlte der Synagoge noch. In dem</p>
<p>Gottesdienstraum in der ersten Etage konnte man klar erkennen, wo einmal</p>
<p>der Thoraschrein gewesen war, der Ort, an dem die Schriftrollen für den</p>
<p>gottesdienstlichen Gebrauch aufbewahrt wurden. Und dann fand Raphael</p>
<p>Blau in einem Antiquitätengeschäft einen Thoraschrein und war sofort</p>
<p>entschlossen, ihn für „seine“ Synagoge zu erwerben. Aber der Eigentümer</p>
<p>des Geschäfts sagte, der sei unverkäuflich. Man kann sich die Enttäuschung</p>
<p>vorstellen. Endlich war das, was der Synagoge fehlte, zum Greifen nahe und</p>
<p>dann diese Antwort. Es wird erzählt, dass Raphael Blau ungehalten war und</p>
<p>den Inhaber des Geschäfts zur Rede stellte. Der Grund war klar. Der</p>
<p>Geschäftsmann sagte: „Diesen Thoraschrein verkaufe ich nur an jemanden,</p>
<p>der eine Synagoge hat.“ Und Raphael Blau wird wohl sehr schnell</p>
<p>geantwortet haben: „Kein Problem, habe ich.“ Jedenfalls steht der</p>
<p>Thoraschrein heute in der Synagoge von Dzierzoniów.1</p>
<p>Diese Geschichte ist fast schon bibelwürdig. Natürlich ist sie nicht aus der</p>
<p>Bibel. Aber mit Tewje dem Milchmann aus dem Roman von Scholem</p>
<p>Alejchem könnte man sagen: Aber sie könnte drin stehen.</p>
<p>Jesus vergleicht die beiden Schätze mit dem Himmelreich. Eigentlich geht es</p>
<p>gar nicht um die Schätze, sondern es geht um das Himmelreich, das nicht</p>
<p>irgendwo in der Zukunft liegt, sondern unter uns schon da ist, schon beginnt,</p>
<p>immer mal aufblitzt. Aber richtig da ist es noch nicht.</p>
<p>1 Der Passus zur Synagoge in Dzierzoniów und zum Engagement von Raphael Blau bin ich</p>
<p>auf meine Erinnerung an die Führung in der Synagoge und auf Recherchen im Internet</p>
<p>angewiesen. Ungenauigkeit bitte ich – vor allem gegenüber Raphael Blau – zu</p>
<p>entschuldigen.</p>
<p>4</p>
<p>WGü Predigt 28.07.24</p>
<p>Und das Himmelreich finden, entdecken Menschen eben auf ganz</p>
<p>verschiedene Weise. Eher zufällig wie ich meinen Stein an der Nordsee oder</p>
<p>unser Gemeindekirchenrat das kleine Städtchen Dzierzoniów. Oder nach</p>
<p>langer Suche, von Sehnsucht geleitet, von Begeisterung getrieben, wie</p>
<p>Raphael Blau den Thoraschrein.</p>
<p>Das Himmelreich können alle Menschen finden. Arme und Reiche, Menschen,</p>
<p>die Gott noch nie bewusst begegnet sind und die, die schon lange in ihrem</p>
<p>Leben an ihn glauben und mit ihm leben.</p>
<p>Und das Himmelreich ist etwas Nicht-Alltägliches, obwohl es in unseren Alltag</p>
<p>einbricht, in ihm gefunden werden kann. Es ist unendlich wertvoll wie Schatz</p>
<p>und Perle und es übt eine Anziehungskraft auf Menschen aus.</p>
<p>An dieser Stelle habe ich nach weiteren Geschichten gesucht, in denen das</p>
<p>Reich Gottes, das Himmelreich in unserem Alltag aufblitzt. Aber ich will sie</p>
<p>lieber ermutigen, nach solchen Zipfeln des Himmelreichs in ihrem Leben zu</p>
<p>suchen, sie einander zu erzählen. Ich erzähle also hier jetzt keine.</p>
<p>Schließen will ich mit einem kurzen Abschnitt aus dem „kritischen</p>
<p>Katechismus“ von Gerd Theißen.2 Auf die Frage: Was ist Glaube an Gott?,</p>
<p>antwortet er:</p>
<p>Glaube/ vertraut nicht auf die Welt,/ wie sie ist,/ sondern wie sie durch Gottes</p>
<p>Willen/ sein könnte./ Glaube/ vertraut nicht darauf,/ dass alles von selbst gut</p>
<p>wird,/ sondern dass wir Gutes tun können/ auch gegen den Widerstand/ in</p>
<p>uns/ und in der Welt.</p>
<p>Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des Friedens</p>
<p>zu denken wagen, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.</p>
<p>Gemeinde: Amen.</p>
<p>2 Gerd Theißen, Glaubenssätze. Ein kritischer Katechismus, München ³2013, S. 15, zitiert nach</p>
<p>Predigtstudien2023/2024, Perikopenreihe VI, Zweiter Halbband, S. 118</p>
</div><div class="fusion-title title fusion-title-7 fusion-sep-none fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top:50px;--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;"><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><h3 style="text-align: center;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2024/07/Predigt-9.-nach-Trinitatis-Klosterkirche-28-Juli-2024.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff6600;">Text zum Download</span></a></h3></h1></div></div></div></div></div>
<p>The post <a href="https://klosterkirchengemeinde.de/gottesdienst-am-9-sonntag-nach-trinitatis-in-der-klosterkirche-zu-cottbus-28-juli-2024/">Gottesdienst am 9. Sonntag nach Trinitatis in der Klosterkirche zu Cottbus &#8211;  28. Juli 2024</a> appeared first on <a href="https://klosterkirchengemeinde.de">Klosterkirchengemeinde Cottbus</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Abendgottesdienst mit den schönsten Abendliedern unserer Kirche am 8. Sonntag nach Trinitatis unter den Linden an der Dorfkirche Willmersdorf &#8211; 21. Juli 2024</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/abendgottesdienst-mit-den-schoensten-abendliedern-unserer-kirche-am-8-sonntag-nach-trinitatis-unter-den-linden-an-der-dorfkirche-willmersdorf-21-juli-2024/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jul 2024 16:17:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://klosterkirchengemeinde.de/?p=13248</guid>

					<description><![CDATA[<p>1 Predigttext_______________________________ HuT 424 Der Abend kommt Predigt___________________________________ Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Gemeinde: Amen Elisabeth ist seit vielen Jahren Witwe. Sie lebt mit ihren Kindern in einem Haus. Ihr Leben verläuft in geregelten Bahnen. Die Abende gleichen einander. Zum Abendbrot nimmt sie sich  [...]</p>
<p>The post <a href="https://klosterkirchengemeinde.de/abendgottesdienst-mit-den-schoensten-abendliedern-unserer-kirche-am-8-sonntag-nach-trinitatis-unter-den-linden-an-der-dorfkirche-willmersdorf-21-juli-2024/">Abendgottesdienst mit den schönsten Abendliedern unserer Kirche am 8. Sonntag nach Trinitatis unter den Linden an der Dorfkirche Willmersdorf &#8211; 21. Juli 2024</a> appeared first on <a href="https://klosterkirchengemeinde.de">Klosterkirchengemeinde Cottbus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-10 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-9 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-10"><p>1</p>
<p>Predigttext_______________________________</p>
<p>HuT 424 Der Abend kommt</p>
<p>Predigt___________________________________</p>
<p>Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und</p>
<p>unserm Herrn Jesus Christus.</p>
<p>Gemeinde: Amen</p>
<p>Elisabeth ist seit vielen Jahren Witwe. Sie lebt mit ihren Kindern in</p>
<p>einem Haus. Ihr Leben verläuft in geregelten Bahnen. Die Abende</p>
<p>gleichen einander. Zum Abendbrot nimmt sie sich täglich zwei</p>
<p>eingefrorene Brotscheiben aus dem Gefrierschrank. Einer der</p>
<p>letzten Gänge führt sie immer zum Kaninchenstall. Ihre Kinder</p>
<p>wollen ihr das Füttern der Kaninchen am liebsten verbieten. Sie</p>
<p>gibt ihnen – da haben sie ja recht – manchmal mehr als nötig. Dann</p>
<p>geht sie ins Haus und sieht manchmal noch ein bisschen fern. Bald</p>
<p>geht sie ins Bett. Die Wege, die sie am Tag geht – sie fallen ihr</p>
<p>manchmal schwer. Sie ist nun weit über die 80. Ihr Heinz ist schon</p>
<p>seit 12 Jahren nicht mehr da. Erleichtert, dass sie alle ihre Wege für</p>
<p>diesen Tag geschafft hat, geht sie zu Bett. Es hat etwas Tröstliches</p>
<p>2</p>
<p>WGü Predigt 22.07.24</p>
<p>für sie, dass alle Pflichten von ihr abfallen. Das Tagwerk ist erledigt.</p>
<p>Sie kann in Ruhe einschlafen.</p>
<p>Der Abend kommt, nun enden unsre Wege.</p>
<p>Markus ist Arzt. Heute hat er Nachtdienst. Draußen wird es schon</p>
<p>ein bisschen hell. Manche Kolleginnen und Kollegen haben einen</p>
<p>Schrittzähler. Er nicht. Er weiß auch so, dass er sich die Hacken</p>
<p>abgerannt hat in diesem Dienst. Mehrere Operationen. In der</p>
<p>Notaufnahme war auch ganz schön was los. Heute wird sein</p>
<p>Rhythmus wieder mal völlig quer zu dem von Freunden und Familie</p>
<p>sein. Er freut sich schon auf den Moment, wenn er zu Hause ist,</p>
<p>noch einen Milchkaffee auf dem Balkon trinkt und dann müde ins</p>
<p>Bett fällt. Für viele beginnt dann der Tag. Für ihn ist eigentlich so</p>
<p>was wie Abend. Dankbar ist er, dass er jetzt bald alles von sich</p>
<p>abfallen lassen kann. Es ist getan, was getan werden muss. Auch</p>
<p>wenn es Morgen ist:</p>
<p>Der Abend kommt, nun enden unsre Wege.</p>
<p>Johannes rafft sich noch einmal auf. Linus, Zoe und Lene sind im</p>
<p>Bett. Nachdem sie eingeschlafen waren, hat er erst einmal ein paar</p>
<p>Seiten gelesen. Das Wäsche aufhängen schafft er dann immer</p>
<p>noch. Die Tage hier bei den Kindern sind seltsam. Seit er sich von</p>
<p>seiner Frau getrennt hat, ist er Gast in der eigenen Wohnung. Für</p>
<p>die Kinder ist es gut. Sie haben nach wie vor ein Zuhause und sie</p>
<p>haben beide Eltern. Aber für ihn … Er bringt sie abends ins Bett</p>
<p>und manchmal ist er dann am nächsten Morgen schon nicht mehr</p>
<p>hier und ihre Mutter weckt sie und schickt sie zur Schule. Und</p>
<p>trotzdem ist er froh über diesen Tag. Sie haben ausgelassen</p>
<p>miteinander gespielt. Es war anstrengend. Er weiß, was die Kinder</p>
<p>beschäftigt, welche Sorgen sie drücken, was in der Schule und im</p>
<p>3</p>
<p>WGü Predigt 22.07.24</p>
<p>Kindergarten los ist. Jetzt noch ein paar Handgriffe und dann</p>
<p>schnell schlafen. Er lässt den Tag noch einmal vor seinem inneren</p>
<p>Auge Revue passieren. Es war gut. Gleich wird er müde ins Bett</p>
<p>fallen.</p>
<p>Der Abend kommt, nun enden unsre Wege.</p>
<p>Der Abend kommt, nun enden unsre Wege.</p>
<p>Du Gott der Stille, deinen Frieden lege</p>
<p>auf unser Haus und auf das dunkle Land</p>
<p>und lass uns ruhn in deiner guten Hand.</p>
<p>Drei Menschen. Drei ganz gewöhnliche Tage. Diese drei Menschen</p>
<p>verbindet, dass sie am Abend gelassen auf den Tag zurückblicken</p>
<p>können. Es hat etwas Tröstliches, wenn der Abend kommt, wenn</p>
<p>die Nacht da ist. Wenn keine weiteren Wege auf mich warten, ich</p>
<p>getrost ins Bett gehen kann.</p>
<p>Ob einer von den dreien oder alle auch die nächsten Sätze unseres</p>
<p>Abendliedes mitsprechen könnten?</p>
<p>Du Gott der Stille, deinen Frieden lege</p>
<p>auf unser Haus und auf das dunkle Land</p>
<p>und lass uns ruhn in deiner guten Hand.</p>
<p>Da erwartet jemand viel von der Stille der Nacht und vom Gott der</p>
<p>Stille. Die Bitte, dass Gott seinen Frieden auf unser Haus und auf</p>
<p>das dunkle Land legen möge, ist ein schönes Bild. Frieden auf</p>
<p>etwas legen – das ist eine sanfte Vorstellung. Und lass uns ruhn in</p>
<p>deiner guten Hand. Das ist eine glaubensvolle, vertrauende Bitte</p>
<p>von Menschen, die ihrem Schöpfer ganz vertrauen.</p>
<p>4</p>
<p>WGü Predigt 22.07.24</p>
<p>Und trotzdem – vielleicht deutet sich hier schon an, was in den</p>
<p>nächsten Strophen deutlicher werden wird. Das dunkle Land ist</p>
<p>vielleicht nicht nur das in nächtliches Dunkel getauchte Land. Ich</p>
<p>denke hier auch an anderes Dunkel. An unser Land, das Frieden,</p>
<p>Verständigung zwischen Menschen mit unterschiedlichen</p>
<p>Erfahrungen und Meinungen so dringend braucht, an Europa mit</p>
<p>seinen großen Herausforderungen, an Krieg und Ungerechtigkeit.</p>
<p>Aber vielleicht hat Jörg Zink bei dieser Strophe auch wirklich nur an</p>
<p>das Land im nächtlichen Dunkel gedacht. Wir wissen es nicht.</p>
<p>Der in den Abendliedern unserer Kirche konservierte und so</p>
<p>lebendige Glaube hat eine große Tiefe und er spiegelt ganz</p>
<p>verschiedene Erfahrungen von Menschen mit dem Abend und mit</p>
<p>der darauffolgenden Nacht. Von einer Erfahrung haben wir eben</p>
<p>gehört: Der Abend kommt, nun enden unsre Wege. Wir könnten</p>
<p>das vielleicht Trost I oder ´Trost in normalen Zeiten´ nennen.</p>
<p>In den nächsten Strophen wendet sich der Dichter einer ganz</p>
<p>anderen Dimension zu. Es gibt auch die Menschen, die nachts wach</p>
<p>liegen, die kein Auge zutun, weil sie so umgetrieben sind von allem,</p>
<p>was in der Welt an Schrecklichem geschieht, wo Menschen</p>
<p>schuldig werden. Bevor ich die beiden Strophen vorlese, will ich Sie</p>
<p>auf die Bewegung aufmerksam machen, die in ihnen liegt. Sie</p>
<p>beginnen mit einer Feststellung. „Die Nacht ist tief.“ „Die Nacht ist</p>
<p>bang.“ Sie beschreiben die leidzerrissne Erde und sie münden in</p>
<p>eine Bitte, die von großem Vertrauen erzählt, dass auf die tiefe</p>
<p>Nacht, auf Streit, auf Schuld, ein neuer Tag folgen wird. Diese</p>
<p>Bewegung können Sie in ganz vielen Abendliedern wiederfinden.</p>
<p>Ja, es wäre vermutlich eine lohnende Aufgabe, mal eine Theologie</p>
<p>der Abendlieder zu schreiben. Sie würde große Ähnlichkeiten in</p>
<p>5</p>
<p>WGü Predigt 22.07.24</p>
<p>Abendliedern vom Mittelalter bis in unsere Gegenwart entdecken.</p>
<p>Da bin ich ganz sicher.</p>
<p>Die Strophen 3 und 4:</p>
<p>Die Nacht ist tief. Sie hält das Herz gefangen.</p>
<p>Wo wir auf dunklen Wegen irrgegangen,</p>
<p>führ du uns selbst, dass neu dein Tag beginnt,</p>
<p>und wir von deinem Licht durchdrungen sind.</p>
<p>Die Nacht ist bang. Gib uns, dass Frieden werde.</p>
<p>Sieh diese arme, leidzerrissne Erde.</p>
<p>Du Gott des Friedens, ende allen Streit.</p>
<p>Mach uns zu Friedensboten dieser Zeit.</p>
<p>Mich fasziniert an diesem Lied, dass es die Zumutungen unserer</p>
<p>Zeit beim Namen nennt und keineswegs kleinredet und dass es</p>
<p>trotzdem so viel Hoffnung vermittelt. Und diese Hoffnung besteht</p>
<p>ja nicht darin, dass Gott einfach eingreifen möge. Es sind zwei</p>
<p>Bitten, die sich zwar an Gott richten, aber uns in die Verantwortung</p>
<p>nehmen. „Führ du uns selbst, dass neu dein Tag beginnt, und wir</p>
<p>von deinem Licht durchdrungen sind.“ „Mach uns zu</p>
<p>Friedensboten dieser Zeit.</p>
<p>Die Melodie von Hans-Jürgen Hufeisen ist in ihrer Schlichtheit und</p>
<p>Bedächtigkeit einfach kongenial zum Text von Jörg Zink. Am Ende</p>
<p>jeder Stophe geht die Melodie ganz nach unten, um sich am Ende</p>
<p>wieder fast eine Oktave nach oben zu bewegen.</p>
<p>Wir könnten jetzt Vermutungen anstellen, wie Elisabeth, Markus</p>
<p>und Johannes geschlafen haben. Ob Trost I oder der „Trost in</p>
<p>normalen Zeiten“ geholfen hat. Wir wissen es nicht. Vielleicht war</p>
<p>6</p>
<p>WGü Predigt 22.07.24</p>
<p>Elisabeths Mann Heinz im Krieg und ist traumatisiert</p>
<p>zurückgekommen. Vielleicht beschäftigt sie der aktuelle Krieg mit</p>
<p>Russland mehr als alle von ihr wissen. Vielleicht erlebt Markus in</p>
<p>seiner Klinik schreckliche Schicksale von Menschen auf der Flucht</p>
<p>oder aus dem Krieg und sein harter Arbeitsalltag ist nur die eine</p>
<p>Seite seines Lebens und seiner Belastung. Vielleicht fragt sich</p>
<p>Johannes abgesehen von seinen Alltagssorgen eines getrennten</p>
<p>Familienvaters auch, wie die Welt für seine Kinder wohl in 20 oder</p>
<p>30 Jahren aussehen wird, ob sie auf dieser Erde überhaupt noch</p>
<p>glücklich leben werden.</p>
<p>Für uns alle gilt: Der Glaube kann Berge versetzen. Und ich wage zu</p>
<p>behaupten: Der Glaube der Abendlieder kann besonders große</p>
<p>Berge versetzen.</p>
<p>Warum? Weil Menschen, die mit einem solchen Trost abends ins</p>
<p>Bett gehen und mit einer solchen Hoffnung auf Veränderung</p>
<p>morgens aufstehen können, einfach ein Segen sind. Ein Segen für</p>
<p>die Menschen, denen sie begegnen. Ein Segen für die Welt, in der</p>
<p>sie leben und wirken. Ein Segen für die Kirche, die sich auf sie</p>
<p>verlassen kann. Sie können Salz der Erde sein und Licht der Welt.</p>
<p>Und natürlich wäre dieses Abendlied kein Abendlied, wenn es nicht</p>
<p>auch den ganz großen Bogen schlagen würde. Wenn die vierte</p>
<p>Strophe beginnt: Es kommt dein Morgen. Dann meint das nicht</p>
<p>einfach den nächsten Sonnenaufgang. Es kommt dein Morgen. Da</p>
<p>denken wir gleich an die Menschen, für die dieser Morgen nicht</p>
<p>einfach der Anbruch eines neuen Tages ist, sondern der Morgen in</p>
<p>der anderen Welt bei Gott. Diese Hoffnung überstrahlt alles. Und</p>
<p>so wird die Bitte in der letzten Strophe auch ganz universal,</p>
<p>umfasst den ganzen Erdkreis, nicht nur die Menschen, sondern</p>
<p>7</p>
<p>WGü Predigt 22.07.24</p>
<p>Gottes ganze Schöpfung. Da wird kein Unterschied gemacht</p>
<p>zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion. Die</p>
<p>Bitte an Gott ist so groß – größer geht es einfach nicht.</p>
<p>Es kommt dein Morgen. Bleib mit deiner Güte</p>
<p>bei allen Menschen. Schütze und behüte,</p>
<p>was du erschaffen, bis dein Tag anbricht,</p>
<p>und wir dich schaun, dich und dein helles Licht.</p>
<p>Die ganze Schöpfung, Menschen, Tiere und Pflanzen, geht der</p>
<p>Zukunft Gottes entgegen. „ … bis wir dich schaun, dich und dein</p>
<p>helles Licht.“ Das ist das große Ziel.</p>
<p>Aber bis dahin wird Elisabeth abends weiter die Kaninchen füttern &#8211;</p>
<p>auch wenn es zu viel ist.</p>
<p>Markus wird seine Dienste im Krankenhaus schaffen und sein</p>
<p>Bestes geben. Und Johannes wird seinen Kindern auch in dieser</p>
<p>nicht idealen Situation ein guter Vater sein.</p>
<p>Diese drei und wir alle leben von Trost I – „Der Abend kommt. Nun</p>
<p>enden unsre Wege.“</p>
<p>Diese drei und uns alle will Gott in die Pflicht nehmen als</p>
<p>Friedensboten dieser Zeit.</p>
<p>Diese drei und wir alle werden einst Gott schauen; ihn und sein</p>
<p>helles Licht.</p>
<p>Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir zur Sache des</p>
<p>Friedens zu denken wagen, der wird unsere Herzen und Sinne</p>
<p>bewahren in Christus Jesus.</p>
<p>Gemeinde: Amen.</p>
<p>8</p>
<p>WGü Predigt 22.07.24</p>
</div><div class="fusion-title title fusion-title-8 fusion-sep-none fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top:50px;--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;"><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><h3 style="text-align: center;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2024/07/Abendgottesdienst-mit-den-schoensten-Abendliedern-unserer-Kirche.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff6600;">Text zum Download</span></a></h3></h1></div></div></div></div></div>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gottesdienst zum Ferienbeginn  auf dem  Klosterplatz &#8211; 14. Juli 2024</title>
		<link>https://klosterkirchengemeinde.de/gottesdienst-zum-ferienbeginn-auf-dem-klosterplatz-14-juli-2024/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Klosterkirchengemeinde Cottbus]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jul 2024 16:27:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt-Aktuell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>1 Texte Lesung______________________________________________ Wenn wir Ferien haben, wollen wir gern mit wenig Pflichten oder Sorgen in den Tag hineinleben. Wir freuen uns darauf durchzuatmen, nicht zu müssen, sondern zu dürfen. Darum lassen wir uns jetzt daran erinnern, was uns zu Menschen macht. Wir hören, dass Gott uns den Lebensatem eingeblasen hat. Sein Wille ist  [...]</p>
<p>The post <a href="https://klosterkirchengemeinde.de/gottesdienst-zum-ferienbeginn-auf-dem-klosterplatz-14-juli-2024/">Gottesdienst zum Ferienbeginn  auf dem  Klosterplatz &#8211; 14. Juli 2024</a> appeared first on <a href="https://klosterkirchengemeinde.de">Klosterkirchengemeinde Cottbus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-11 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-10 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-11"><p>1</p>
<p>Texte</p>
<p>Lesung______________________________________________</p>
<p>Wenn wir Ferien haben, wollen wir gern mit wenig Pflichten</p>
<p>oder Sorgen in den Tag hineinleben. Wir freuen uns darauf</p>
<p>durchzuatmen, nicht zu müssen, sondern zu dürfen.</p>
<p>Darum lassen wir uns jetzt daran erinnern, was uns zu</p>
<p>Menschen macht.</p>
<p>Wir hören, dass Gott uns den Lebensatem eingeblasen hat.</p>
<p>Sein Wille ist es, dass wir atmen und so mit der Welt, die uns</p>
<p>umgibt, in ständigem Austausch sind.</p>
<p>Wir hören Worte aus dem 1. Buch Mose im 2. Kapitel:</p>
<p>2</p>
<p>LiturgieWGü 23.07.24</p>
<p>Zu der Zeit, als Gott der Herr Erde und Himmel machte,</p>
<p>wuchs noch nichts auf der Erde.</p>
<p>Es gab keine Sträucher auf dem Feld und auch sonst keine</p>
<p>Pflanzen. Denn Gott der Herr hatte noch keinen Regen</p>
<p>auf die Erde fallen lassen. Es gab auch keinen Menschen,</p>
<p>der den Erdboden bearbeitete. Wasser stieg aus der Erde auf</p>
<p>und tränkte den ganzen Erdboden. Da formte Gott der Herr</p>
<p>den Menschen aus Staub vom Erdboden. Er blies ihm den</p>
<p>Lebensatem in die Nase, und so wurde der Mensch ein</p>
<p>lebendiges Wesen. 1. Mose 2, 4b-7 (Basisbibel)</p>
<p>Gedanken zum Thema Atem____________________________</p>
<p>Wir sind hier zusammen, um in Gottes Namen durchzuatmen.</p>
<p>Wir spüren das Leben in uns.</p>
<p>Wir spüren Gott in uns.</p>
<p>Wenn ein Mensch lebt, atmet er.</p>
<p>Es beginnt mit dem ersten Atemzug eines Babys.</p>
<p>Und es endet mit dem letzten Atemzug auf dem Sterbebett.</p>
<p>Der Atem begleitet uns jeden Tag.</p>
<p>Oft machen wir uns das nicht bewusst.</p>
<p>Nur, wenn wir atmen, leben wir.</p>
<p>Wenn es uns schlecht geht, atmen wir schwer.</p>
<p>Dann drückt es auf der Lunge.</p>
<p>3</p>
<p>LiturgieWGü 23.07.24</p>
<p>Wenn es uns gut geht, haben wir viel Luft.</p>
<p>Wir können springen.</p>
<p>Wir können lachen und sprechen.</p>
<p>Wir können singen, weil wir atmen.</p>
<p>Ein hebräisches Wort für Atem ist Ruach.</p>
<p>Es bedeutet:</p>
<p>Atem, Hauch, Wind, Leben – und Geist.</p>
<p>Der Atem ist ein Teil Gottes in uns.</p>
<p>Als Mose danach fragt, wie Gott heißt, antwortet er: ich bin, der</p>
<p>ich bin.</p>
<p>Juden sprechen den Namen Gottes nicht aus.</p>
<p>Sie schreiben ihn so, dass er nicht gesprochen werden kann.</p>
<p>Manche Wissenschaftler sagen,</p>
<p>dass diese Art den Namen Gottes zu schreiben,</p>
<p>eine Nachahmung des Atems sein soll.</p>
<p>Was für ein schöner Gedanke:</p>
<p>Atmen bedeutet</p>
<p>den Namen Gottes auszusprechen.</p>
<p>Wir atmen die ganze Zeit, solange wir leben.</p>
<p>Und mit jedem Atemzug beten wir zu Gott.</p>
<p>4</p>
<p>LiturgieWGü 23.07.24</p>
<p>Sehen und Hören_____________________________________</p>
<p>Ich habe einen Brief bekommen. Einladung zum Familientreffen. Sonst</p>
<p>habe ich den immer sofort zur Seite gelegt. Manche sind so zerstritten</p>
<p>miteinander. Die treffen sich seit Jahren nicht. Dem wollte ich mich nicht</p>
<p>aussetzen. Aber diesmal ist es anders. Ich werde gut durchatmen und</p>
<p>dabei sein. Ich bin neugierig. Vielleicht erfahre ich ja etwas, was man nur</p>
<p>erfährt, wenn man seine große Familie mal wieder trifft. Ich möchte</p>
<p>besser wissen, wie meine große Familie atmet.</p>
<p>***</p>
<p>Meine Sommerplanungen für dieses Jahr sind vor kurzem geplatzt. Ich</p>
<p>hätte heulen können. Ich habe meine Bergschuhe zurück auf den Boden</p>
<p>gebracht. Da kam mir der alte Koffer in den Blick. Da haben wir alles</p>
<p>reingestopft, was wir beim atemlosen Ausräumen von Oma Minchens</p>
<p>Haus nicht wegwerfen wollten und wofür keine Zeit war. Fotos, Briefe,</p>
<p>Bücher und Urkunden, Schmuck – Familienkram eben. Jetzt habe ich</p>
<p>zwei Wochen. Zwei Wochen, um in Erinnerungen einzutauchen. Was für</p>
<p>ein Glück. Ich freu mich drauf. Und abends treffe ich Freunde am See</p>
<p>und tauche im See unter.</p>
<p>***</p>
<p>Kannst du mir mal schnell helfen? Ich will meine Hängematte au􀆢ängen,</p>
<p>einfach zwischen die Bäume, einfach irgendwo in den Wind. Ich freu</p>
<p>mich auf das Glück, ohne Planung einfach in den Tag hineinleben zu</p>
<p>können. Einfach rumhängen wie ein Faultier. Schauen, hören, fühlen</p>
<p>was passiert. Das ist für mich Atemholen in den Ferien.</p>
<p>5</p>
<p>LiturgieWGü 23.07.24</p>
<p>Ein Kind kommt mit dem Fahrrad durch die „Kirche“ geradelt und ruft</p>
<p>immer „Ferien! Ferien! Endlich Ferien!“</p>
<p>***</p>
<p>Mein Freundschaftsbändchen von Susi. (Schachtel) Erst hatte ich es am</p>
<p>Arm; bis der Knoten durchgerieben war. Das war ungefähr im Advent.</p>
<p>Es hat ganz schön lange gehalten an meinem Arm. Vom Sommerurlaub</p>
<p>bis Advent. Und war mir so ein sichtbares Glück von Freundschaft zu</p>
<p>meiner jetzt besten Freundin Susi. Wir trafen uns zufällig. Wir standen</p>
<p>hintereinander in der Schlange am Einlass vom Museum. Wir wollten</p>
<p>beide unbedingt in diese Ausstellung und die atemberaubenden Bilder</p>
<p>von Caspar David Friedrich sehen. Dieser Blick in die Weite. Diese</p>
<p>Farben. Nach dem langen Anstehen trafen wir uns dann in der</p>
<p>Ausstellung noch ein paar Mal. Und es war schön sich vertraut zu</p>
<p>fühlen. Dann suchte ich zum Schluss eine Postkarte für meine Mutter im</p>
<p>Museumsshop. Und dann schenkte mir Susi dieses Bändchen und gab</p>
<p>mir ihre Adresse. Jetzt treffen wir uns in diesem Jahr in Paris. Bei den</p>
<p>Gemälden natürlich. Ich genieße das Glück der Freundschaft.</p>
<p>***</p>
<p>Mein Kop􀆨issen, frisch bezogen. Das nehme ich mit in den Urlaub. Ich</p>
<p>freue mich auf das Glück auszuschlafen. Atem schöpfen im Schlaf.</p>
<p>Träume haben, weil kein Wecker mich vorzeitig weckt. Ich liebe es und</p>
<p>sehne die Zeit herbei. Noch … Tage.</p>
<p>***</p>
<p>6</p>
<p>LiturgieWGü 23.07.24</p>
<p>Ich schaue mir jetzt mal die schöne Karte an,</p>
<p>die ich mit dem Liedblatt bekommen habe.</p>
<p>Es tut gut, auf diesem Bild in Gedanken spazieren zu gehen.</p>
<p>Da ist so viel helles, lichtes Grün! Die Blätter in der Sonne.</p>
<p>Im Schatten. Im Halbschatten. Man kann sich den Wind dazu vorstellen,</p>
<p>wie er die Blätter zum Rascheln bringt. Und auf der Haut einen leichten</p>
<p>Luftzug hinterlässt. Der Blick wandert weiter den Abhang hinunter.</p>
<p>Irgendwo ist der tiefste Punkt. Von dort geht es wieder hinauf: zu einer</p>
<p>Wiese und dem Waldrand dahinter.</p>
<p>Worte haben sich in das Bild geschlichen. Blick. Atem. Welt. Über jedes</p>
<p>dieser Worte lässt sich nachdenken. Was kommt mir dazu in den Sinn?</p>
<p>Alle Worte zusammengenommen ergeben von oben nach unten</p>
<p>gelesen einen Satz: „Blick in den Atem der Welt.“</p>
<p>Den Atem der Welt, kann man ihn sehen wie den Hauch beim Ausatmen</p>
<p>an einem kühlen Tag? Und was genau könnte der Atem der Welt sein?</p>
<p>Die Photosynthese vielleicht, die uns das Leben ermöglicht, durch die</p>
<p>Verwandlung von CO2 in Sauerstoff, so dass wir atmen können?</p>
<p>Ein Wunder dieser Welt&#8230;</p>
<p>Oder besteht der Atem der Welt aus guten Gedanken? Ein farbenfrohes</p>
<p>Bild. Ein Lied, das einen begleitet. Ein Wort, das etwas bewirkt. Eine</p>
<p>Vermittlung im Streit. Eine richtig gute Idee.</p>
<p>Fragen. Kann es sein: Gott atmet in allem, was lebt, seit er die Welt</p>
<p>geschaffen hat? Bist du es, lieber Gott, der auch mir hin und wieder</p>
<p>gute Gedanken in meinen Kopf schickt, so dass ich mich freue darüber?</p>
<p>Der Blick von dieser Lichtung im Wald hinunter in die Tiefe bringt mich</p>
<p>zum Nachsinnen. „Atme in uns, Heilger Geist.“</p>
<p>7</p>
<p>LiturgieWGü 23.07.24</p>
<p>Fürbitten___________________________________________________</p>
<p>Lasst uns Fürbitte halten und dazu aufstehen!</p>
<p>Guter Gott, du hast uns geschaffen,</p>
<p>zusammen mit allem, was lebt.</p>
<p>Danke dafür.</p>
<p>Hier sind wir auf dem schönen Klosterplatz.</p>
<p>Mitten in der Stadt.</p>
<p>Wir hören die Stadtgeräusche</p>
<p>Wir hören die Geräusche der anderen Menschen.</p>
<p>Wir hören die Vögel und die Natur – mitten in der Stadt.</p>
<p>Guter Gott, du hast uns den Atem gegeben.</p>
<p>Er kommt und geht.</p>
<p>Wir denken oft nicht daran.</p>
<p>Es tut gut, sich wieder daran zu erinnern,</p>
<p>dass wir atmende Wesen sind,</p>
<p>in enger Berührung zu der ganzen Welt um uns herum.</p>
<p>Gib uns in diesem Sommer Zeit das zu spüren – im Garten, am Meer, in</p>
<p>den Bergen, am Wasser, in der Natur und überall, wo wir gerade sind.</p>
<p>Vor allem da, wo wir ausspannen und zur Ruhe kommen.</p>
<p>Guter Gott, wir bitten dich für die Menschen,</p>
<p>die keine Pause, keine Ruhe, keinen Urlaub kennen.</p>
<p>Und für die, die in diese Jahr ohne Urlaub, ohne Ferien leben müssen.</p>
<p>Vor allem denken wir an alle Menschen in der Hast und den Ängsten des</p>
<p>Krieges.</p>
<p>Wir denken an die Hungernden und an alle kranken Menschen.</p>
<p>Lass auch sie deine Nähe spüren.</p>
<p>8</p>
<p>LiturgieWGü 23.07.24</p>
<p>Guter Gott, zu dir beten wir für die Christenlehrekinder und für alle</p>
<p>Kinder in unserer Gemeinde und überall,</p>
<p>für die Konfirmandinnen und Konfirmanden, für die Jugendliche, für</p>
<p>alle, die nach den Ferien etwas Neues beginnen. Lass sie die Zeit davor</p>
<p>als eine gute Atempause erleben, als dein Geschenk.</p>
<p>Gott, weil du mitten unter uns bist, bringen wir jetzt in der Stille vor</p>
<p>dich, was jede und jeden von uns persönlich am meisten bewegt.</p>
<p>Stille</p>
<p>Gemeinsam sprechen wir als deine Kinder:</p>
<p>Vater unser im Himmel …</p>
<p>Segen________________________________________</p>
<p>Wenn ihr jetzt geht, in diesen Tag, in die heute beginnende Woche und</p>
<p>in die bald beginnenden Ferien &#8211; dann geht ihr nicht mit leeren Händen</p>
<p>und nicht mit leeren Herzen.</p>
<p>Ihr geht mit dem Segen Gottes, dessen Namen ihr mit jedem Atemzug</p>
<p>aussprecht, der euch jeden Tag von neuem ins Leben führt.</p>
<p>Gott segne dich und behüte dich,</p>
<p>Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,</p>
<p>Gott wende ihr Angesicht dir zu und gebe dir Frieden.</p>
</div><div class="fusion-title title fusion-title-9 fusion-sep-none fusion-title-center fusion-title-text fusion-title-size-one" style="--awb-margin-top:50px;--awb-margin-top-small:10px;--awb-margin-right-small:0px;--awb-margin-bottom-small:10px;--awb-margin-left-small:0px;"><h1 class="fusion-title-heading title-heading-center fusion-responsive-typography-calculated" style="margin:0;--fontSize:34;line-height:1.4;"><h3 style="text-align: center;"><a href="https://klosterkirchengemeinde.de/wp-content/uploads/2024/07/Gottesdienst-zum-Ferienbeginn-auf-dem-Klosterplatz-14.-Juli-2024.pdf" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff6600;">Text zum Download</span></a></h3></h1></div></div></div></div></div>
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